Homotoxikologie

Schulmedizin und Homöopathie galten viele Jahrzehnte als Gegensatz und stritten heftig miteinander. Ursache ist eine sehr unterschiedliche Betrachtungsweise des Menschen und seiner Krankheiten. Erfreulicherweise gibt es immer mehr Ärzte, die beide Richtungen miteinander verbinden.

Angespornt durch die durchschlagende Wirkung neuer Medikamente, wie z. B. Antibiotika, konzentrierte sich die Schulmedizin immer mehr auf die kranken Körperteile. Die Homöopathie dagegen sieht alles aus einem ganzheitlichen Blickwinkel. Krankheit war und ist für sie eine Störung des gesamten Organismus.

Die Schulmedizin gilt aber auch als attraktiv, weil ihre Medikamente sehr schnell und einfach angewendet werden können, während in der klassischen Homöopathie das jeweilig passende Arzneimittel erst längere Zeit gesucht werden muß. Dieser Vorgang heißt übrigens Repertorisierung.

Schulmedizin und Homöopathie vertragen sich dennoch bestens. Ja, die positiven Grundlagen beider Therapierichtungen lassen sich sinnvoll miteinander verbinden. Dieses Ziel hatte der homöopathische Arzt Dr. Hans-Heinrich Reckeweg (1905-1985) schon zu Beginn seines Medizinstudiums in den 20er Jahren vor Augen. »Ich werde einmal die Homöopathie mit der Schulmedizin verbinden«, war seine Vision. Er ließ sich in den 30er Jahren als Arzt nieder und begann, eine eigene Krankheitslehre, die Homotoxikologie, zu entwickeln.

Reckeweg war durchaus kein Theoretiker, vielmehr ein Erfahrungsmediziner, der beobachtet hatte, daß vielen chronischen Krankheiten auch mit der Schulmedizin nicht beizukommen war. Er folgerte, daß Gifte (Homotoxine), die der Mensch selbst produziert und aufnimmt, für Krankheiten verantwortlich sind. Es wurde ihm klar, daß Arzneimittel einen Organismus erst einmal »entgiften« müssen, damit er wieder gesund werden kann. Er entwickelte homöopathische Arzneimittel, die die Homotoxine neutralisieren, so umwandeln, daß sie ausgeschieden werden können, und nannte sie Antihomotoxika, »gegen-die-Gifte-gerichtet«. Die »antihomotoxische Medizin« bzw. Therapie soll das Abwehrsystem stimulieren und die Homotoxine entgiften.

Zur Grundlage der Homotoxikologie gehört die Vorstellung von einem stufenweisen Verlauf der Krankheitsverarbeitung, d. h., daß die Abwehrvorgänge in sechs Phasen stattfinden. Dieses Schema ist unter dem Namen Sechs-Phasen-Tabelle bekannt. Darin findet sich eine Zuordnung verschiedener Krankheitsreaktionen zu verschiedenen Körperorganen und -systemen. Die ersten drei Phasen können vom Körper selbst überwunden werden, d. h., die Selbstheilungskräfte des Körpers sind noch weitgehend intakt. Die Phasen vier bis sechs treten bei Abwehrstörungen auf, werden auch die zellulären Phasen genannt, und enden schlimmstenfalls mit Krebs. Dieser Übergang von den noch guten in die schlimmen Phasen wird durch den biologischen Schnitt getrennt.

Die antihomotoxischen Arzneimittel (vorwiegend Komplexpräparate und keine Einzelmittel) sollen Abwehrblockaden beseitigen und die Krankheiten in eine der ersten drei Phasen zurückführen, so daß Heilung, Selbstheilung, wieder möglich wird, zumindest aber die Symptome verbessern. Die Erfolge werden dabei durch die Stimulation der körpereigenen Entgiftungs-, Abwehr- und Selbstheilungskräfte erreicht. Als anatomisches Korrelat der Entgiftung gilt das »System der großen Abwehr«. Die antihomotoxischen Mittel unterstützen den Organismus sehr nachdrücklich, mit seinen eigenen Möglichkeiten seine Gesundheit wieder herzustellen. »Ähnliches soll durch Ähnliches behandelt werden«. Diesem Wahlspruch des Begründers der Einzelmittelhomöopathie, Samuel Hahnemann, ist auch die Homotoxinlehre verpflichtet, weicht aber teilweise von ihr ab.

Die antihomotoxische Therapie, die das Wirkprinzip der Isopathie in den Vordergrund stellt, versteht sich als »erweiterte Homöopathie«, setzt vorwiegend Komplexmittel bzw. Kombinationsmittel ein, verordnet sogenannte homöopathisierte Allopathika und geht indikationsorientiert vor. Antihomotoxische Arzneimittel, die nach den Vorschriften der Homöopathie hergestellt werden, sind so einfach wie schulmedizinische Arzneimittel einzusetzen. Die Suche nach dem speziellen Einzelmittel ist somit nicht notwendig, dennoch bleiben die Vorteile der homöopathischen Therapie, wie sehr gute Verträglichkeit und Risikoarmut, erhalten. Diese Vereinigung von Schulmedizin und Homöopathie brachte der Homotoxinlehre die Bezeichnung »Bindeglied zwischen Schulmedizin und Homöopathie« ein.

Anwendungsbereiche

Schwerpunkt der antihomotoxischen Therapie sind chronische und degenerative Erkrankungen. Aber auch einige akute Krankheiten lassen sich erfolgreich behandeln:

  • Erkältungskrankheiten
  • allergische Erkrankungen
  • weichteilrheumatische Erkrankungen, Gelenkverschleiß (Arthrose)
  • funktionelle Herzbeschwerden
  • Umwelterkrankungen
  • Sportverletzungen
  • Schwindel

Eine antihomotoxische Therapie ist jedoch nicht angezeigt bei Krankheiten wie Diabetes mellitus oder Vitaminmangelzuständen, psychiatrischen Erkrankungen, akuten Entzündungserkrankungen, bei denen Antibiotika angezeigt sind, oder bei lebensbedrohlichen Erkrankungen.

Antihomotoxische Arzneimittel sind wegen ihrer Nebenwirkungs- und Risikoarmut gut geeignet zur Behandlung von Kindern, Risikopatienten und älteren Menschen.

Die Homotoxikologie als Varietät der Homöopathie gehört zu den biologischen Therapieformen wie die Pflanzenheilkunde und die anthroposophische Medizin. Homöopathie, Phytotherapie und Anthroposophie hat der Gesetzgeber unter einen besonderen Schutz gestellt, der die Bezahlung durch die gesetzlichen Krankenkassen vorsieht.




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