Spreewald: Mit Skianzug und Glühwein durchs Gurkenreich

Die Luft ist schon winterlich an diesem Dezembertag in Lübben, doch Sonne und blauer Himmel locken auf Kanäle und Fließe. Fährmann Burkhard Herzke verteilt dicke Decken und heißt die Gäste willkommen auf seinem Kahn im einzigartigen Delta der Spree, ganz im Osten von Brandenburg. Zum inneren Kälteschutz gibt es Spreewaldbitter und heiße Getränke. „Wenn die Wasserwege eisfrei sind, fahren wir den ganzen Winter”, erklärt der 49-Jährige vom Fährmannsverein „Flottes Rudel”.

Außer saisonalen Extras wie Mondschein-, Grill- und Picknick- oder kombinierten Fahrrad-und-Kahn-Touren bieten die Bootskapitäne seit einigen Jahren auch Glühweinfahrten an. „Die stille Natur des Spreewalds ist in den kalten, kahlen Monaten besonders reizvoll. Aber man braucht warme Sachen, am besten Skianzüge”, rät Herzke. Sein Kollege Hagen Conrad startet bis minus zehn Grad zu Kahnfahrten auf der Kleinen Spree, die selten zufriert - mit Wärmflaschen und Decken. Über die zugefrorenen Fließe kann man sich von ihm mit Zweisitzer-Stoßschlitten schieben lassen oder selbst auf Kufen oder einfach nur zu Fuß darauf entlang schlittern.

Als der Fremdenverkehr im Spreewald vor 125 Jahren begann, war die malerische Lagunenlandschaft mit ihren unendlichen Gurkenfeldern ein Kaffeefahrtenziel der Berliner. Noch bis vor wenigen Jahren wurde das Labyrinth aus 970 Kilometer Wasserwegen (250 davon sind befahrbar) fast nur von Tagesausflüglern genutzt - einer Kahnfahrt wegen und nur, wenn es warm war. Inzwischen verbringen viele ihren Urlaub hier und erwarten auch im Winter das volle Programm. „Unsere Gäste sind jünger und aktiver geworden, reisen in Familie oder als Gruppe und bleiben länger”, erklärt Peter Stephan, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Spreewald.

Stylishe Spa-Hotels wie das preisgekrönte „Zur Bleiche” in Burg, kuschlige Ferienwohnungen, viele Campingplätze, vor allem aber das dichte Radwegenetz und Hallenbäder für jeden Geschmack lassen die Besucherzahlen weiter wachsen. Ebenso einen Beitrag dazu leisten der Kletterwald Lübben, neue Museen wie die „Slawenburg Raddusch”, Nachbildung einer tausendjährigen sorbischen Rundfeste, oder der Bischdorfer See, der gleich daneben aus einem ausgekohlten Tagebau entsteht. Saisontermine werden relativ. Man paddelt oder rutscht, fährt Rad oder Ski, schwimmt oder wandert, genießt Natur und Wetter oder Gurkenmasken am Kamin. „Der Spreewald ist jetzt praktisch ganzjährig geöffnet”, sagt Stephan.

Nach anderthalb Stunden winterlicher Kahnfahrt zieht es die rotnasigen Kahnpassagiere ins Warme. In Lübbenau lädt das Spreewelten-Erlebnisbad zum Planschen und Saunieren. Nur wenige Autominuten entfernt, bei Brand nahe der A 13, lockt Europas größte feuchtwarme Kunstlandschaft Tropical Islands.

Ruhige Entspannung bietet in Burg die Spreewald Therme. Ihr mineralstoffreiches Quellwasser lässt in verschiedenen Temperaturen genießen. Man aalt sich und relaxt in Schwimmbecken und Gurkenfässern, Dampfbad oder Saunagarten. Vielseitige Verwendung für die hauseigenen Wellness- und Kosmetikprodukte findet neben der heilenden Sole sowie Kräuter- und Gurkenextrakten neuerdings die Spreewald-Alge Scenedesmus Quadricauda mit entschlackenden, regenerierenden und durchblutungsfördernden Eigenschaften. Im Thermenrestaurant kann man die Wasserpflanze als Grünbeilage zu frischem Fisch probieren.

