Homöopathie

Der deutsche Arzt Christian Friedrich Samuel Hahnemann (1755-1843) begründete das Therapiesystem Homöopathie. Schon in ganz jungen Jahren war er mit den Resultaten der gängigen Medizin unzufrieden, was ihn veranlaßte, den Arztberuf an den Nagel zu hängen und fürderhin als Übersetzer sein Brot zu verdienen. 1790 übersetzte er ein schottisches Arzneimittelbuch ins Deutsche und stieß dabei auf die Behauptung, daß die Bitterstoffe der Chinarinde Malaria bekämpfen könnten. Da er dieser Aussage keinen Glauben schenkte, entschloß er sich zum Selbstversuch.

Dieser Selbstversuch mit der Chinarinde gilt heute als Grundlage der homöopathischen Entdeckung, daß die Eigenschaften einer Pflanze bei einem gesunden Menschen eben jene Symptome hervorrufen, die sie bei einem Kranken heilen. Hahnemann begann darauf, sich anderen Wirkstoffen zuzuwenden. Er erprobte die schon von Hippokrates entdeckte Methode, Gleiches mit Gleichem zu behandeln, praktisch an sämtlichen Familienmitgliedern und Freunden, die sich auf dieses Abenteuer einließen. Penibel faßte Hahnemann die Ergebnisse dieser Experimente und Prüfungen in sogenannten Arzneimittelbildern zusammen. 1807 gab Hahnemann der von ihm entwickelten Heilmethode nach dem Ähnlichkeitsprinzip den griechischen Namen Homöopathie, frei übersetzt: Gleichartiges Leiden, im Gegensatz dazu bezeichnete er die Schulmedizin als Allopathie, die das Gegensätzlichkeitsprinzip verfolgt (Beispiel: Durchfall wird mit jenem Mittel behandelt, das Verstopfung hervorruft). Im Mittelalter huldigte man vor allem der sogenannten Signaturenlehre, einer Heilpflanzenlehre, die auf der Vorstellung basierte, daß das Aussehen (die Signatur) und die Beschaffenheit einer Pflanze darauf hinwiesen, welche Krankheiten sie heilen. Beispiele sind: Beinwell Knochenbrüche, Blutwurz Blutungen, Lungenkraut Asthma und Bronchialerkrankungen, Augentrost Augenleiden, Schöllkraut (Saft) Gelbsucht. Der berühmteste Arzt des deutschen Mittelalters, Paracelsus (1493-1541), der Begründer der pharmazeutischen Chemie, formulierte, daß » die Dosis darüber entscheidet, ob etwas Gift oder Arznei ist«.

Mit Homöopathie kann man vieles, aber keineswegs jede Krankheit erfolgreich bekämpfen. Sie ersetzt weder den Chirurgen noch ein Antibiotikum, und daher sollte auch der konventionellen Medizin ihr gerechtfertigter Raum zugestanden werden. Eine beachtenswerte Tatsache ist auch, daß die Homöopathie keinesfalls bei jedem Menschen gleich gut anspricht. Jeder Arzt sollte, wie Hahnemann sinngemäß meinte, die möglichst schnelle und dauerhafte Wiederherstellung eines Kranken als sein höchstes Ziel betrachten, damit die Lebenskraft, die er »vis vitalis« nannte - die Griechen der Antike Pneuma , die Asiaten Prana , Qi ( Ch´i) , Ki bzw. Reiki - und die nach ihm für den harmonischen Ablauf der Lebensvorgänge sorgt, wieder ungestört pulsieren kann. Anders gesagt: Die Homöopathie zielt auf das Steuerungssystem unseres Körpers.

Damit die »Lebenskraft« wieder zirkuliert: Potenzen

Hahnemann verdünnte die wirksamen pflanzlichen Stoffe schrittweise. Zur schrittweisen Verdünnung verwendete er Weingeist oder Milchzucker als Trägersubstanzen, d. h., feste Stoffe verrieb er, flüssige oder lösliche verschüttete er und stellte dabei fest, daß die Ursubstanzen um so wirksamer wurden, je stärker sie verdünnt wurden, was zu der Bezeichnung Potenzierung führte.

Homöopathische Ursubstanzen bzw. Urtinkturen werden im wesentlichen gewonnen aus

  • Pflanzen
  • Tieren
  • Mineralien

Homöopathische Heilmittel gibt es prinzipiell in drei Darreichungsformen

  • Tropfen (alkoholhaltig)
  • Tabletten
  • Globuli (Kügelchen, milchzuckerhaltig)

Die Vermischung, Verdünnung von Ursubstanz und Trägersubstanz wird auch als Dynamisierung bezeichnet.

Es gibt D-, C-, LM- und Q-Potenzen. Die Potenz wird als Buchstaben-Zahlen-Kombination angegeben.

  • Dezimalpotenz (D-Potenz) = Verdünnung im Verhältnis 1:10: 1 Teil Ursubstanz wird mit 10 Teilen Trägersubstanz durch 10 kräftige Schüttelschläge vermischt = D1. Hiervon wird wiederum 1 Teil mit 10 Teilen Trägersubstanz vermischt und verschüttelt bzw. verrieben = D2 (= 1:100) usw. Bei der Potenz D12 (= 1:1000000000000) wurde also 1 Million mal 1 Million vermischt und verschüttelt.
  • Centesimalpotenz (C-Potenz) = 1 Teil der Ursubstanz wird mit 100 Teilen Trägersubstanz verdünnt, 100mal verschüttelt = C1 und entspricht D2. Hiervon wird wiederum 1 Teil mit 100 Teilen Trägersubstanz vermischt und verschüttelt bzw. verrieben = C2 und entspricht D4.
  • Die sogenannten LM-Potenzen bzw. Q-Potenzen werden im Verhältnis 1:50000 verschüttelt. Wer nun glaubt, eine derart hohe Potenzierung könne gar keine Wirkung mehr erzielen, irrt. Hahnemann fand nämlich heraus, daß nicht selten die höchste Potenzierung, d. h. der geringste Gehalt an Wirkstoff, die größte Wirkung hervorrief, nämlich daß die Kraft des Heilmittels nicht im Material, sondern im Muster liegt.

Und gerade diese Tatsache ist es, die immer wieder zu Skepsis gegenüber der homöopathischen Behandlung führt. Man weiß bis heute nicht, wie homöopathisch hergestellte Arzneien wirklich helfen, die mit ihnen erzielten Ergebnisse lassen sich hingegen nicht wegdiskutieren. Immer wieder bekommt man von den Schulmedizinern zu hören, daß hierbei die Einbildung des Patienten wohl die größten Heilerfolge tätige. Denn während die Schulmedizin lediglich das Krankheitsbild betrachtet, befaßt sich die Homöopathie stets mit dem ganzen Menschen, d. h., auch psychische Symptome und Patienteneigenschaften sind ausschlaggebend für die Therapie.

Vor allem bei chronischen Krankheiten erzielt man mit Hilfe der Homöopathie sensationelle Erfolge. Der Homöopath nimmt sich, im Gegensatz zum Schulmediziner, für die Befragung sehr viel Zeit, beobachtet die Wirkung des von ihm verordneten Einzelmittels oft über Wochen hinweg, ehe er sich für eine Weiterbehandlung entscheidet.




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