Tumorzellen: Angriff auf die Versorgungswege

Ist das der Durchbruch? Forschern ist es nun gelungen, auf bisher einzigartige Weise die Versorgung und Ausbreitung von Krebszellen zu verhindern, um somit das Wachstum und die Streuung bösartiger Tumoren zu unterbinden. Die Tumorklinik SanaFontis und die Silence Therapeutics AG **planen eine Phase-I-Studie mit dem völlig neuartigen Medikament Atu027.**

Wie alle Zellen sind auch Krebszellen an ein kompliziertes Versorgungssystem von Blut- und Lymphgefäßen angeschlossen. Blutgefässe sind für die Versorgung des Tumors mit Sauerstoff und Nährstoffen notwendig, Lymphgefäße fungieren als eine Art Drainagesystem. Um Vermehrung und Wachstum zu sichern, senden Krebszellen Signale aus, die eine Neubildung dieser Gefäße stimulieren. Wie man seit Kurzem weiß, nutzen Krebszellen ebenso neben den Blutgefäßen auch Lymphgefäße als Wege für die Ausbreitung in andere Organe (Metastasierung).

Eine Forschergruppe der Berliner Biotech Firma Silence Therapeutics AG geschafft. Sie entwickelten das völlig neuartige Medikament Atu027, das auf der so genannten RNA-Interferenz beruht. Kurze, doppelsträngige RNA-Moleküle, sogenannte siRNA-Moleküle, blockieren dabei auf spezifische Art und Weise die Expression von ausgewählten Genen. Über alle Hindernisse hinweg gelangen diese Moleküle mit dem von Silence Therapeutics entwickelten “Carrier” bis in das Innere der Gefäßzellen und legen dort ganz spezifisch die Neuproduktion eines bestimmten Eiweißes lahm, was zur Störung der Funktion von Tumorgefäßen führt. “Um den Krebs zu therapieren, unterbricht Atu027 wichtige Versorgungswege und Ausbreitungsmöglichkeiten der Tumorzellen. Wenn die Nachschubwege tot sind, kann die Zentrale nicht mehr funktionieren”, so Studienleiter PD Dr. Joachim Drevs.

Ein neues Angriffsziel: Die Lymphgefäße des Tumors

Nach erfolgreichen präklinischen Untersuchungen planen Silence Therapeutics und SanaFontis nun eine erste klinische Phase-I-Studie mit Atu027. Dabei richtet man sich auf drei Angriffsziele bei fortgeschrittenen soliden Tumoren: Die Krebszellen selbst, ihre Versorgung mit Blutgefäßen und - das ist ein völlig neuer Ansatzpunkt - ihr Anschluss an Lymphgefäße. “Tumorzellen ergaunern sich für ihre Versorgung nicht nur Blutgefäße aus ihrer Umgebung, sie nutzen auch Lymphgefäße für ihr Wachstum und zur Metastasenbildung”, erklärt Drevs.

Dr. Drevs ist Ärztlicher Direktor der Tumorklinik SanaFontis und hat bereits vor 15 Jahren an der Entwicklung von klinischen Studien zur Antiangiogenese mitgewirkt. Seither gilt er als einer der führenden Experten auf diesem Gebiet. “Dem Tumor die Blutversorgung abzuschneiden, war ein sehr wichtiger Erfolg im Kampf gegen den Krebs. Doch inzwischen wissen wir, dass dies allein nicht reicht. Wir müssen ihm auch die Lymphgefäße abtrennen, um ihn dauerhaft am Wachstum und an der Metastasenbildung zu hindern.”

Weitere Infos: Silence Therapeutics AG und Tumorklinik SanaFontis




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