Service-Informationen

Anreise: Mit dem Auto fährt man von die 642 km von Heidelberg über Nürnberg, Chemnitz, Dresden bis nach Burg/Spreewald in etwa 5 Stunden und 40 Minuten (Benzinkosten laut Michelin-Routenplaner 58,75 Euro. Mit dem ICE von Mannheim nach Berlin-Hauptbahnhof. Von dort mit dem Regional-Express nach Vetschau und weiter mit dem Bus bis Burg. Dauer ab 7 Stunden 44 Minuten, Preis ohne BahnCard 258 Euro.

Übernachtung: Das Hotel „Zur Bleiche” Resort & Spa, von Relax Guide mehrfach zum besten deutschen Wellnesshotel gekürt, bietet Übernachtungen ab 177 Euro pro Person im DZ - inkl. Frühstück, einem 4-Gang-Gourmetmenü im Sterne-Restaurant „17fuffzig” mit Aperitif sowie Nutzung der hauseigenen Landtherme. Kontakt: Bleichestraße 16, 03096 Burg im Spreewald, Telefon: 035603/ 6 20, Telefax: 035603/ 6 02 92, E-Mail: reservierung@hotel-zur-bleiche.com, Internet: www.hotel-zur-bleiche.de

Restaurant: Im Schlossrestaurant Lübben, Ernst-von-Houwald-Damm 14 (am neuen Kahnhafen) in 15907 Lübben isst man in Walnussöl gebratene Jacobsmuscheln mit Baconmantel und Linsengemüse für 21 Euro oder Rinderhüftsteak mit Apfel-Lauch-Gemüse und Meerrettichschaum für 14 Euro - jeweils inklusive Beilage. Telefon 03546/ 40 78, Schlossrestaurant Lübben

Pauschalreise: Ganzjährigbietet der Tourismusverband Spreewald zum Beispiel „Relaxen in der Spreewald Therme Burg” - (ab zwei Personen) mit zwei Übernachtungen in einem Spreewaldhotel, Frühstück, Tageskarte für die Therme, Kahnrundfahrt, einem Abendessen zum Preis ab 139 Euro pro Person im DZ.

Aktivitäten: Da Kahnfahrten in Herbst und Winter vom Wetter abhängen, sollte man sich unbedingt vorher anmelden. Der Preis für eine 1,5- bis zweistündige Fahrt plus Getränke liegt bei ca. zehn Euro. Etwa beim: „Fährverein Flottes Rudel”, Telefon 0171/ 44 18 66 2, nach 17 Uhr auch unter 03546/ 26 26 oder 03546/ 82 69, www.flottes-rudel.de oder bei Hagen´s Insel in Burg, Telefon 03 56 03/ 6 18 39, Mobil 0175/ 2 44 25 26, www.hagens-insel.de

Wellness: Die Spreewald Therme Burg hat täglich von 9 bis 22 Uhr (außer am 24. und 25. Dezember) und jeden ersten Freitag im Monat bis 24 Uhr geöffnet. Tickets für Erwachsen von zwölf Euro für zwei Stunden bis zu 23 Euro für die Tageskarte. Kinder zahlen die Hälfte, Telefon 035603/ 18 85-0, www.spreewald-therme.de

Empfehlenswert sind die Spreewaldpackungen im Spa des Hotels „Zur Bleiche” in Burg, zum Beispiel mit Maisgrieß, Rosmarin, Thymian, Buttermilch, Spreewald-Honig und Zitrone oder mit roter Mineralerde, natürlichem Moor und Leinöl - beide jeweils 50 Minuten für 67 Euro.

Weitere Informationen und Auskünfte beim Tourismusverband Spreewald e. V., Telefon 035433/ 7 22 99



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