Hexenschuss oder Wirbelbruch?

Wirbelbruch…

… ist keine unabänderliche Alterserscheinung

Viele Menschen glauben - sofern ihnen der Wirbelbruch überhaupt bekannt ist -, es handele sich um eine unvermeidbare Folge des Alterns (“Witwenbuckel”). Diese längst überholte Ansicht stammt aus vergangenen Zeiten, als es gegen Wirbelbruch oder seine häufigste Ursache, die Osteoporose, keine wirksame Therapie gab. Ein Umdenken in der Öffentlichkeit ist deshalb dringend erforderlich. Auch Herzinfarkte oder Gelenkverschleiß treten mit steigendem Alter gehäuft auf, trotzdem wird niemand diese Krankheiten als unabänderliche Alterserscheinungen akzeptieren.

Durch die demographische Entwicklung wird die Gruppe der älteren Menschen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten immer größer werden. Ältere Menschen sind heute aktiv und haben einen Anspruch auf optimale Behandlung, die ihnen Lebensqualität bis ins hohe Alter ermöglicht. Die körperlichen Einschränkungen durch einen Wirbelbruch sind nicht naturgegeben! Auch Ärzte müssen ihre Patienten stärker in diese Richtung beraten.

… hat gravierende Folgen

Ein Wirbelbruch ist oft mit plötzlichen, heftigen Schmerzen verbunden. In vielen Fällen werden die Schmerzen chronisch und machen es den Betroffenen immer schwerer, ihren Alltag zu bewältigen, sich zu bewegen und am sozialen Leben teilzunehmen. Viele Betroffene leiden deshalb zusätzlich unter Depressionen. Es entsteht ein Teufelskreis aus Schmerz, Bewegungsarmut, sozialem Rückzug und Depression, der die Lebensqualität und den allgemeinen Gesundheitszustand immer mehr verschlechtert.

Hinzu kommt, dass sich - vor allem nach mehrfachen Frakturen - die Wirbelsäule nach vorne krümmt. Diese Krümmung verengt den Brustkorb und kann die Atmung behindern, so dass Betroffene häufiger an Bronchitis und Lungenentzündungen erkranken.

Letztlich verlieren viele Wirbelbruch-Patienten ihre Selbständigkeit und werden pflegebedürftig. Das verursacht nicht nur vieltausendfaches menschliches Leid, bis hin zum vorzeitigen Tod, sondern auch hohe Kosten für das Gesundheitssystem.

… ist eine Volks-, und keine reine Frauenkrankheit

Wirbelbruch ist kein Randphänomen, sondern in seiner Häufigkeit mit anderen Zivilisationskrankeiten vergleichbar. Experten gehen davon aus, dass vier von zehn Frauen, die heute 50 Jahre alt sind, in ihrem weiteren Leben einen Wirbelbruch erleiden werden. Fast 230.000 Menschen zwischen 50 und 79 Jahren erleiden jedes Jahr in Deutschland einen Wirbelbruch. (Zum Vergleich: Die Zahl der Herzinfarkte liegt bei 280.000 pro Jahr.) Etwa 1,8 Millionen Menschen dieser Altersgruppe müssen bereits mit einem oder mehreren Wirbelbrüchen leben.

Mit dem demographischen Wandel wird die Zahl der Wirbelbrüche noch drastisch zunehmen. Das Europäische Parlament geht davon aus, dass bis 2050 doppelt so viele Menschen wie heute an Osteoporose erkranken werden. Vergleichbar dürfte die Zahl der osteoporotischen Wirbelkörperbrüche ansteigen.

Osteoporose und Wirbelbrüche sind - entgegen einem verbreiteten Vorurteil - keine reine Frauenkrankheit. Männer sind in starkem Maße betroffen: Auf sie entfallen über ein Drittel aller Wirbelbrüche.

… wird viel zu oft übersehen

Osteopose-bedingte Wirbelfrakturen werden in vielen Fällen falsch diagnostiziert. Zwei Drittel der Wirbelbrüche, so schätzen Experten, werden von Ärzten nicht richtig erkannt, sondern als Bandscheibenleiden, unspezifischer Rückenschmerz oder Alterserscheinung eingestuft und entsprechend unzureichend behandelt.

Dadurch verschärft sich das Problem und die Beschwerden werden chronisch. Nach einem Wirbelbruch ist die Zeit der entscheidende Faktor: Je früher der Bruch behandelt wird, desto größer sind die Chancen, irreparable Folgen zu verhindern.

Ist der eingefallene Wirbel erst einmal in der falschen Stellung zusammengewachsen, kann er nur noch mit erheblichen Risiken behandelt werden.

Weitere Infos unter: www.initiative-jetzt-gerade.de

Bei Frauen über 50 Jahren liegt das Risiko, im weiteren Leben eine osteoporotische Wirbelfraktur zu erleiden, bei 40 Prozent. Sh. Becker, S. & Ogon,

Der Osteoporose-Leitlinie zufolge sind etwa 1 Prozent der Frauen und 0,6 Prozent der Männer zwischen 50 und 79 betroffen.
Laut Stat. Bundesamt gehören im Jahr 2008 zu dieser Altersgruppe 14,6 Mio. Frauen und 13,5 Mio Männer. Bei insgesamt 7,6 Prozent der Frauen und 4,9 Prozent der Männer im Alter von 50-79 Jahren wurde mindestens ein gesicherter osteoporotischer Wirbeleinbruch diagnostiziert. Sh. Scheidt-Nave, C.: Osteoporotische Wirbelfrakturen - Epidemiologie und Krankheitslast. In: Z. Allg. Med. 2003; 79: 135-142.
Eigene Rechnung auf Basis der Leitlinie Osteoporose bei Erwachsenen (1% der Frauen und 0,6% der Männer erleiden jedes Jahr mindestens einen Wirbelbruch) Dachverband Osteologie (DVO) 2009 und Leidig-Bruckner G, Limberg B, Felsenberg D et al.: Sex difference in the validity of vertebral deformities as an index of prevalent vertebral osteoporotic fractures: A population survey of older men and women. Osteoporos Int 2000; 11: 102-19 (zwischen 35,7 % und 37,3%). Becker, S./Ogon, M.: Ballonkyphoplastie, Springer Verlag, Wien 2006.




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