Vitamin E

Synonyme

Unter dem Begriff “Vitamin E” sind acht in der Natur vorkommende Substanzen zusammengefaßt. Vier von ihnen sind sogenannte Tocopherole, die anderen vier Tocotrienole. Man unterscheidet sie durch die Präfixe -, beta-, gamma- und delta-. Alpha-Tocopherol ist die häufigste und biologisch aktivste dieser natürlich vorkommenden Formen von Vitamin E.

Die Bezeichnung Tocopherol leitet sich vom griechischen tocos (Entbindung, Geburt) und Herein (hervorbringen) ab. Die Endung -o/ bedeutet, daß es sich bei der betreffenden Substanz um einen Alkohol handelt. Der Name wurde von den Entdeckern dieses Vitamins geprägt, um seine Rolle bei der Fortpflanzung verschiedener Tierarten zu unterstreichen.

Hauptvorkommen in der Natur

Pflanzliche Öle (Erdnuß, Soja, Palmöl), kaltgepreßte Samenöle (Mais, Färberdistel, Sonnenblume usw.) und Weizenkeime sind die wichtigsten Vitamin-E-Lieferanten. An zweiter Stelle stehen Nüsse, Samen, Vollkorn und grünes Blattgemüse. Einige Grundnahrungsmittel, zum Beispiel

Milch und Eier, enthalten nur sehr geringe Mengen a-Tocopherol, aber dank der hohen biologischen Aktivität dieses Vitamins, und weil diese Nahrungsmittel in zahlreichen Speisen vertreten sind, können auch sie eine wichtige Vitamin-E-Quelle darstellen.

Außerdem wird Vitamin E dem Organismus durch Margarine und andere Speisen zugeführt, die mit d,l-(-Tocopherolacetat angereichert sind. Hierbei handelt es sich um eine synthetische, biologisch sehr aktive und stabile Form des Vitamin E.

Der Mensch

Der Mensch ist wie alle Primaten zur Deckung seines Vitamin-E-Bedarfs auf eine Zufuhr von außen angewiesen.

Speicher im Körper

Vitamin E ist fettlöslich und wird in Fettgewebe, Leber und Muskeln gespeichert. Weniger bedeutend ist die Speicherung in den Hoden, Eierstöcken, Blutplättchen sowie Nebennieren und Hypophyse. Durchschnittlich werden nur 20 bis 40 Prozent der oral aufgenommenen Vitamin-E Dosen resorbiert; der Rest wird mit den Fäzes ausgeschieden.

Haltbarkeit

Licht, Sauerstoff und Wärme, alles Faktoren, die normalerweise die Qualität von Nahrungsmitteln bei langer Lagerung beeinträchtigen, sowie die Verarbeitung von Lebensmitteln können den Vitamin-E-Gehalt in Speisen vermindern. Bei einigen Nahrungsmitteln kann der Rückgang nach nur zweiwöchiger Lagerung bei Zimmertemperatur bis zu 50 Prozent betragen. In pflanzlichen Ölen wird Vitamin E beim Braten und insbesondere beim Wiedererhitzen weitgehend zerstört.

Hauptsächliche Antagonisten

Eine gleichzeitige Aufnahme von Eisen verringert die Verfügbarkeit von Vitamin E im Körper; dies ist insbesondere bei anämischen Neugeborenen kritisch. Der Vitamin-E-Bedarf hängt von der Menge der mit der Nahrung aufgenommenen mehrfach ungesättigten Fettsäuren (Polyenfettsäuren) ab. Je hoher ihr Anteil ist, desto mehr Vitamin E wird benötigt. Da jedoch polyenfettsäurereiche Nahrungsmittel auch Vitamin-E-Lieferanten sind (zum Beispiel Samen und pflanzliche Öle), decken sie in manchen Fällen den durch sie verursachten Bedarf selbst. Personen, die gezielt mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren behandelt werden (oral oder parenteral), benötigen zusätzliche Vitamin-E-Gaben.

Hauptsächliche Synergisten

Andere Antioxidantien wie Vitamin C und Beta-Carotin verstärken die antioxidative, schützende Wirkung von Vitamin E; dasselbe gilt auch für das Spurenelement Seien.

Funktionen

Die Hauptrolle von Vitamin E ist der Schutz von Körpergeweben vor schädlichen Einflüssen (Peroxidation), die durch zahlreiche Stoffwechsel Vorgänge und exogene toxische Substanzen verursacht werden. Speziell vermag Vitamin E biologische Membranen wie in Nerven, Muskeln und im Herz-Kreislauf-System zu schützen; die Lebensdauer der Erythrozyten (rote Blutkörperchen) zu verlängern; dem Körper zu helfen, Vitamin A optimal zu verwerten. Vitamin E hat sich bei der Behandlung von progredienten neuromoskulären Erkrankungen im Kindesalter bewährt sowie bei einer Anzahl Krankheiten, die bei frühgeborenen Säuglingen auftreten, wie hämolytische Anämie, Ventrikelblutungen und retrolentale Fibroplasie, die zur Erblindung führen kann. Da die vollständige Biochemie von Vitamin E noch nicht restlos geklärt ist, werden zur Zeit in verschiedenen Labors entsprechende Studien durchgeführt. Man hat Anhaltspunkte dafür, daß Vitamin E bei Claudicatio intermittens und thrombotischen Erkrankungen eine therapeutische oder prophylaktische Wirkung haben kann. In Tierstudien hat Vitamin E zudem eine Schutzwirkung gegen verschiedene Umweltschadstoffe und Zigarettenrauch gezeigt.

