Sorgt die Misteltherapie für mehr Lebensqualität?

Entdeckt wurde die Mistel als Heilpflanze in der Krebstherapie bereits Anfang des 20. Jahrhunderts von Rudolf Steiner (1861-1925), dem Begründer der Anthroposophischen Medizin, die den Menschen als eine untrennbare Einheit aus Körper, Geist und Seele betrachtet. Bereits im Jahre 1917 wurden von der Ärztin Ina Wegman Rudolf Steiners Impulse aufgegriffen und Krebspatienten in der Schweiz mit der Mistel erfolgreich behandelt.

Doch die Misteltherapie ist keine Alternative zur herkömmlichen Tumorbehandlung. Vielmehr ist sie ein wichtiger und erfolgversprechender Bestandteil einer ganzheitlichen Krebstherapie, die neben der Zerstörung von Tumorzellen vor allem das Ziel hat, den gesamten Menschen bei seiner Auseinandersetzung mit der Erkrankung zu unterstützen. Eine möglichst weitgehende Normalisierung der Lebensqualität der Patientinnen und Patienten steht ganz im Vordergrund.

„Brustkrebs“: Bereits die Diagnose führt bei vielen betroffenen Frauen zu einer Art Schockzustand. Seelische und geistige Erstarrung sind leider häufig die traurigen Folgeerscheinungen. Nach Operation, Bestrahlung/ Chemotherapie und ggf. Antihormontherapie wird die Lebensqualität der Patientinnen durch die bekannten Nebenwirkungen zusätzlich enorm beeinträchtigt. Dies ist sicherlich der Grund, weshalb ein Großteil der Erkrankten nach einer Erweiterung der Behandlungsmöglichkeiten sucht. Hier spielt die Misteltherapie eine entscheidende Rolle.

Bei den Krebsneuerkrankungen der Frauen liegt das Mammakarzinom – so der Fachausdruck für Brustkrebs – an erster Stelle, mit großem Abstand vor Darm- und Lungenkrebs. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts in Berlin erkrankten im Jahre 2008 in Deutschland 71.660 Frauen an Brustkrebs, 2006 waren es noch 57.970. Damit findet sich fast jeder dritte neu entdeckte Tumor an der weiblichen Brust. Die Tatsache, dass beispielsweise in Japan fünfmal weniger Frauen an Brustkrebs erkranken, ist Gegenstand derzeitiger Untersuchungen. Als mögliche Ursachen wird von den Forschern ein höheres Alter bei der ersten Geburt, Kinderlosigkeit, eine frühe erste und späte letzte Regelblutung, eine sehr kalorienreiche Ernährung sowie ein hoher Alkoholkonsum diskutiert.

Die Mistel enthält eine Vielzahl von Inhaltsstoffen, deren Konzentrationen abhängig von der Jahreszeit und auch vom Baum, auf dem die Pflanze wächst, variieren. Für die Wirksamkeit der Mistel werden vor allem zwei Stoffgruppen verantwortlich gemacht, die sogenannten Lektine und die Viscotoxine. Erstere steigern Anzahl und Aktivität der Immunzellen und hemmen das Wachstum der Krebszellen, letztere sind im Reagenzglas in der Lage, die Zellwand der Tumorzelle aufzulösen und diese damit abzutöten. Insgesamt resultiert ein gestärktes Immunsystem, das dem Körper hilft, Krebszellen besser als solche zu erkennen, Infektionen vorzubeugen und den immunschwächenden Effekten von Bestrahlung und Chemotherapie entgegenzuwirken. Nur der Gesamt-extrakt der Mistel entfaltet das gewünschte breite Wirkspektrum. Deshalb besteht das anthroposophische Mistelpräparat Iscador aus einer Mischung aus Sommer- und Winterernte, dabei werden Blätter, Stängel, Blüten und Beeren verwendet. Es wird genau darauf geachtet, auf welchem Wirtsbaum die Pflanze wächst.

Mistelpräparate gehören zu den am besten und umfangreichsten untersuchten Arzneimitteln in der ganzheitlichen Krebstherapie. Insgesamt liegen mehr als 100 Studien vor, die überwiegend mit Iscador durchgeführt wurden. Darin zeigte sich vor allem, dass sich mit diesem Präparat die Nebenwirkungen von Operation, Chemo- und Strahlentherapie deutlich reduzieren lassen und so viele Patientinnen wieder aus ihrer körperlichen, geistigen und seelischen „Erstarrung“ herausfinden. Ihr Allgemeinbefinden bessert sich wieder, das Kälteempfinden, unter den Krebspatienten häufig leiden, schwindet, der Appetit kehrt zurück und die Schlafqualität nimmt zu. Der zur Bewältigung der Krankheit unbedingt nötige Lebenswille wird wieder geweckt!

Mit der Misteltherapie sollte so früh wie möglich begonnen werden, am besten sofort nach der Diagnosestellung und noch vor der Operation; spätestens aber während der Chemo- und/oder Strahlentherapie, um deren Nebenwirkungen zu mildern. Laut Expertenmeinung kann die Mistelbehandlung parallel mit allen herkömmlichen Tumortherapien erfolgen, da bisher keine Studie gezeigt hat, dass die eine Behandlung die andere abschwächt.

Iscador wird in bestimmten Fällen (z. B. bei der palliativen Therapie) von der Krankenkasse erstattet. Jeder, der diese Therapie erhalten möchte, sollte seinen Arzt gezielt darauf ansprechen und gegebenenfalls mit seiner Krankenversicherung Rücksprache halten.




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