Surfen unsere Kinder lieber im Netz als auf dem Wasser?

Jeden Sommer die gleichen Pressemeldungen: Kinder (und auch Erwachsene) ertrinken im Rhein! Kleinkinder verlieren ihr Leben durch einen Sturz in den Gartenteich! Gewässer können gefährlich durch Strömungen sein, bedrohlich selbst für gute Schwimmer. Und ja, viele kleine, aber auch Immer mehr große Kinder können nicht schwimmen

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Laut einer aktuellen Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KIGGS) des Robert Koch Instituts können 33 % aller Kinder nach der Grundschule nicht schwimmen. Dabei sehen die Vorgaben für die Grundschulen in Nordrhein-Westfalen vor, dass Schüler nach dem Ende der Grundschulzeit schwimmen können sollten.

Können sollten - doch dem ist immer öfter nicht so! Das ist kein Schicksalsschlag, das ist ein Phänomen unserer heutigen Gesellschaft. In der Generation unserer Eltern war meist ein Elternteil zumindest am Nachmittag zu hause. Der Nachmittag gehörte auch der Kinderbetreuung. So war es doch die Regel, dass Kinder im Kindergartenalter irgendwann einen Schwimmkurs besucht haben oder mit ihren Eltern regelmäßig ein Schwimmbad aufgesucht haben, um schwimmen zu lernen. Ich kann mich selber noch an meine Grundschulzeit erinnern - im Schwimmunterricht der Schule in der dritten oder vierten Klasse gab es in unserer Klasse mit über 30 Schülern etwa drei oder vier Kinder, die mit einer Lehrerin im Nichtschwimmerbecken geübt haben. Der Rest wurde auf das Jugendschwimmerabzeichen vorbereitet.

Bei der heutigen Statistik können wir uns ja vorstellen, dass es im Nichtschwimmerbereich ganz schön eng wird. Und ein Lehrer / Lehrerin für so viele Nichtschwimmer? Wie sollen die Kinder da schwimmen lernen?

“Der Schwimmunterricht in den Schulen kann diese Entwicklung nicht mehr ausreichend auffangen. Schwimmen ist zwar ein integraler Bestandteil des Sportlehrplanes, der Aufwand für die Betreuung und den Unterricht von absoluten Nichtschwimmern ist allerdings zeitintensiv und erfordert gut geschultes Personal”, erläutert Peter Renzel, Geschäftsbereichsvorstand Jugend, Bildung und Soziales der Stadt Essen.

Die Universität Duisburg-Essen, die Stadt Essen und der Essener Sportbund (ESPO) haben deshalb ein gemeinsames neues Projekt vorgestellt. Das Angebot richtet sich vorrangig an Flüchtlingskinder und an Kindern aus sozialen Brennpunkten.

“Schwimmen zu können ist nicht nur ein entscheidender Sicherheitsfaktor, der vor dem Ertrinken schützt. Schwimmen zu können bedeutet auch die Teilhabe an vielen beliebten Sportangeboten und damit am gesellschaftlichen Leben”, erklärt Andreas Bomheuer, Geschäftsbereichsvorstand Kultur, Integration und Sport der Stadt Essen.

Die Universität unterstützt dieses Projekt, indem Studenten den Sport- und Schwimmlehrern und -lehrerinnen ausgewählter Essener Grundschulen tatkräftig unter die Arme greifen. Der Essener Sportbund wird mehr und intensiver geführte Schwimmkurse anbieten. Zwei Grundschulen nutzen bereits das Angebot, nach den Herbstferien wird eine dritte dazu kommen. In Zukunft werden wahrscheinlich noch fünf weitere Essener Grundschulen in das Projekt aufgenommen.

Die Finanzierung wird von der Laureus-Stiftung und der Stadt Essen getragen und ist erst mal für die nächsten drei Jahre gesichert.




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