Migräne

Der Migräne haftet der Geruch des Simulierens an - zumindest halten diejenigen, die nie direkt damit konfrontiert werden, diese Attacke für Simulation. Dabei ist die Migräne neueren Forschungen zufolge eine ernstzunehmende neurologische Erkrankung, deren Grundlagen erst allmählich verstanden werden. Migräne ist zudem eine häufige Erkrankung: 16 bis 24 Prozent der Frauen und 6 bis 8 Prozent der Männer leiden darunter. Regelmäßig ärztlich behandeln lassen sich nur 30 Prozent der Migräniker; nur 1 Prozent sucht einen Neurologen auf.

Migräne - davon gibt´s zwei Formen

Grob unterteilt wird die Migräne in zwei Formen: mit und ohne Aura. Die Migräne ohne Aura, die sogenannte »einfache Migräne«, ist charakterisiert durch Kopfschmerzen, die 3 bis 72 Stunden dauern. Bei der Mehrheit der Betroffenen hält sich die Attacke den ganzen Tag und endet im Schlaf. Die Kopfschmerzen können heftig sein und werden meist als drückend, pulsierend oder pochend, bohrend oder dumpf beschrieben. Körperliche Anstrengung verstärkt die Schmerzen. Empfunden werden sie im Bereich von Stirn und Schläfe, seltener am Hinterkopf und im Nacken. In mehr als der Hälfte der Fälle sind sie halbseitig, sie können während des Anfalls auch die Seite wechseln oder beidseitig auftreten. Selbst dann, wenn die Schmerzen immer streng einseitig auftreten, wechseln sie von Anfall zu Anfall die Seite. Begleitet wird der Migräneanfall von Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit sowie einem allgemeinen Krankheitsgefühl.

Bei der Migräne mit Aura, die auch als »klassische Migräne« oder Migraine accompagnée bezeichnet wird, kommt es vor oder zu Beginn der Kopfschmerzen zu Reiz- und Ausfallerscheinungen im Bereich des Nervensystems. Dazu gehören beispielsweise Sehstörungen, unter anderem die Wahrnehmung gezackter Figuren (sogenannte Flimmerskotome), Empfindungsstörungen, Sprechstörungen oder sogar Lähmungen. Die Ausfallerscheinungen entwickeln sich allmählich in einem Zeitraum von 5 bis 20 Minuten und dauern nicht länger als 60 Minuten. Die darauffolgenden Kopfschmerzen äußern sich wie bei einer »einfachen Migräne«.

Typische Faktoren für die Auslösung einer Migräne sind Reize wie grelles Licht, Lärm oder Gerüche, zuviel oder zuwenig Schlaf, bestimmte Nahrungsmittel (Käse, Schokolade, Zitrusfrüchte), Wetterumschwünge, Schwankungen des Hormonspiegels (vor der Regelblutung), Streß usw.

Viele Betroffene spüren bereits vor der Attacke, daß mit ihrer Stimmung etwas nicht stimmt: Eine vermehrte Reizbarkeit kann ebenso auftreten wie ein unbegründetes Glücksgefühl. Während der Attacke überwiegen eher depressive Stimmungen; danach kann die Stimmung durchaus gehoben sein.

Die Diagnose »Migräne« wird meist anhand der Schilderungen des Betroffenen gestellt. In manchen Fällen, besonders wenn Beschwerden von Seiten des Nervensystems aufgetreten sind, werden weiterführende Untersuchungen notwendig. Hilfreich ist auf jeden Fall, wenn der Betroffene genaue Angaben über Häufigkeit, Dauer, Ort und Verlauf der Schmerzattacken machen kann. Da bei Migräne eine gewisse erbliche Vorbelastung vorliegt, können in der Familie bekannte Migränefälle zur Therapie herangezogen werden.

Es gibt derzeit kein Behandlungsverfahren, mit dem Migräne heilbar ist. Der Schweregrad der Erkrankung kann aber in den verschiedenen Lebensabschnitten schwanken; die Migräne kann ohne erkennbare Ursache stärker oder schwächer werden. Bei ihrer Behandlung muß unterschieden werden, ob eine akute Attacke vorliegt oder ob es sich um Vorbeugung handeln soll.

Was tun bei einem Migräneanfall?

Was im Falle einer akuten Attacke zu tun ist, das sollte unbedingt mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden. Folgende Maßnahmen sind hilfreich:

  • Legen Sie sich, wenn möglich, in einen dunklen Raum, und schirmen Sie sich vor Reizen ab.
  • Eisbeutel können zusätzlich den Schmerz lindern helfen.
  • Wirkstoffe wie Metoclopramid oder Domperidon (beide verschreibungspflichtig!) helfen gegen Übelkeit und Erbrechen, haben aber auch noch einen weiteren günstigen Effekt: Sie regen die Magenbewegungen an, die bei Beginn der Migräneattacke zum Erliegen kommen. Diese Magenbewegungen sind die Voraussetzung dafür, daß Schmerzmittel vom Körper überhaupt aufgenommen werden können. Etwa 15 Minuten nach Einnahme obengenannter Mittel sollte das Schmerzmittel eingenommen werden.

Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad

Geeignete Substanzen sind Acetylsalicylsäure (ASS), Paracetamol oder Ibuprofen. Sogenannte Mutterkornalkaloide (z. B. der verschreibungspflichtige Wirkstoff Ergotamintartrat) sollten nur auf Anraten des Arztes und nur bei schwereren Attacken eingesetzt werden, wenn die obengenannten Substanzen nicht ausreichend wirksam sind. Speziell zur Behandlung schwerer Attacken steht der Wirkstoff Sumatriptan (ebenfalls verschreibungspflichtig) zur Verfügung. Diese Substanz wirkt auch, wenn sie während einer Attacke eingesetzt wird; bei Erbrechen kann sie unter die Haut gespritzt werden.

Eine vorbeugende Behandlung der Migräne ist dann angezeigt, wenn mehr als zwei bis drei Attacken pro Monat auftreten, die Attacken länger als 48 Stunden dauern, als unerträglich empfunden werden, die Ausfallerscheinungen im Bereich des Nervensystems länger als sieben Tage anhalten oder die Akuttherapie sich als nicht wirksam erweist.

Zur Vorbeugung werden verschiedene Substanzen eingesetzt. Sie müssen zunächst »einschleichend« dosiert werden. Ihr Effekt läßt sich nach etwa sechs Wochen bis drei Monaten beurteilen. Nach sechs bis neun Monaten, spätestens jedoch nach einem Jahr wird im allgemeinen die Vorbeugung beendet, um zu beobachten, wie sich die Migräne anschließend verhält. Ziel der Vorbeugung ist es, die Häufigkeit und Schwere der Anfälle zu mildern. Eine vollständige Beseitigung ist in der Regel nicht möglich.

Mit Migräne leben lernen

  • Gewöhnen Sie sich einen regelmäßigen Schlaf-wach-Rhythmus an (auch am Wochenende).
  • Meiden Sie Alkohol.
  • Reduzieren Sie Streß.
  • Sportliche Betätigung, vor allem Ausdauersportarten, können einen günstigen Einfluß auf den Migräneverlauf haben.

Das gilt auch für ein Streßbewältigungstraining (z. B. in Gruppen ebenfalls Betroffener) und ein gezieltes Entspannungstraining, beispielsweise die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson.




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