Gesicht und Charakter

Körpersprache, aber auch Mimik sind sozusagen unser offen gelegter Lebenslauf, denn sie sagen oft mehr über uns aus, als uns lieb ist. Längst nutzen große Unternehmen diese oft kleinen, uns selbst nicht immer bewußten Gesten, um mehr über uns zu erfahren. Was sich dahiter verbirgt, darüber haben wir mit Erika Rau gesprochen

  • ©Giuseppe Porzani - Fotolia

Wie zuverlässig ist der erste Eindruck?

Erika Rau, Münchner Homöopathin und Leiterin der Akademie HomöoCampus: “Mimik, Gestik und Körperhaltung” sagen viel über einen Menschen aus. Und im Gesicht lassen sich Charaktereigenschaften, berufliche Stärken und emotionale Fähigkeiten ablesen. Ein System, das dies begreifbar macht, ist die Psycho-Physiognomik, entwickelt von Carl Huter (1891-1912) vor 150 Jahren. Er hat drei Grundtypen definiert.

Diese drei Grundtypen bei Huter sind biologisch definiert entsprechend der Keimblattentwicklung, wonach wir ein Ernährungs-, Bewegungs- und Empfindungsnaturell unterscheiden. Diese drei Grundtypen in ihrer eindeutigen Ausprägung gibt es heute kaum mehr, da wir mit der globalen Entwicklung und Vermischung von Kulturen viel mehr mit Mischtypen zu tun haben, von denen es in der reinen Form auch drei gibt. Auch diese sind im realen Leben in unendlichen Variationen zu finden. Als Lehrsystem ist aber nach wie vor die Einteilung in die drei Grundnaturelle und die drei Dualnaturelle sehr sinnvoll. Von da ausgehend kann man immer vielfältigere Differenzierungen über die einzelnen Merkmale, wie die Nase, die Ohren, das Untergesicht, das Hinterhaupt, die Stirn, das Seitenhaupt, die Augen und den Augenausdruck erarbeiten und dann wird die Psycho-Physiognomik wirklich spannend. Es geht dann immer mehr darum, nicht schnelle schablonisierte Formendeutungen zu äußern, sondern heraus zu finden, wozu der Mensch angelegt und bestimmt ist.”

Amerikanische Wissenschaftler beschreiben in verschiedenen Experimenten, dass wir Menschen innerhalb weniger Sekunden einschätzen können, ob ein Mensch ehrlich und vertrauenswürdig ist, über Teamgeist verfügt oder nach Macht strebt. Wie ist das möglich?

Erika Rau:“Das schnelle Einschätzen können des Anderen war in unserer Entwicklungsgeschichte überlebenswichtig. Es ist eine Eigenschaft, die letztlich aus den alten Gehirnstrukturen stammt, die aber auch die Gefahr birgt, dass wir vorschnell über jemanden urteilen. Das System der Psycho-Physiognomik ist weitaus komplexer und kann unterschiedlichen Facetten einer Persönlichkeit gerecht werden. Um einen Menschen an seinem Äußeren zu erkennen, brauchen wir etwas mehr Zeit und die Bereitschaft uns einzulassen und die unterschiedlichen Ausdruckszeichen miteinander zu kombinieren.”

Heute sind im Showgeschäft auffallend viele Menschen mit großen Mündern zu sehen. In der Politik hingegen sieht man mehr den kräftigen, schmalllippigen Typ. Ist das Zufall oder entspricht dies dem Bild unserer heutigen Gesellschaft?

Erika Rau:“In der Politik geht es darum, seine Gefühle möglichst zurück zu halten, da dominiert das verstandesmäßige, rationale Auseinandersetzen mit unterschiedlichen Themen. Alles, was mit Gefühlen zu tun hat, kommt dabei häufig zu kurz, feinere zwischenmenschliche Ebenen haben wenig Raum.

Im Showgeschäft dagegen werden Emotionen gezeigt, eine gute Show lebt auch von authentischem Gefühlsausdruck, möchte die Menschen in ihren Gefühlen ansprechen.”

Am Mund lesen wir psycho-physiognomisch die unbewussten Gefühlsregungen, das Begehren, das Genießen, die Art der Artikulation und all das kann dann je nach Form in unterschiedlichen Variationen ablaufen und interpretiert werden. Nicht nur Augen, Nase und Mund sagen etwas über den Menschen, der einem gegenüber sitz aus. Auch die Ohren sprechen Bände.

Erika Rau:“Wir betrachten in der Psycho-Physiognomik alle Merkmale. Zunächst ausgehend von der Form des Körperbaus, dann von der Ausstrahlungsqualität, die ganz wichtig ist, und folgend die Gesichtsmerkmale wie Nase, Mund, Kinn, Unterkiefer, Ohren, Augen und den ganzen Schädel aufgeteilt in Stirn, Hinterhaupt, Seitenhaupt und Oberhaupt. Und natürlich betrachten wir auch die Hände und Füße, die Haare und die Frisur. Alles ist eine Aussage über den Menschen und alle Zeichen müssen miteinander kombiniert werden, um der Komplexität des Menschen gerecht zu werden.”

In welchen Tätigkeitsbereichen kann die Psycho-Physiognomik hilfreich sein?

Erika Rau: “Dieses System unterstützt alle in ihrer täglichen Arbeit, die mit Menschen zu tun haben. Ob Coach, Abteilungsleiter, Geschäftsführer, Therapeut oder Lehrer – das fundierte Wissen über Körpersprache hilft jedem, sein Gegenüber zu erkennen und besser zu verstehen und ihn zu unterstützen, dass er am richtigen Platz mit Freude sein Leben aktiv gestalten kann.”

Vielen Dank für das Gespräch.

Einmal im Jahr startet an der Münchner Akademie HomöoCampus die Ausbildung in Psychophysiognomik, die sich in drei Intensivkursblöcke aufteilt.




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