Wer die Übersäure im Magen bekämpft, muss mit nicht ungefährlichen Hüftprob

Ein übersäuerter Magen, der mit seit Jahren bewährten und verschreibungspflichtigen Medikamenten behandelt wird, kann zu beträchtlichen Hüftproblemen führen, weil die Medizin die Knochendichte verringert. Vor allem Menschen über Fünfzig sind dann von Knochenbrüchen oder sogar dem Tod bedroht, wenn sie die entsprechenden Mittel für ein Jahr oder länger eingenommen haben.

Das belegt eine neue britische Studie, die auch insofern bemerkenswert ist, weil an ihr die schier unglaubliche Zahl von 145 000 Patienten teilgenommen hat. Ihr Durchschnittsalter lag bei 77 Jahren. In der Studie werden die Medikamente Prevacid, Prilosec und das von vielen deutschen Krankenhäusern bevorzugte Nexium erwähnt. In der Fachsprache gelten sie als proton pump inhibitors: Millionen Menschen weltweit nehmen diese Medikamente, mit deren Hilfe die brennende, ätzende, vielfach auch die Speiseröhre beeinträchtigende Magensäure reduziert werden kann.

Die Reduzierung von Magensäure aber, so wird in der Studie argumentiert, erschwert gleichzeitig die Aufnahme von Kalzium - Folge davon: Die Knochendichte verringert sich, vor allem die so sehr belasteten Hüftknochen neigen mehr und schneller zum Bruch. Solche Brüche können aber besonders bei Älteren lebensbedrohend sein, wobei die Studie auch aussagt, dass Männer aufgrund der Einnahme der erwähnten Medikamente mehr von Hüftbrüchen bedroht sind als Frauen. Über den Grund dafür kann nur spekuliert werden: Frauen sind sich, das stellen Ärzte immer wieder fest, über die Gefahren von Osteoporose (Schwund des festen Knochengewebes) viel bewusster als Männer und nehmen deshalb mehr kalziumhaltige Nahrungsmittel zu sich.

Dr. Yu-Xiao Yang von der Medizinischen Fakultät der University of Pennsylvania, der an der Studie maßgeblich beteiligt ist, fordert von der Ärzteschaft deshalb auch eine Konsequenz: „Mediziner sollten vor allem die älteren Patienten nicht für längere Zeit mit den getesteten Medikamenten behandeln”. So weit geht Dr. Sandra Dial von der McGill University Montreal, die eigene Untersuchungen angestellt hat, nicht - aber auch sie hat eine Warnung parat: „Patienten sollten die Risiken und Vorteile von Antisäuremedikamenten in jedem Fall mit ihrem Arzt besprechen und mit der Einnahme aufhören, so bald das möglich ist”.

Ein ähnliches, wenn auch vermindertes Hüftrisiko übrigens bergen vergleichbare Medikamente in sich, die als H2-Blocker bekannt sind, und dazu gehören Tagament und Pepcid.

Die Statistik, die in der Studie zu finden ist, erscheint sehr aufschlussreich: Jene Patienten, die die besagten Medikamente in hohen Dosen und länger als ein Jahr einnahmen, wurden 2,5mal mehr von Hüftbrüchen betroffen als die anderen Versuchspersonen.

Dr. Doug Levine von AstraZeneca PLC, dem Hersteller von Nexium und Prilosec, nahm auch zu der Studie Stellung: Sie beweise den Zusammenhang zwischen den Mitteln und vergrößerter Hüftbrüchigkeit nicht, sondern nenne nur „eine mögliche Verbindung”, aber er empfiehlt den Ärzten nichts desto weniger, „ihre Patienten genau im Auge zu behalten und die richtige Dosis zu verschreiben”. Nexium übrigens ist die drittbest verkaufte Medizin weltweit überhaupt, nach Lipitor (Cholesterinsenker) und Plavix (Blutverdünner). Im vergangenen Jahr wurde Nexium im Wert von 5,7 Milliarden Dollar weltweit verkauft.




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