Unterversorgung

Da es sehr lange dauert, bis die Vitamin-E-Reserven im Gewebe erschöpft sind, hat man bei sonst gesunden Erwachsenen keine klinischen Mangelerscheinungen festgestellt; in Laboruntersuchungen hat man jedoch biochemische Veränderungen festgestellt wie verkürzte Überlebenszeit der roten Blutkörperchen, Muskelschwund sowie verstärkte Ceroidbildung (Alterspigment) in gewissen Geweben. Niedrige Tocopherol-Plasmakonzentrationen treten gehäuft bei verschiedenen erblichen Blutkrankheiten wie Sichelzellenanämie, Thalassämie und Mangel an G-6-PDH (Glukose-6-Phospat-Dehydrogenase, einem am Abbau vom Zucker beteiligten Enzym) auf; sie sind jedoch nicht die Ursache dieser Erkrankungen.

Risikogruppen Bezüglich einer Unterwersorgung

Abgesehen von Frühgeburten sind keine Bevölkerungsgruppen bekannt, bei denen ein besonders hohes Risiko für einen Vitamin-E-Mangel bestünde.

Ausgeprägter Mangel

Ein Vitamin-E-Mangel infolge Fehlernährung ist selten. Mangelsymptome treten bei Patienten mit mangelhafter Fettabsorption sowie bei Neugeborenen - insbesondere Frühgeborenen - auf. Neuere Untersuchungen haben ergeben, daß der durch verschiedenartige Syndrome einer mangelhaften Fettabsorption (Fett-Malabsorption) verursachte Vitamin-E Mangel bei Kindern und Erwachsenen zu einer seltenen neuromuskulären Erkrankung führt. Ihre Symptome sind Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen, und in schweren Fällen das Unvermögen zu gehen. Bei frühgeborenen Säuglingen geht der Vitamin-E-Mangel mit hämolytischer Anämie, Ventrikelblutungen und retrolentaler Fibroplasie einher.

Empfohlene Tageszufuhr

Die empfohlene Tageszufuhr von Vitamin E variiert nach Alter und Geschlecht sowie nach den im betreffenden Land gültigen Kriterien. In der Bundesrepublik Deutschland werden für Jugendliche und Erwachsene 12 mg-Äquivalent Tocopherol pro Tag empfohlen. Schwangere und Stillende sollten zusätzlich 2 bzw. 5 mg-Äquivalent aufnehmen. (Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr, Deutsche Gesellschaft für Ernährung, DGE)

Vitamin-E-Präparate

Vitamin E ist in Form von Weichgelatine-Kapseln, Kau- oder Brausetabletten sowie in Ampullenform erhältlich.

Mögliche Verwendung

Vitamin E ist in der Behandlung von Frühgeburten sowie als Nahrungsergänzung bei künstlicher oder einseitiger Ernährung unerläßlich. Es unterstützt ferner die Digitalistherapie, indem es einer Intoxikation vorbeugt. Es gibt Anhaltspunkte dafür, daß Vitamin E in der Behandlung der Claudicatio intermittens sowie bei Symptomen von mangelnder Fettabsorption wirksam ist. Wissenschaftler erforschen gegenwärtig die Wirksamkeit von Vitamin E in der Prophylaxe von Herz-Kreislauf-Krankheiten, als Schutz gegen exogene Schadstoffe sowie bei der Hemmung des Alterungsprozesses.

Verträglichkeit

In Untersuchungen mit bis zum 200fachen der empfohlenen Tageszufuhr für Erwachsene in den USA - das heißt, ca. 2000 mg-Äquivalent bzw. 3000 IE Vitamin E pro Tag - konnten keine schädigenden Nebenwirkungen der Megadosierung festgestellt werden. Aufgetretene leichtere Nebenwirkungen verschwanden sofort nach Absetzen der hochdosierten Behandlung. Bei Patienten, die Antikoagulanzien erhalten, kann Vitamin E in hohen Dosen jedoch zu verstärkter Blutungsneigung führen, da der Vitamin-K-Stoffwechsel beeinträchtigt wird.




Ihr Kommentar zum Thema

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.
News

Winter a bisserl anders im Bayerischen Wald

© Ferienregion Nationalpark …

In der Ferienregion Nationalpark Bayerischer Wald gibt es neben dem klassischen Winterprogramm mit Langlauf, Skifahren und Co auch ein außergewöhnliches Alternativprogramm rund um die wilden und urbayerischen Rauhnächte

Gewinnspiele

Sugar Girls

Verlag: Callwey

Gewinnen Sie das Buch Sugar Girls im Wert von € 29,95. Irgendwann mache ich ein Café auf … 20 Frauen aus Deutschland, …

Videos

Gefährliche Parabene in Kosmetika

Der Einsatz von Parabene in kosmetischen Produkten wurde in den vergangenen Jahren mit verschiedenen unerwünschten Nebenwirkungen in Verbindung gebracht. Hierbei ist von besonderer Bedeutung, dass Parabene nicht nur über Kosmetika, sondern auch über Medikamente und …

Bücher

Ein letzter Drink

Ein Fall für Kenzie &Gennaro

Autor: Dennis Lehane
Preis: EUR 16.00