Montreux-Vevey

Von den schönen Plätzen Europas einer der allerschönsten ist für Kaiserin Elisabeth (Sissi) Montreux am Genfer See. Hier verbringt sie 1893 den Urlaub mit ihrem Ehemann Franz Joseph, Sie holt ihn ab in Lausanne und er findet sie „besonders gut aussehend”. Genau zwei Wochen bleibt er und zum Abschied meint er: „Ich habe mich an die hiesige Ruhe und an die gute Luft doch schon so gewöhnt, daß es mir schwerer wird, mich von hier zu trennen.” Etwas spröde Worte, die aber seine Frau zu prächtigen Elegien über das Ostufer des großen Gewässers verleitet.

Im Spätsommer 1898 weilt sie hier zum letztenmal. Ihre Briefe an Franz Joseph gibt dieser so wieder: „Vom schönen Wetter begünstigt, genießt sie die herrliche Lage des Hotel de Caux und die kräftige, reine Bergluft, sie macht Spaziergänge, ohne sich zu überanstrengen und auch weitere Ausflüge.” Hier hat sie im Hotel Catharos de Petri eine Flucht mit 16 Zimmern gemietet. Bei den Ausflügen dabei ihr Vorleser Frederic Barker, der mit seiner Herrin in die Zahnradbahn steigt und zum Gipfel des Rochers de Naye fährt. „Wir hatten schönes Obst mitgebracht. Die Kaiserin aß davon mit großem Appetit und lud auch mich ein, davon zu nehmen”, berichtet er. Und wie es schon einmal ist, Land und Leute ändern sich auch in einem Jahrhundert nicht, was Majestät damals fasziniert, hat sich zu einem Fremdenverkehrsmagneten erster Güte entwickelt. Die Zahnradbahn folgt noch heute der Spur von damals, nur gehört sie inzwischen zur Goldenpassline und an dieser ist wirklich alles edel - von der Ausstattung (manchmal mit Empiremöbeln) bis zu den lukullischen Mahlzeiten. Wer das Glück hat, von Nikolaus Mani vom Golden Pass Services begleitet zu werden, erfährt an Bord viel über Geschichte und Gesellschaftsklatsch der Stationen, da säumen die Gleise die Affären der Filmstars und Millionäre, Weltklassesportlerinnen und Politiker. Man komme gerne in seinen Zug, erklärt Mani, den höchsten Punkt erreiche man auf 1274 Metern, ergo: „Gesundheitlich keine Bedenken.” Mani schätzt die Deutschen, die in Scharen kämen und sich über Goldenpassline begeistert äußern.

Die Hauptlinie führt von Luzern über Interlaken, Spiez (wo das Hotel der deutschen Fußballweltmeister von 1954 steht) und Gstaad nach Montreux, einem der ganz wenigen Bahnhöfe unserer Erde mit drei verschiedenen Schienenabständen (1435, 1000 und 800 Millimeter). Von diesem Platz geht es dann hoch zum Rochers de Naye, alles atemberaubend; schwindlig darf einem nicht so leicht werden, und die Beliebtheit zeigt, daß der Kitzel, fast freischwebend über Almen, Wasserfall und Riffe zu fahren, nichts von seinem Reiz eingebüßt hat. Oben am Gipfel neben einer beeindruckenden Aussicht auf die Schweizer Bergwelt, ein gut geführtes Restaurant zwischen Fels und Abgrund, auf der Almterrasse laden Bänke zum Verweilen ein, Murmeltiere hüpfen herum und übernachten kann man in mongolischen Jurten, sicher für Kinder ein Erlebnis, das sie nie vergessen werden und können. Kinderaugen leuchten auch in der Schokoladenfabrik Cailler-Nestlé in Broc, das man ebenfalls bequem mit der Bahn erreicht. Die dortige Belegschaft führt durch die Stationen der Produktion, die weltbekannte Schweizer Schokolade nimmt man selbstverständlich im hauseigenen Shop mit. Und noch ein Bahnhof ist des Besuches wert: Gruyère, ein malerisches Städtchen, das an Stein am Rhein erinnert. Hier wird eine Delikatesse hergestellt, die den Ruf der Schweiz als Käseland begründet. Und wie überall im Reich des Rütlischwurs, wo es etwas zu verkaufen gibt, wird der Euro gerne genommen!

Dreh- und Angelpunkt der Region ist aber Montreux - eine kuriose Welt im kleinen. Frauen aus dem Orient tiefverschleiert in der schwarzen Burka, daneben junge Damen, die sich oben ohne photographieren lassen. Bizarrer geht es nicht, aber so ist Montreux - extravagant und international!

Im nahen Wasserschloß Chillon erzählt die Führerin von den vielen Besitzern, zu denen Bischöfe, Grafen aus Savoyen und Republikaner gehören, und den Besuchern wie Lord Byron. Unweit die Anlegestelle, von wo aus man bequem auf einem Dampfer fast jeden Punkt des Sees erreichen kann! Nächste Station Vevey, ein hübscher Ort, in dem sich Charly Chaplin so wohl fühlt und hier seinen Lebensabend verbringt. Sein Denkmal am Ufer gehört zu den Attraktionen des Sees - genauso wie der Landstreifen nach Lausanne, der sich seit Juli 2007 Weltnaturerbe nennen darf.

Nach den tausend Impressionen, die dieses Stückchen Erde vermittelt, stehen wir am Schluß unserer Reise vor dem Denkmal der Kaiserin Elisabeth in Territet (heute Ortsteil von Montreux). Der in Lugano geborene Bildhauer Antonio Chiattone ist der Schöpfer. Und von diesem Punkt tritt die wohl bekannteste Kaiserin unserer Erde ihre kurze, letzte Reise an. Und wie man schon 1898 in Wien sagt, sie sei denn auch im Himmel gestorben.

Informationen unter: Montreux-Vevey Tourisme - Tel. +41 (0)848 86 84 84 - Fax +41 (0)21 962 84 86 - Email: info@mvtourism.ch - Internet:www.montreux-vevey.com




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