Gesundheit: Darf es ein bisschen mehr sein?

Sie schießen aus dem Boden wie der ungeliebte Giersch nach einem Frühjahrsregen - Gesundheitszentren in den Luxusherbergen dieser Welt. Kein Hotel, welches in der Oberliga mitspielen möchte, kann es sich noch leisten, auf ein Spa mit breitgefächertem Wellnessangebot zu verzichten. Doch das ist dem Gast, der zwar in der Regel über genügend Geld, aber vielfach nur wenig Zeit verfügt, längst nicht mehr genug. Heute muss man sich als innovativer Herbergsvater schon ein bisschen mehr einfallen lassen, um seine Betten zu füllen. Immer häufiger integrieren Hotels in angesagten Feriengebieten daher ein Gesundheitzentrum unter ihren Dächern. Wer jetzt denkt, dies hätte es doch auch schon früher unter dem Namen „Kur” gegeben, sollte sich von dieser Vergangenheitsform der gesunden Erholung schnell verabschieden. Kurhotels hatten vielfach den Charme einer gehobenen Kaserne, das gern feldwebelmäßig auftretende Personal war vor allem angehalten, dem Gast die vorgeschriebenen medizinischen Anwendungen zu verpassen - selten war damit aber Wohlbefinden verbunden. Zugegeben - zahlte das schließlich fast alles die Krankenkasse und nicht der Gast. Und wer zahlt, schafft an - zumindest dieser Satz hat auch noch heute Gültigkeit.

Aber - es geht auch anders. Ein Gesundheitszentrum welches dem Gast “nur” Gesundheit vermittelt und dafür kein Bespaßungs-Spa in seinen Räumlichkeiten ingetriert hat, findet man im idyllischen Rosenheim. Bleibt nur die Frage, ob der Gast ein, zwei oder gar drei Wochen ohne jede sonstige Betütelung, die ein hochsterniges Haus sozusagen nebenher bereit hält, auszuhalten gewillt ist. Gesunden ist schließlich anstrengend - und ab und an ein bisschen Belohnung, die man sich selbst gönnt, kann da nicht schaden.

RoSana: Dosha-Findung in Rosenheim

Die eine ist eine waschechte Gräfin, könnte gut und gerne in einem Historienfilm als geheimnisumrankte Kräuterfrau gecastet werden und verfügt über magische Hände. Die andere kommt zwar aus Wien, hat mit der österreichischen Küche aber gar nichts am Hut, sonder zaubert mit Ghee und zahlreichen Kräutern ayurvedische Köstlichkeiten. Manchmal dauert es eben eine Zeit, bis man seine wahre Berufung gefunden hat. Diese Erkenntnis setzte die erfolgreiche Juristin Heidi Gutschmidt nach persönlicher Lebenskrise in die Tat um. Sie hing nicht nur den Talar, sondern auch ihr bisheriges Leben an den sprichwörtlichen Nagel, und kehrte mit dem Wunsch, die Indien gewonnenen Lebens-Erkenntnisse an Mitmenschen weiterzugeben, zurück ins heimatliche Rosenheim. Dort errichtete sie, mit viel persönlichem Engagement und unter tatkräftiger Hilfe ihres neuen Lebenspartners, idyllisch an einem Mangfallarm gelegen, das „** RoSana Gesundheit im Zentrum” **. Musste Percy Adlon für sein „** Out of Rosenheim**” noch bis nach Texas reisen, so genügt zum Gesunden heute die Fahrt in den schönen Chiemgau.

Das Konzept nachhaltige Alternativmedizin, hier das aus Indien stammende Ayurveda, mit konservativer Schulmedizin und überlieferter Naturheilkunde, zu einem großen gesundheitlichen Ganzen zu verbinden, kann als durchaus gelungen bezeichnet werden.

Fest im Blickpunkt des deutschen Arztes Dr. med. Eckhard Moog und seiner zwei indischen Kollegen, steht, neben den ayurvedischen Behandlungs- und Therapieschwerpunkten, stets der Mensch und die Förderung seiner Gesundheit. Gelehrt und behandelt wird auf Grundlage der authentischen Ayurveda-Medizin, wie man sie vor allem im inidschen Kerala lehrt. Der aus Kerala stammende indische Ayurveda-Arzt Dr. Arun Pavithran , der seit nahezu 3 Jahren im RoSana tätig ist, schult die gesamte Ayurveda-Abteilung in klassischem Ayurveda. Dadurch ist man im RoSana in der glücklichen Lage, Therapien anbieten zu können, die in sonst keiner europäischen Klinik so angeboten werden , da sie spezielle Kenntnisse voraussetzen, die nur in Indien gelehrt und praktiziert werden.

