Lungenkrebs - zehn Irrtümer…und was Experten darüber wissen

Sicher ist die Diagnose erstmal niederschmetternd, doch für Betroffene ist es wichtig, sich nicht entmutigen zu lassen und sich über Chancen und Möglichkeiten des Lebens mit Lungenkrebs zu informieren. Mit einigen Vorurteilen räumen wir deshalb hier auf.

1. „Wenn ich Lungenkrebs hätte, würde ich es merken.”

Falsch. Das Lungengewebe hat keine Schmerzrezeptoren. Der Tumor verursacht deshalb keine Schmerzen und ist lange Zeit symptomlos. Gerade Geschwulste, die am Lungenrand sitzen, verursachen zunächst überhaupt keine Beschwerden. Schmerzen entstehen erst dann, wenn der Tumor in die Brustwand oder das Rippenfell hineinwächst. Auch Husten und Atemnot treten erst im späteren Verlauf der Erkrankung auf.

2. „Nur Raucher erkranken an Lungenkrebs.”

Falsch. Zwar ist das Rauchen in 90 Prozent der Fälle für den Lungenkrebs verantwortlich, aber auch viele Menschen, die nie geraucht haben, erkranken daran. Weitere Auslöser für Lungenkrebs sind Substanzen wie Asbest, Chrom, Arsen, Nickel, bestimmte Kohlenwasserstoffe sowie das Edelgas Radon. Europaweit werden etwa neun Prozent aller Lungenkrebsfälle durch Radon verursacht. Es entsteht durch den spontanen radioaktiven Zerfall von Uran und kommt praktisch überall in unterschiedlichen Konzentrationen vor. Darüber hinaus können gelegentlich auch Narben des Lungengewebes, z. B. durch frühere Infektionen wie Tuberkulose, Krebs auslösen.

3. „Nach der Diagnose Lungenkrebs lebt man höchstens noch ein Jahr.”

Falsch. Inzwischen können Lungenkrebspatienten länger als 12 Monate leben. Aktuelle Ergebnisse einer Studie mit Bevacizumab, einem Hemmer der Blutgefäßneubildung (Angiogenese) zeigen, dass Patienten mit einer bestimmten Art von Tumor, dem sogenannten Adenokarzinom, durchschnittlich sogar länger als 14 Monate leben. Der Einsatz von Erlotinib als nachfolgende Therapie kann zu einer weiteren Lebensverlängerung führen. Hier zeigte jüngst eine Studie, dass mehr als die Hälfte der Studienteilnehmer länger als 18 Monate mit Erlotinib lebte, unabhängig von der Art des Tumors. Auch Menschen, die eine eher ungünstige Prognose haben, konnten ein Jahr und länger erfolgreich mit Erlotinib behandelt werden.

4. „Wenn der Krebs schon da ist, brauche ich nicht mehr mit dem Rauchen aufzuhören.”

Falsch. Wer es schafft, mit dem Rauchen aufzuhören, der verringert das Risiko eines weiteren Tumors in der Lunge. Bei Rauchern, die rechtzeitig vor einer Operation von der Zigarette lassen, treten zudem seltener Komplikationen und Wundheilungsstörungen auf als bei denen, die trotz Lungenkrebs weiterrauchen. Außerdem verbessert sich die Lungenfunktion, Atemnot tritt seltener auf. Studien zeigen darüber hinaus, dass Krebsmedikamente bei Nichtrauchern besser wirken.

5. „Nach der Chemotherapie ist erst einmal Schluss mit der Behandlung.”

Falsch. Im Anschluss an die Chemotherapie kann die Behandlung mit Medikamenten fortgesetzt werden, die andere Angriffspunkte als die Medikamente der Chemotherapie haben. Hierzu gehören auch Bevacizumab und Erlotinib. Während Bevacizumab die Angiogenese hemmt und so die Nähr- und Sauerstoffversorgung des Tumors unterbindet, verhindert Erlotinib die Übertragung von Wachstumssignalen innerhalb der Krebszellen, wodurch deren Vermehrung gebremst wird. Auf diese Weise kann ein Fortschreiten der Erkrankung vermieden bzw. herausgezögert werden.

6. „Die Krankenkasse bezahlt innovative Krebsmedikamente nicht.”

Falsch. Die modernen, zielgerichteten Wirkstoffe Bevacizumab und Erlotinib sind für die Therapie des nicht-kleinzelligen Lungenkrebses im fortgeschrittenen Stadium zugelassen und werden von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet.

7. „Passivrauchen verursacht keinen Lungenkrebs.”

Falsch. Nichtraucher, die täglich bei ihrem Partner oder Kollegen mitrauchen, haben ein um 20 bis 30 Prozent höheres Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken als „absolute Nichtraucher”. Vor allem Kinder rauchender Eltern tragen ein deutlich erhöhtes Risiko für Lungenkrebs.

8. „Lungenkrebsscreening kann Leben retten.”

Falsch. Alle Studien, die den Vorteil eines Lungenkrebsscreenings nachweisen wollten, waren bisher erfolglos. Das liegt unter anderem daran, dass ein Tumor schon ziemlich groß sein muss (1 bis 2 cm), um überhaupt im Röntgenbild aufzufallen. Der Nachweis kleiner Geschwulste gelingt besser in der Computertomographie, allerdings gewährleistet auch diese keine absolute Sicherheit.

9. „Die gewonnene Lebenszeit durch neue Krebsmedikamente verlängert nur das Leiden.”

Falsch. Während einer Therapie mit modernen Medikamenten verbessern sich häufig auch die Symptome. Atemnot und Husten gehen zurück. Ein Beispiel ist der 61-jährigen Iannis K.: Bei Diagnosestellung hatte der Lungenkrebs bereits Metastasen gebildet und Iannis K. litt unter starken Schmerzen. Die verordnete Chemotherapie brach er bereits nach drei Zyklen wegen starker Nebenwirkungen ab. Schließlich entschieden sich Arzt und Patient für die Behandlung mit Erlotinib, das in Form einer Tablette einmal täglich eingenommen wird. Innerhalb einiger Wochen besserten sich Husten und Atemnot, die Schmerzen gingen zurück. Nach einigen Monaten war Iannis K. in so guter Verfassung, dass er zur Hochzeit seiner Tochter nach Griechenland fahren konnte.

10. „Die Forschung zu Lungenkrebs stagniert.”

Falsch. Der jahrzehntelange therapeutische Stillstand wurde in den letzten Jahren mit der Entwicklung neuer zielgerichteter Medikamente beendet: So wurden in den vergangenen Jahren Erlotinib und Bevacizumab zur Behandlung von Lungenkrebs entwickelt. Auch heute wird an weiteren Möglichkeiten der Tumortherapie geforscht, so dass in den nächsten Jahren mit weiteren innovativen Medikamenten zu rechnen ist.




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