Multiple Sklerose (MS): Neuer Antikörper revolutioniert die Therapiemöglichkeiten

Multiple Sklerose ist eine Krankheit mit 1000 Gesichtern: Gleichgewichtsstörun-gen, Taubheitsgefühle, Sehstörungen, Gehschwierigkeiten und auch schwere Behinderungen sind nur einige der Symptome der Autoimmunerkrankung an der allein in Deutschland 120.000 bis 140.000 Menschen leiden. Ähnlich dem Rheuma wendet sich bei MS das Immunsystem gegen körpereigene Zellen, in diesem Fall gegen die Nervenzellen des Gehirns und des Rückenmarks. Dabei werden die Schutzhüllen der Nervenfasern (sog. Myelinscheiden) angegriffen, geschädigt, und auf lange Sicht zerstört. Als Folge davon werden Signale nur noch unvollständig oder gar nicht weitergeleitet. Dadurch treten MS-typische Symptome auf. Bei den meisten Patienten treten die Symptome schubweise auf, meist bilden sich die aufgetreten Störungen auch wieder teilweise zurück.

Der von der Firma biogen idec entwickelte Antikörper Natalizumab verhindert dies, indem er an den fehlgeleiteten körpereigenen Immunzellen andockt und sie daran hindert, die sog. Blut-Hirn-Schranke, also die natürliche Schutzbarrie-re des Gehirns, zu überwinden. Studien zeigen, dass die Behandlung mit dem Antikörper die Schubrate während einer zweijährigen Behandlung um 68% reduziert. Als Folge davon vermindert die Therapie das Risiko des Fort-schreitens der Behinderung um 54%. Solche Ergebnisse konnten mit den bishe-rigen Standartmedikationen nicht erzielt werden.

Die Antikörpertherapie wird als Monotherapie bei Betroffenen mit hochgradig aktiver, schubförmig remittierender MS eingesetzt. Hochgradig bedeutet dabei, dass Patienten ohne Therapie zwei oder mehr, oder unter einem Standartmedi-kament einen oder mehr Schübe in den letzten 12 Monaten hatten, was bei ca. 50% der Patienten der Fall ist. Im Gegensatz zu anderen Medikamenten, die täglich, oder mindestens einmal pro Woche gespritzt werden müssen, wird mit Natalizumab nur alle vier Wochen eine Infusion verabreicht. Diese Infusion dauert nur eine Stunde, anschließend bleiben die Patienten eine weitere Stunde zur Nachbeobachtung. Somit müssen Patienten sich nur einmal im Monat um die Behandlung ihrer MS sorgen, und sehen dabei gleichzeitig noch regelmäßig ihren Arzt.

Die Behandlung mit Natalizumab ruft im Gegensatz zu Standartmedikamenten kaum Nebenwirkungen hervor, und bedeutet für Patienten eine deutliche Verbesserung der Therapie, da es dem Fortschreiten der Erkrankung rasch ent-gegenwirkt und das Auftreten bleibender Schäden im Gehirn und Rückenmark deutlich verlangsamen kann. Natalizumab ist als Konzentrat zu Herstellung ei-ner Infusion unter dem Namen Tysabri auf dem Mark. Die Kosten für eine Infu-sion belaufen sich auf rund 2000 € und werden in Deutschland von den Kassen übernommen. Auch wenn diese Kosten zunächst sehr hoch erscheinen, so sind sie doch verglichen mit den Folgekosten, die entstünden, ließe man die Multiple Sklerose untherapiert, relativ gering. Für viele MS-Betroffene könnte dieser An-tikörper neue Lebensqualität bedeuten!

Mehr Informationen unter: www.tysabri.de




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