Vitamin D im Fokus

Die Wirkung der zusätzlich zur Nahrung zugeführten Vitamine A, C und E ist hinlänglich untersucht worden und bekannt. Wie sieht es aber mit Vitamin D aus?  Prof. Dr. med. Winfried März, Mannheim,  hat in einer Übersichtsarbeit die Effekte und möglichen Indikationen für Vitamin D zusammen gefasst

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Ist Vitamin D (chemisch Colecalciferol) nun tatsächlich ein Vitamin oder ein Hormon? Da gehen die Meinungen auch heute noch auseinander. Es ist ein Vitamin, weil es essentiell, also lebensnotwendig ist und wie die anderen Vitamine auch, mit der Nahrung zugeführt wird. Im Gegensatz jedoch zu den anderen Vitaminen, wird Vitamin D vom Körper selbst gebildet und ist an der Steuerung von unzähligen Körperfunktionen beteiligt. Damit gehört es in die Kategorie Hormone.

Auf der Suche nach Behandlungsmöglichkeiten für die damals grassierende Rachitis entdeckte der US amerikanische Biochemiker Elmer McCollum (1879-1967) 1922 eine Substanz, die er den Vitaminen zuordnete und da es das vierte der bis damals bekannten Vitamine war, wurde sie als Vitamin D bezeichnet.  Weitere Untersuchungen wiesen dann auf einen engen Zusammenhang zwischen Vitamin D und dem Knochenstoffwechsel hin. Heute gehört es zu den Standards der Rachitisprophylaxe bei Kindern sowie der Behandlung der Osteoporose bei Erwachsenen.

Weniger bekannt und untersucht, ist der Einfluss von Vitamin D bei kardiovaskulären Erkrankungen. In groß angelegten randomisierten Studien zeigten sich signifikante Effekte von Vitamin D bei Herz-Kreislauferkrankungen. Und es wurde ein eindeutiger Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Mangel und einem erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko festgestellt, z.B. für Herzinfarkte, Herzversagen oder plötzlichem Herztod.

Wie kommt es nun zu einer niedrigen Vitamin D Konzentration im Körper? Zum einen liegt das an der zugeführten Nahrung, denn nicht alle Lebensmittel liefern Vitamin D in ausreichender Menge. Zum anderen liegt es an der geringen Sonnenlichtexposition, besonders in unseren, aber auch in nördlicher gelegenen Breitengraden. Sonnenlicht fördert die Entstehung von Vitamin D in der Haut. 

Nicht nur im kardiovaskulären Bereich, sondern auch bei Stoffwechselerkrankungen spielt Vitamin D eine Rolle. Diabetes Typ 1 ist mit niedrigen Vitamin D Spiegel korreliert. Ebenso der Schwangerschaftsdiabetes. In der momentan laufenden DALI-Studie (Vitamin D and Lifestyle Intervention for Gestational Diabetes Mellitus Prevention) wurde Vitamin-D-Mangel eindeutig als Risikofaktor identifiziert. Ob die Gabe von Vitamin D auch das Auftreten reduzieren kann, steht noch nicht fest.

Zusammenfassend kann festgestellt, dass Vitamin D ein starker Indikator für kardiovaskuläre Erkrankungen und Diabetes ist und eine zusätzliche Gabe in jedem Fall sinnvoll ist. 

Und nun stellt sich die Frage: in welcher Dosierung soll Vitamin D verabreicht werden. Der Schätzwert des Bedarfs an Vitamin D liegt bei 20 µg (800 IE). Davon wird jedoch nur ein geringer Teil, maximal 4 µg mit der Nahrung zugeführt, die Differenz muss vom Körper gebildet wer. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt eine tägliche Zufuhr von 400-1000 IE Vitamin D, wobei Präparate mit einer Tagesdosis von über 400 bis 1000 IE apothekenpflichtig sind und solche mit einer Tagesdosis von über 1000 IE verschreibungspflichtig.

N.B. Bisher wurde die Dosis in IE (Internationale Einheit) angegeben. Mehr und mehr setzt sich aber auch die metrische Angabe durch und zwar in Mikrogramm (µg), wobei 1 µg = 40 IE; oder 1 IE = 0,025 µg.




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