Keinesfalls möchte man im RoSana mit dem äußerst umstrittenen Maharishi-Ayurveda in Verbindung gebracht werden, das auch in Deutschland durch mehrere Kliniken stark vertreten ist. Bärbel Schwertfeger schrieb dazu vor Jahren im Spiegel: „Wer in Deutschland von Ayurveda spricht, meint … häufig - ohne es zu ahnen - Maharishi Ayurveda, und nur wenige wissen, dass die Guru-Variante kaum der traditionellen entspricht”.

Ayurveda-Kuren, die man im RoSana bucht, werden von Dr. Moog und den indischen Ayurvedaärzten festgelegt und folgen keinesfalls einem Maharishi-Modell. Vor allem Dr. Moog vermittelt, trotz oder gerade wegen seines nicht mehr ganz jungen Alters, das Gefühl der Kompetenz, versteht ausgezeichnet, auf den Rat suchende Patienten einzugehen und sein ruhiger, fast ein wenig abwesend wirkender Blick, durchleuchtet während des Anamnesegespräches sozusagen den vor ihm Sitzenden, ohne dass dieser sich “dieses in die Seele schauen” bewusst wird. Sollte er mit seiner Weisheit tatsächlich einmal am Ende sein, könnte ihm seine Frau Renate, nicht nur als Coach, sondern auch als Visionärin gut gebucht, sicher weiter helfen.

Es wäre jedoch falsch jetzt anzunehmen, im RoSana würde „nur” die indische Heilkunst angewandt. _„So einzigartig wie die Person ist, so individuell ist auch die Krankheit”,_lautet das Motto von Herrn und Frau Gutschmidt und so arbeiten Experten der Naturheilkunde (Ayurveda, chinesische Medizin, klassische Homöopathie und Osteopathie) sowie der naturwissenschaftlichen Medizin unter einem Dach zusammen, um Patienten ein maßgeschneidertes Behandlungskonzept anzubieten. Sören Gutschmidt ist nämlich nicht nur Mitbesitzer, sondern auch ein sehr gefragter Heilpraktiker mit den Schwerpunkten Homöopathie und Osteopathie , zu dem Patienten aus ganz Deutschland pilgern, um ihre Beschwerden lindern zu lassen.

Das in einer parkähnlichen Anlage, mit eigenem Vastu-Garten, gelegene RoSana verfügt neben dem Gesundheitszentrum, untergebracht in einer ehemaligen Salzsteinmühle, über ein liebevoll und mit hochwertigen Naturmaterialien im Retrolook eingerichtetes Gästehaus mit 8 Zimmern. Fernseher, WLAN oder sonstige technische Spielereien sucht man dort allerdings vergeblich - es gibt allerdings in der gemütlichen Lobby auch einen Fernseher - für alle, die mit dem Abschalten anfangs noch Probleme haben.

Qualität vor Quantität könnte ein anders Motto des RoSana lauten. Dieses ganz spezielle Eingehen auf jeden Gast, hat natürlich seinen Preis. Wer sich im RoSana einer 21tägigen PanchaKarma-Kur unterwerfen möchte, sollte mit etwa € 4200.- rechnen. So gesehen ist das Ayurveda-Wellness-Wochenende im RoSana fast ein Schnäppchen. 2 Tage mit Übernachtung kosten rund € 450.- und beinhalten neben ayurvedisch-biologischer Küche, Morgen-Yoga, auch verschiedene ayurvedische Anwendungen, wie einer Abhyanga (Ganzkörper-Ölmassage) einem Shirodhara (Stirnölguss) sowie einer Kizhi (Wärmebehandlung mit Kräutersäckchen).

Ganz wichtig ist den Inhabern dabei die Tatsache, dass jedes Öl und jede Kräutermischung entsprechend der Konstitution und Kondition eines Patienten zusammengestellt und verabreicht wird und nur hochwertigste Materialen zur Anwendung gelangen. Praktischerweise kann man diese dann im angegliederten kleinen Gesundheitsladen auch für zu Hause erwerben.

Nicht ganz verständlich bei diesen Preisen ist der Aushang im heimeligen Wintergarten-Bistro , der darauf hinweist, dass die Tasse Tee mit € 1.– berechnet wird. Aber vielleicht gilt die dezente Preisliste auch nur Tagesgästen.

Alles in allem gesehen ist das RoSana mit Sicherheit eine empfehlenswerte Adresse vor allem für jene, die dringend ein bißchen “herunterkommen” müssen. Man bemüht sich von allen Seiten sehr liebevoll und einfühlsam um den Gast, ohne dabei aufdringlich oder bestimmend zu wirken. Alles ist ein kann und kein muss - man muss gar nichts, ausser sich selbst finden - und das gelingt an diesem Ort vortrefflich.

Im Dezember reisen wir auf der Suche nach Gesundheitszentren nach Südtirol ins schöne Grödnertal ins Adler Balance Spa & Health Resort.




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