Wacholderbeere: Riecht gut und tut gut

Falls sie nicht in einem Gebiet wohnen, dass jetzt schon tief im Schnee vergraben liegt, wäre jetzt die passende Zeit sich auf eine Bergwanderung zu begeben und nach ein paar Wacholderbeeren (Juniperus communis) Ausschau zu halten. Im Oktober ist nämlich die beste Zeit diese von den Sträuchern zu pflücken. Sie reifen im Spätherbst und wachsen in lichten Wäldern und auf sonnigen Weideflächen. Die kleinen blauschwarzen Wunderbeeren kennen die meisten von uns nur in Sauce schwimmend auf dem Wildbraten. Oder die Zweige des Wacholderstrauches als Räucherwerk. Damit tut man ihr aber unrecht, die heimische Beere kann ohne Probleme mit den kleinen Superbeeren aus exotischen Ländern mithalten

  • Wacholder (Juniperus communis) mit Beeren

Die Wacholdersträucher können bis zu zehn Meter hoch werden und gehören zu den Zypressengewächsen. Im Hochgebirge wachsen sie niedrig und breitflächig.

Schon Sebastian Kneipp , Namensgeber der Kneipp Medizin, wusste die Wirksamkeit der kleinen Beeren zu schätzen. In seinem Buch „Meine Lebensregeln für Gesunde und Meine Heilmittel für Kranke in alphabetischer Form aus meinen gesammelten Schriften der gebrechlichen Menschheit dargeboten“ , äußerte er sich positiv über die gesundheitsverbessernden Effekte auf den menschlichen Organismus. Schon lange gilt die Beere des Wacholders als natürliches Heilmittel bei Gicht, Blasenbeschwerden und Verdauungsstörungen.

Pfarrer Kneip empfiehlt eine dreiwöchige Kur zu machen. Man beginnt mit dem Zerkauen einer Beere, steigert die Anzahl für die nächsten neun Tage täglich um eine Beere. Danach reduziert man die Menge täglich um eins, bis man wieder bei den vier Beeren am Tag ist.

Es scheint, dass die Beeren genau zur richtigen Zeit reif sind. Sie helfen gegen Reizhusten, grippalen Infekten und Entzündungen der Atemwegen. Genau die Symptome, die uns zur kälter werdenden Jahreszeit immer quälen.

Doch nicht nur gegen die Kälteerkrankungen wirkt sie. Früher wurden die Wacholderzweige oft verwendet, um Zimmer mit Kranken auszuräuchern. Der Rauch der angezündeten Nadeln tötet Bakterien und schlechte Gerüche. Kneipp schrieb in seinem Buch auch, dass Menschen, welche mit Schwerkranken und Patienten mit ansteckenden Krankheiten arbeiten, stets eine Wacholderbeere kauen sollen. Krankheitserreger werden so abgetötet und es kommt zu keiner Krankheitsübertragung.

Den selben Effekt haben sie auch im Organismus wenn man sie in die Nahrung einbaut. Die Inhaltsstoffe können Blähungen, Krämpfe und andere Magenbeschwerden lindern. Sie beugen Völlegefühl vor.

In den Schleimhäuten der Bronchien und des Magens wird die Durchblutung angeregt und die kleinen schwarzen Wunderbeeren wirken auch harntreibend. Die Sträucher im Badewasser fördern die Durchblutung und schaffen eine Minderung von Rheumaschmerzen. SIe können sich auch einen Tee mit den kleinen Beeren machen. Jedoch sollten Schwangere und Personen mit Nierenproblemen eher auf den Konsum der Beeren verzichten.

Vielleicht entdecken sie beim nächsten Spaziergang einen der stacheligen Wacholdersträucher. Einfach abpflücken, kauen und sich besser fühlen. Gesundheit kann so einfach sein. Die Beeren können sofort zerkaut werden oder noch für ein paar Stunden an einen sonnigen Platz gelegt werden, um sie zu trocknen. Aufbewahren sollte man sie in einem luftdichten Gefäß, damit die enthaltenen ätherischen Öle nicht verloren gehen. Natürlich kann man auch bereits getrocknete Beeren im Bioshop kaufen (zum Beispiel Wacholderbeeren, getrocknet, 35 g, von der Firma Sonnentor).

Quelle: Kneipp, Sebastian: Das kleine Kneipp-Buch ; Kempten, Verlag der J. Köselsche Buchhandlung; Auflage: 3. Auflage (1905)




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