Zum „Drogenkurs“ in den Westerwald

Mal ganz ehrlich: Wissen Sie auf Anhieb, wo der Westerwald genau liegt? Äh ist das nicht? Ja genau oder nein, ist es vermutlich nicht. Wie der Name schon sagt, er liegt im Westen, grob zwischen Frankfurt und Köln und seine bekanntesten Orte sind Limburg (stimmt, das mit dem Bischof samt teurer Badewanne) und Montabaur – hat ein Schloss. Mitten drinnen im Westerwald liegt Bad Marienberg, Kneippheilbad und Schrothkurort, aber auch Sitz einer wahrhaftigen Kräuterhexe sowie Heimat der „Drogenbarone“

Haben Sie schon einmal Gin destilliert? Also so richtig selbst gemacht? Von der Pike auf sozusagen? Wer den Wacholderschnaps liebt, der aus gutem Grund von den Engländern einst zur Malaria-Prophylaxe in ihren Kolonien verwendet wurde, der sollte sich vielleicht doch einmal aufmachen in den Westerwald. Denn dort sitzen sie, die Wacholder-Destillateure, welche die im Gin enthaltenen Kräutersubstanzen „DROGEN“ heißen und wahre Könner ihres Fachs sind. „In einem guten Gin liegen gleich mehrere Geheimnisse“, weiß Stefanie Klöckner, Chefin der Birkenhof Brennerei in Nistertal zu berichten und weiht uns persönlich in die Herstellung des gesundheitsfördernden Seelenwärmers ein. Mindestens fünf verschiedene Kräuter (Botanicals) sollten es schon sein, welche im Blending-Protokoll aufgenommen und dann im Brennkolben mit der entsprechenden Alkoholzugabe destilliert werden, um irgend wann nach mehreren Abläufen eine kleine Menge selbst gemachten Schnaps tropfenweise abzusondern.

Den eigenen Gin im Destillateurkurs zu kreieren oder dank eines Sensorik-Seminars die Welt der Edelbrände zu erkunden, sind zwei von zahlreichen Möglichkeiten, welche man rund um das beschauliche Bad Marienberg mit viel Spaß genießen kann. Überhaupt quirlt das 1967 zum Bad erhobene Städtchen an den Wochenende von gut gelaunten Ausflüglern buchstäblich über. Vor allem Familien zieht es in den nahe gelegenen Wildpark samt Kletterwald, der jede Menge Abenteuer für Jung und Alt verspricht und wo professionellen Trainer es mühelos schaffen, alte Damen ohne Angst in und durch die Kletterparcours des Hochseilgartens zu locken. Wer es lieber gemütlicher hat, dem stehen zahlreiche Wanderwege inkl. des 235 km langen Westerwald-Steigs zur Auswahl oder er begibt sich mit der fachkundigen Kräuterhexe Iris Franzen auf eine unterhaltsame Wildkräuterwanderung. Abends kann man die gesammelten Kostbarkeiten dann auch gleich noch in ihrer Schauküche beim „wilden vegetarischen Kochkurs“ in schmackhafte Gerichte verwandeln.

Laue Abende sollte man im Drehrestaurant des Wildparkhotels beim Sonnenuntergang ausklingen lassen, wenn es regnet lockt hingegen die über 600 qm große Wellnesslandschaft des 4-Sterne-Hotels zum verweilen.

Kann also gut sein, dass man ihn rauschen hört, den Westerwald, und der Wind, doch der pfeift durchaus auch mal richtig kalt über diese Hochebene mitten in Deutschland!




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