Lungenkrebs:Überwindung des Therapiestillstandes gelungen

Manche Medikamente sind echte Alleskönner: Bevacizumab ist so einer. Im August dieses Jahres wurde er zur First-Line-Therapie des fortgeschrittenen nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC) zugelassen. Das ist neu. Doch der Alleskönner-Antikörper ist auch bei Dickdarm-, Brust- und Nierenzellkrebs mit Tochtergeschwülsten First-Line zugelassen

Nun konnte für Patienten mit einem fortgeschrittenen Tumor in der Lunge gezeigt werden, dass durch Kombination von Bevacizumab mit einer Platin-haltigen Chemotherapie das mediane Überleben auf über ein Jahr verlängert werden konnte. Bisher, so meint auch Prof. Dr. Frank Griesinger vom Pius-Hospital in Oldenburg, waren diese Platinhaltigen Kombinationstherapien mit noch anderen Zytostatika beim metastasierten NSCLC etwa bei einer mittleren Überlebenszeit von 8 bis 10 Monaten stehen geblieben. So sagt Griesinger, damit ist aber „insgesamt ein Plateau der Effektivität erreicht, welches auch durch die Verlängerung der Chemotherapiedauer oder durch Kombination mit weiteren zytotoxischen Substanzen nicht überschritten werden kann.”

Immerhin wussten die Mediziner jetzt, eine tatsächliche Verbesserung der Behandlungsergebnisse kann nur der Einsatz eines neuen Medikaments bringen. Das war Bevacizumab. Eine Grundlage für die EU-Zulassung von Bevacizumab beim fortgeschrittenen NSCLC (außer bei vorliegender Plattenepithel-Histologie) sind die Ergebnisse von zwei großen Phase-III-Studien mit insgesamt fast 2000 Patienten (ECOG, AVAiL). Bevacizumab verursachte dort keine unerwarteten Nebenwirkungen und erhöhte auch nicht die Chemotherapie-bedingte Toxizität. Aufgrund dieser guten Daten und der vorliegenden Zulassungen durch die amerikanische und europäische Gesundheitsbehörde ist nach Ansicht von Dr. Martin Reck vom Krankenhaus Großhansdorf davon auszugehen, dass sich „Avastin schnell in der Routinebehandlung des NSCLC etablieren wird”.

Das Prinzip der Angiogenese-Hemmung bedeutet, dass die Gefäßneubildung gestoppt werden kann. Bevacizumab ist ein solcher Angiogenese-Hemmer und deshalb auch ein Alleskönner, weil er verschiedene Tumorarten angreift: Denn er bindet und neutralisiert den vaskulären endothelialen Wachstumsfaktor VEGF (vascular endothelial growth factor), der die Schlüsselrolle bei der Tumor-Gefäßbildung spielt. Er hungert den Tumor quasi aus. Das Abfangen des VEGF wirkt nämlich dreifach auf die Tumorblutgefäße: Unreife Blutgefäße werden zurückgebildet, die Durchlässigkeit der reifen Blutgefäße wird normalisiert und die Blutgefäßneubildung wird gehemmt. Die Rückbildung unreifer, VEGF-abhängiger Blutgefäße führt zu einer Unterversorgung des Tumors mit Sauerstoff und Nährstoffen. Dadurch kann der Tumor nicht weiter wachsen. Die Normalisierung der Durchlässigkeit der reifen Blutgefäße führt dazu, dass die in Kombination mit Bevacizumab eingesetzten Zytostatika in höherer Konzentration in den Tumor gelangen. Schließlich kann durch die kontinuierliche Hemmung der Blutgefäßneubildung das Tumorwachstum und auch, dass er Tochtergeschwülste absetzt, verzögert werden.

Avastin verlängert in Kombination mit Chemotherapie das Gesamtüberleben von Patienten mit Lungenkrebs und Darmkrebs. Er verdoppelt das Überleben von Patienten mit Brustkrebs und Nierenzellkarzinom, ohne dass die Erkrankung fortschreitet. Die Angiogenese-Hemmung hat sich somit bei vier Krebsarten als hochwirksames Behandlungsprinzip erwiesen. Die Daten veranlassen Roche dazu, bei der Angiogenese-Hemmung mit Bevacizumab schon von einem „Pan-Tumor”-Konzept zu sprechen. Darüber hinaus wird es derzeit bei Pankreas-, Magen-, Ovarial- und Prostatakrebs sowie weiteren Krebsentitäten klinisch geprüft. Das Entwicklungsprogramm für Bevacizumab ist das bisher größte in der Onkologie.




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