Darmgase - mehr als nur unangenehm

Was sind Darmgase?

Darmgase sind eine normale Begleiterscheinung bei der Verdauung. Ihr Volumen beträgt in der Regel 100–200 ml. Sie bestehen hauptsächlich aus Stickstoff, Sauerstoff, Kohlendioxid, Wasserstoff und Methan. Alle diese Gase sind geruchlos. In sehr kleinen Mengen sind auch Schwefelgase enthalten. Diese verursachen den charakteristischen Geruch von Flatus (Darmwinden).

Die Hauptquellen von Darmgasen sind verschluckte Luft, chemische Reaktionen im Darm, die Diffusion von Gasen aus dem Blut sowie die Fermentation von Kohlenhydraten , die vom Körper nicht absorbiert werden können. „Bestimmte Lebensmittel sind dafür bekannt, dass sie zu gesteigerter Gasbildung führen. Dazu gehören Hülsenfrüchte, Vollkorngetreide und bestimmte Gemüse wie Blumenkohl “, erklärte Dr. Jordi Serra , Leiter der Abteilung für Motilitäts- und funktionale Störungen am Universitätsklinikum Germans Trias i Pujol in Badalona, Spanien auf dem diesjährigen Kongress der United European Gastroenterology in Wien. Auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten , insbesondere Laktoseintoleranz , führen oft zu verstärkter Darmgasbildung , wenn die entsprechenden Nahrungsmittel verzehrt werden.

Verschluckte Luft gibt der Körper durch Aufstoßen ab, während Gase im Darm zum Teil durch Darmbakterien abgebaut werden. Ein großer Teil der Darmgase wird vom Blut absorbiert und über die Atemluft abgegeben. Die übrigen Gase werden durch den Darm transportiert und als Flatus ausgeschieden. In der Regel geschieht dies 10- bis 20-mal am Tag.

„Bei den meisten Menschen beschränken sich die Probleme beim Abgang von Darmwinden auf den Geruch und das Geräusch. Die Folge sind peinliche Situationen oder aber das bewusste Zurückhalten der Darmwinde“, so Dr. Serra. „Allerdings weisen weder Gerüche noch Geräusche auf spezifische Magen-Darm-Erkrankungen hin.“

Wo liegt das Problem bei funktionellen Darmstörungen?

Aus epidemiologischen Studien geht hervor, dass bis zu 15 % der Bevölkerung in der westlichen Welt aufgrund von Darmgasen an chronischen Bauchbeschwerden leiden. Laut Dr. Serra entwickeln Menschen mit funktionellen Darmstörungen wie RDS und Dyspepsie (Verdauungsstörungen) in besonders vielen Fällen darmgasbedingte Symptome, zum Beispiel Blähungen, Blähbauch, Flatulenz und häufiges Aufstoßen.

„Viele Menschen mit RDS haben das Problem, dass die Darmgase nicht in normaler Art und Weise weitertransportiert werden und abgehen, sondern es zu einem schmerzhaften Gasstau kommt. Dies ist umso schlimmer, als gerade bei diesen Menschen eine verminderte Schmerzschwelle gegenüber einer Ausdehnung des Darms besteht. Das heißt, bereits eine geringfügige Zunahme des Darmgasvolumens , die von Gesunden nicht einmal wahrgenommen wird, führt bei Menschen mit RDS zu spürbaren Bauchbeschwerden.“

Eindämmen der Gasbildung

Als Maßnahme gegen eine übermäßige oder gar schmerzhafte Gasbildung schlägt Dr. Serra eine Kombination aus Nahrungsumstellung und mehr körperlicher Bewegung vor. Er empfiehlt, den Verzehr von Hülsenfrüchten und Vollkorngetreide einzuschränken und auch weniger Süßstoffe und kohlensäurehaltige Getränke zu sich zu nehmen: „Es konnte gezeigt werden, dass körperliche Bewegung den Transport und das Abgehen der Darmgase erleichtert. Damit eignet sich Bewegung neben all ihren anderen gesundheitlichen Vorteilen auch als Maßnahme gegen Blähungen und Verstopfung, die oft mit darmgasbedingten Bauchbeschwerden einhergehen“.

Darüber hinaus vertritt Dr. Serra die Ansicht, dass Stress, Ängste und andere psychosoziale Faktoren bei der Entstehung darmgasbedingter Bauchbeschwerden ebenfalls eine Rolle spielen können und daher bei der Behandlung berücksichtigt werden müssen. „Alles in allem glaube ich, dass eine Nahrungsumstellung, die Umstellung des Lebensstils, ein geringerer Verzehr fermentierbarer Kohlenhydrate sowie regelmäßige Bewegung die Grundpfeiler bei der Behandlung dieses unsichtbaren Problems bilden sollten. In den Fällen jedoch, in denen es zu schwerwiegenden und stark belastenden Bauchbeschwerden kommt, sind umfassendere Maßnahmen erforderlich, um die zugrunde liegende Störung im Verdauungssystem in den Griff zu bekommen“, schloss er.

Weitere Infos unter: UEG – United European Gastroenterology




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