Magnesium in der Medizin

Magnesium liegt mit einem Anteil von 1,3 Prozent an der Erdkruste vorwiegend anorganisch gebunden vor als:

  • Magnesiumcarbonat,
  • Magnesiumchlorid und
  • Magnesiumsulfat.

Organische Magnesiumsalze sind:

  • Magnesiumcitrat,
  • Magnesiumaspartat,
  • Magnesiumglutamat oder
  • Magnesiumadipat.

In der Pflanzenwelt stellt das Chlorophyll die wichtigste im Magnesium enthaltende Verbindung dar.

Die unterschiedlichen Eigenschaften der verschiedenen chemischen Verbindungen werden in der Medizin auch zu unterschiedlichen Therapiezielen eingesetzt: Die leicht wasserlöslichen und sehr bitter schmeckenden Salze Magnesiumchlorid und Magnesiumsulfat (Bittersalz) werden wegen ihrer laxierenden Wirkung am häufigsten als Infusionslösung verabreicht. Magnesiumcarbonat und Magnesiumhydroxid finden als Antacida Verwendung. Heute stehen bei der oralen Therapie jedoch die organischen Magnesiumsalze im Vordergrund, weil sie problemlos und ohne Wirkung auf den Magen-Darm-Trakt vom Körper verstoffwechselt werden können.

Handelsübliche Darreichungsformen von organischen Magnesiumsalzen in Form von apothekenpflichtigen Arzneimitteln sind Lutschtabletten, Granulat, Dragees, Kautabletten, Brausetabletten, Filmtabletten oder Kapseln. Daneben gibt es Magnesium auch als Nahrungsergänzungsmittel überwiegend in Drogeriemärkten oder im Lebensmittelhandel.

Therapeutische Verwertbarkeit von Magnesium

Therapeutisch verwertbar ist nur diejenige Menge von Magnesium, die tatsächlich nach der Einnahme im Körper verbleibt, also nicht über den Urin wieder ausgeschieden wird. Entscheidend hierfür ist nach Prof. Dr. Ernst Mutschler, Frankfurt: - der tatsächliche Magnesium-Gehalt eines Präparates - die tatsächliche Resorption durch den Körper.

Magnesium-Gehalt

Viele handelsübliche Präparate sind zu niedrig dosiert, so daß bis zu zehn Einzelgaben notwendig sind, um die Tagesdosis von 300 mg zu erzielen (Arzneiverordnungsreport 1995). Ein solches Dosisregime ist nicht praktikabel und liegt auch nicht im Interesse der Patienten, deren Compliance zwangsläufig nachläßt. Bei der Mengenangabe muß zwischen der Gewichtsangabe des Gesamtsalzes und dem tatsächlichen Magnesium-Gehalt (liegt erheblich darunter) unterschieden werden. Zusätzliche Verwirrung stiften unterschiedliche Meßsysteme. Zum Beispiel entspricht ein Magnesiumgehalt von 300 mg 12 mmol oder 24 mval.

Resorbierbarkeit
Beste Resorption durch den Organismus erreicht Magnesium in Darreichungsformen als Granulat sowie als Lutsch- oder Kautablette. Wesentlich dabei ist, daß das Präparat über einen anionischen Teil verfügt, der eine gute Resorbierbarkeit gewährleistet und für den Organismus unschädlich ist. Magnesium-Verbindungen mit einem organischen Säureanteil wie z.B. Magnesiumcitrat können besonders gut verstoffwechselt werden, da das Citrat (Zitronensäure) als körpereigener Bindungsstoff natürlicherweise im Organismus vorhanden ist. Kombinationen von Magnesium mit anderen Wirkstoffen (z.B. Vitaminen) wirken sich auf die Resorption nicht förderlich aus, deshalb sind Monopräparate zu bevorzugen.

Pharmakodynamische Wirkung von Magnesium

Magnesium-Präparate werden heute üblicherweise zur Substitution (Behebung) eines Magnesium-Mangels eingesetzt, der durch Nahrungsmittel nicht mehr ausgeglichen werden kann. Eine Reihe von Studien zeigt jedoch, daß Magnesium darüber hinaus sogenannte “pharmakodynamische Wirkungen” entfaltet. So sind zum Beispiel Krankheitsbilder wie Migräne, Herzrhythmusstörungen, Angina pectoris oder vorzeitige Wehen erfolgreich mit Magnesium behandelbar. Voraussetzung ist jedoch, daß mit dem verabreichten Präparat therapeutisch wirksame Magnesium-Konzentrationen im Blut von mindestens 0,8 Millimol pro Liter erreicht werden. In der Klinik wird Magnesium deshalb meist intravenös verabreicht, weil damit eine 100prozentige Bioverfügbarkeit gewährleistet wird.

Ob auch oral einzunehmende Magnesium-Präparate eine Anhebung des Magnesium-Spiegels in den pharmakodynamisch wirksamen Bereich erreichen, untersuchte jetzt eine Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Wolfgang Vierling vom Pharmakologischen Institut der TU München. Er verabreichte seinen Versuchsteilnehmern dazu ein Granulat mit 300 mg Magnesium als Magnesiumcitrat (Magnesium-Diasporal/Protina). Der Magnesium-Spiegel wurde in den nächsten 12 Stunden mehrfach gemessen. Vierling konnte hierbei erstmals nachweisen, daß schon eine Einzeldosis von 300 mg Magnesium als Magnesiumcitrat einen statistisch relevanten Anstieg der Magnesium-Konzentration im Blut in den therapeutisch wirksamen Bereich von über 0,8 Millimol pro Liter bewirkt. Vierling führt dies auf die hohe Dosierung und die gute Resorbierbarkeit des verabreichten Magnesiumcitrats im Körper zurück, denn frühere Versuche mit anderen oralen Magnesium-Verbindungen erbrachten keinen positiven Nachweis.

Nebenwirkungen und Kontraindikationen einer Magnesium-Therapie

Magnesium besitzt eine große therapeutische Breite. Selbst bei einer hochdosierten oralen Langzeittherapie muß deshalb nicht mit Nebenwirkungen gerechnet werden. Überdosierungen können praktisch nicht vorkommen, da der Körper nicht benötigte Mengen über den Urin wieder ausscheidet. Bei der oralen Therapie mit Magnesium kommt es gelegentlich - bei weniger als 1,2 Prozent der Patienten - zu (teilweise erwünschten) weichen Stühlen. Obwohl ein autoregulativer Schutzmechanismus bei Einschränkung der Nierenfunktion die Resorptionsrate für Magnesium im Dünndarm senkt, sollte bei Niereninsuffizienz oder bei eingeschränkter Nierenfunktion nicht oder nur unter Kontrolle des Arztes mit Magnesium therapiert werden.




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