Expertenrat: Erkältungskrankheiten

Interview Dr. Höhn

1. Welche Rolle spielen Erkältungskrankheiten um diese Jahreszeit in Ihrer Praxis?

Antwort: Zur Zeit kommen sehr viele Patienten mit Erkältungen oder grippalen Infekten. So langsam geht es zwar auch los mit der echten Grippe, aber überwiegend sind es noch eher „banale“ Infekte.

2. Welche Beschwerden stehen dabei im Mittelpunkt?

Antwort: Meist beginnt es mit einem Schnupfen. Häufiges Niesen, verstärkter Sekretfluss und eine zugeschwollene Nase sind die typischen Symptome. Dabei ist gerade die verstopfte Nase für die Patienten besonders quälend, weil sie zur Mundatmung zwingt mit der Folge eines trockenen Mundes und häufig auch von Halsschmerzen. Und vor allem weil sie den Nachtschlaf stört. Hinzu kommt, dass das Atmen durch den Mund ein Absteigen der Infektion in die Bronchien begünstigt. Aber es ist auch leider nicht einfach nur lästig, wenn die Luft nicht mehr durch die Nase strömen kann. Denn dadurch werden auch die Nebenhöhlen und das Mittelohr nicht mehr belüftet. Die Entstehung von Sinusitiden und Otitis media ist dann häufig nur eine Frage der Zeit.

3. Welche Therapie empfehlen Sie bei einem Schnupfen?

Antwort: Ich empfehle zunächst ein abschwellendes Nasenspray. Hier stehen ja diverse Präparate zur Auswahl. Besonders bewährt hat sich aus meiner Sicht das Oxymetazolin (Nasivin®). Seine Wirkung setzt besonders schnell ein, innerhalb von Sekunden, und es wirkt mit bis zu 12 Stunden auch besonders lange. So braucht man es nur zweimal täglich anzuwenden. Auch ist die Flasche so konstruiert, dass eine Kontamination der Sprühlösung verhindert wird. Sie ist nach Anbruch 12 Monate haltbar und reicht damit für die ganze Schnupfensaison. Allerdings sollte ein abschwellendes Spray nicht länger als sieben Tage hintereinander angewendet werden. Übrigens ist das bei Oxymetazolin in der Regel auch gar nicht nötig, denn es verkürzt die Schnupfendauer nachweislich um ein Drittel. Aber man sollte auch allgemeine Maßnahmen wie heißen Tee, vitaminreiche Ernährung und bei Fieber auch Bettruhe nicht außer Acht lassen.

4. Warum erkranken wir überhaupt so häufig an Erkältungen und grippalen Infekten?

Antwort: Erwachsene erkranken im Durchschnitt vier- bis fünfmal pro Jahr an einer Rhinitis oder einem grippalen Infekt. Der Grund ist, dass es von den häufigsten Schnupfenerregern, den Rhinoviren, weit über 100 Untertypen gibt. Und bedauerlicherweise hinterlässt keiner von ihnen eine vollständige Immunität. So können wir uns immer wieder anstecken. Leider gibt es gegen die Viren kaum Gegenmittel. Lediglich für das Oxymetazolin-Spray konnte gezeigt werden, dass es die Rhinoviren abtötet.

Was wir alle tun können, um die Erkrankungshäufigkeit zu vermindern, ist, uns sehr häufig die Hände zu waschen. Außerdem empfehle ich in der Schnupfenzeit generell, auf das Händeschütteln zu verzichten.

5. Gerade junge Familien kämpfen ja häufig die ganze Schnupfensaison über mit dem Schnupfen und seinen Folgen. Woran liegt das?

Antwort: Das ist richtig, junge Familien sind besonders betroffen. Besonders wenn mehrere kleine Kinder vorhanden sind, stecken sich immer wieder alle aneinander an. Die Kinder haben ja noch kein ausgereiftes Immunsystem, bei ihnen sind sechs bis acht Erkältungen pro Jahr normal. Man hat auch gefunden, dass in einer Familie mehrere Erreger gleichzeitig über Wochen kursieren können. Hier ist eine konsequente Therapie besonders wichtig. Bereits bei den Kleinsten sollten ebenfalls auf eine freie Nasenatmung geachtet werden. Es gibt da das Oxymetazolin in einem speziellen Dosiertropfer, der eine sichere Therapie mit einer altersgerechten Dosierung ermöglicht. Auch hier gilt: Wenn ein Kind krank ist, sollte es Ruhe halten. Gerade dieser Punkt ist aber häufig für die Eltern schwer zu realisieren. So geht das Kind zu früh wieder in die Kita und steckt sich dort gleich wieder an. Dann geht das Spiel von vorne los.

Vielen Dank für das Gespräch!

Gerade mit kleinen Kindern also sollte man im Fall eines Infektes einen Besuch beim Hausarzt nicht aufschieben. Die möglichen Komplikationen und Folgeerkrankungen einer Erkältung können mitunter gravierend sein. Mit der richtigen Behandlung jedoch bekommt man in der Regel den Infekt gut in den Griff.




Ihr Kommentar zum Thema

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.
News

Diabetes-Typ-2: Hypoglykämierisiko senken

©Pixabay

Insulinresistenz, zunehmende Betazelldysfunktion und nachlassende Insulinsekretion sind nur einige der Wegbegleiter einer fortschreitenden Diabetes-Erkrankung, bei der eine Insulin-Therapie unerlässlich ist. …

Gewinnspiele

Gelebte Rau(ch)nächte

Verlag: Freya

Gewinnen Sie eins von drei Büchern Gelebte Rau(ch)nächte im Wert von € 12,90. Dieses Büchlein gibt wirkungsvolle Anregungen, wie die …

Videos

Akute Gefahr durch Bakterien, Viren und Co

Die Welt ist für Bakterien, Viren und Co durch Mobilität zu klein geworden. Sie können sich in kürzester Zeit rasant verbreiten. Die resistenten Killerkeime stammen oft aus den Ställen der Massentierhaltung und bergen eine große …

Bücher

Der beste Sex Deines Lebens

Autor: Prof. Dr. med. Frank Sommer
Preis: EUR 14.99