Die Heilkraft von Bäumen und Pflanzen

Nachstehenden, alphabetisch gelisteten Bäumen und Pflanzen werden besondere Heilkräfte zugesprochen. Natürlich kann im Rahmen dieses Führers nur eine Auswahl an heimischen Bäumen und Pflanzen berücksichtigt werden. Eine Fundgrube sind, wie so oft die Schriften der heiligen Hildegard von Bingen.

Eingeleitet werden die Aufstellungen mit der Nennung und Beschreibung von wiederkehrenden Wirkstoffen, die bei den vorgestellten Bäumen und Pflanzen anzutreffen sind und als Arzneistoffe gelten, sowie einer kleinen Einführung in die Kunst des Sammelns derselben, der Zubereitung und Anwendung.

Die wichtigsten Wirkstoffe

Alkaloide sind stickstoffhaltige, organische Verbindungen, in der Regel giftig, die in vielen Blütenpflanzen gebildet werden. Alkaloide wirken bereits in geringen Dosen auf Körperfunktionen. Bisher sind ungefähr 3000 verschiedene Alkaloide bekannt. Besonders alkaloidreiche Heilpflanzen finden sich unter den Mohn-, Nachtschatten-, Hahnenfuß- und Liliengewächsen.

Ätherische Öle zählen zu den wichtigsten Wirkstoffen, sind leicht flüchtig, finden sich häufig in Doldengewächsen und in Lippenblütlern, besitzen in der Regel desinfizierende und entzündungshemmende Wirkung. Durch alkoholische Auszüge kann man aus ihnen Einreibemittel herstellen.

Bitterstoffe sind verschiedenartig aufgebaute, bitter schmeckende Stoffe. Sie führen mitunter zur Vermehrung der roten und weißen Blutkörperchen und regen durch ihre bitter schmeckenden Eigenschaften die Speicheldrüse zu vermehrter Tätigkeit an. Bitterstoffe tragen besonders Enziangewächse, Korb- und Lippenblütler.

Gerbstoffe sind in vielen Pflanzen zu finden und werden vor allem durch ihre stark zusammenziehenden Eigenschaften zur Blutstillung verwendet. Gerbstoffe gehen kaputt, wenn sie über längere Zeit hinweg gekocht oder hoher Luftfeuchtigkeit ausgesetzt werden. Gerbstoffe besitzen die Eigenschaft, tierisches Eiweiß zu härten. Aufgrund dieser Fähigkeit wirken sie unter anderem verdichtend auf Gewebe, helfen bei Brandwunden und werden dank ihrer stopfenden Kraft auch bei Durchfall angewendet.

Unter Haupt-, Neben- und Ergänzungswirkstoffen versteht man alle weiteren, hier nicht einzeln aufgeführten Inhaltsstoffe einer Heilpflanze, die jedoch für die Wirkung derselben entscheidend sein können. Zu den Haupt-, Neben- und Ergänzungswirkstoffen zählen u. a.: Chlorophyll, Eiweiß, Pflanzenenzyme, Spurenelemente, Vitamine.

Mineralstoffe Kali und Kalksalze zählen zu den wichtigsten Aufbaustoffen des Organismus. Kalksalze sind nötig für den Knochenaufbau, für das Nervensystem sowie für die Widerstandskraft. Kalisalze sind leicht löslich, sind in praktisch allen Heilpflanzen enthalten und besitzen eine harntreibende Wirkung.

Die in den meisten Heilpflanzen enthaltene Kieselsäure dient u. a. der Lungenwiderstandskraft sowie der Festigung des Bindegewebes.

Organische Säuren kommen in fast allen Pflanzen und in vielen Früchten vor. Zu ihnen zählen Apfelsäure, Oxalsäure, Weinsäure, Zitronensäure. In der Regel haben sie leicht abführende Wirkung.

Saponine Der Begriff leitet sich vom lateinischen Wort sapo = Seife ab, da diese Naturstoffe in Wasser gelöst stark schäumend sind. Saponine sind, wenn sie in größerer Menge in die Blutbahn gelangen, tödlich. Bei fachgerechter Dosierung besitzen sie blutreinigende, harntreibende, schleimlösende und antibiotische Wirkung.

Schleimstoffe dienen durch ihre einhüllende Wirkung als Schutz gegen Reizstoffe und Säuren. Werden in der Regel vor allem bei Verstopfung sowie bei Entzündungen im HNO-Bereich angewendet. Schleimstoff wird durch starkes Kochen zu Zuckerstoff und darf daher nur mit kaltem Wasser angesetzt werden.

Zuckerartige Stoffe/Glykoside können entweder eine starke Wirkung auf die Herztätigkeit ausüben oder aber auch praktisch wirkungslos sein. Sie sind meist stark giftig und finden sich in Fingerhutarten und im Maiglöckchen. Das Glykosid des Veilchens dagegen spaltet eine Salicylverbindung ab, ist giftfrei, wirkt schmerzlindernd, fiebersenkend und desinfizierend.

Sammeln der Heilpflanzen

Heilkräuter sollte man unter Beachtung der Mondphasen sammeln.

Die heilenden Substanzen einer Pflanze werden aus deren verschiedenen Teilen gewonnen.

»Drogenteile«

  • Beeren
  • Blätter
  • Blüten
  • Drüsen
  • Flechte
  • Fruchtschale
  • Holz
  • Knollen
  • Kraut
  • Rinde
  • Samen
  • Sprossen
  • Stengel
  • Wurzel
  • Wurzelstock
  • Zweigspitzen
  • Zwiebel

Beim Sammeln von Heilpflanzen sollten grundsätzlich folgende Regeln beachtet werden:

  • keine geschützten Pflanzen sammeln;
  • nur Pflanzen sammeln, die in größeren Mengen vorkommen;
  • die einzelnen Pflanzen sorgfältig trennen;
  • zum Trocknen einen schattigen, luftigen Platz auswählen, die Pflanzen dünn ausbreiten und regelmäßig wenden;
  • werden die Pflanzen wärmegetrocknet, nicht über 36 Grad Celsius erwärmen (gilt vor allem für stark duftende Pflanzen),
  • nach erfolgter Trocknung sorgfältig in Papiertüten aufbewahren;
  • bei Aufbewahrung in Gläsern diese nicht zu fest verschließen;
  • Behältnisse genau beschriften;
  • regelmäßig auf Ungeziefer- oder Schimmelbefall überprüfen (diese kommen vor allem bei ungenügender Trocknung vor!).



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