Schutzimpfung für Allergien in greifbarer Nähe

Eine neue Generation von Schutzimpfstoffen soll Allergien in nicht allzu ferner Zukunft den Garaus bereiten, bevor diese überhaupt auftreten. Als eine der heute bekannten Ursachen dafür gilt vor allem übertriebene Hygiene

“Angesichts rund 30 Prozent Betroffener und weiterhin steigender Fälle kann man durchaus von einer Epidemie sprechen”, meint Grundlagenforscher Josef Thalhamer, Professor an der Universität Salzburg . Während derzeit ausschließlich Patienten behandelt würden, die bereits an einer Allergie leiden, wolle man mithilfe von genetischen Vakzinen der nächsten Generation Organismen von vornherein gegen die fehlerhafte Immunreaktion resistent machen. Thalhammer rechnet damit, dass bereits in zehn bis fünfzehn Jahren mit einem derartigen Schutzimpfungsangebot zu rechnen sei.

Als Ursache für die immer stärker um sich greifende Zivilisationskrankheit führen Wissenschaftler unter anderem die hygienischen Bedingungen an, in denen Kinder heutzutage aufwachsen. “Kinder werden viel zu hygienisch gehalten und kommen etwa in ihrer oralen Phase viel weniger als früher mit Stoffen der Umwelt in Berührung, die der Körper als gefährlich einzustufen lernt. Zudem machen Kinder viel zu wenige Infekte durch bzw. werden diese auch bei banalen Erkrankungen oftmals mit Antibiotika behandelt”, meint Christof Ebner, Leiter des Allergieambulatoriums Reumannplatz in Wien. Dadurch lerne das Immunsystem nicht, zwischen harmlosen und gefährlichen Stoffen von außen zu unterscheiden. Im Falle der Allergie treffe der Körper schließlich die falsche Entscheidung, indem er etwa Pollen als gefährlichen Stoff einstufe und mit einer Reaktion des Immunsystems antworte.

Als kritisch erachtet Ebner, dass Allergien in der heutigen Zeit immer noch Gefahr laufen, bagatellisiert zu werden. “Schon allein das Wort ´Heuschnupfen´ macht deutlich, dass diese Immunerkrankung - auch von Hausärzten - oftmals nicht Ernst genommen wird”, meint Ebner. Dies sei insofern bedenklich, da wissentlich zwischen einem Viertel und einem Drittel aller Allergiker an Asthma erkranke.

Der Allergie-Experte rät deshalb, Allergiesymptome Ernst zu nehmen und sich behandeln zu lassen. Neben der Vermeidung von bekannten Allergenen etwa bei Medikamenten oder in der Nahrung sowie der medikamentösen Behandlung der Symptome bieten sich auch eine Reihe von spezifischen Immuntherapien an, die kausal in die individuelle Allergieproblematik eingreifen. Im Bereich der Sensibilisierung, die durch mehrjährige Schluck- oder Spritzentherapien erzielt werden kann, erhofft sich Ebner neue Fortschritte durch gentechnisch hergestellte Stoffe.

“In der Zwischenzeit gibt es schon viele Zulassungen für klinische Studien derartiger Impfstoffe”, ist Thalhamer von der Zukunft der Gen-Vakzine überzeugt. “Während man sich zunächst auf die gefährlichsten Krankheiten wie Malaria, HIV, Tuberkulose oder aber auch die therapeutische Behandlung von Tumorerkrankungen konzentrierte, wurden nun auch erste klinische Studien zu Influenza durchgeführt”, so der Grundlagenforscher. Er rechnet folglich damit, dass bereits in vier bis fünf Jahren auch im Bereich der Allergien mit entsprechenden Studien begonnen werden könne. Bei einem Impfvorgang müssten nicht sämtliche Allergene berücksichtigt werden, da viele Allergien kreuzreaktiv seien. Werde man nun gegen einen Stoff resistent, gelte dies zumeist auch für dessen Verwandten. Je nach den natürlichen Begebenheiten in verschiedenen Ländern und Regionen, könne der Impfstoff auch angepasst werden, so Thalhamer.




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