Fast unbekleidet bei Temperaturen um −110 °C – und danach hellwach, energiegeladen und überraschend gut gelaunt? Was zunächst nach einer Grenzerfahrung klingt, hat sich in den vergangenen Jahren in spezialisierten Zentren als feste Größe in Prävention, Rehabilitation und Sportmedizin etabliert: die Ganzkörperkältetherapie (GKKT), auch Kryotherapie genannt.
Längst gilt sie nicht mehr nur als klassische Anwendung bei rheumatischen Beschwerden. Leistungssportler, Menschen mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen, Hautproblemen oder hohem Stressniveau nutzen den kontrollierten Kältereiz heute gezielt, um Regenerations- und Anpassungsprozesse im Körper anzustoßen.
Dass Kälte therapeutisch wirksam sein kann, ist keine moderne Entdeckung. Schon in der Antike wurde sie zur Schmerzlinderung eingesetzt. Der Unterschied: Während früher vor allem lokale Anwendungen wie Eisauflagen genutzt wurden, ermöglichen moderne Kältekammern heute einen kurzzeitigen, systemischen Kältereiz, der den gesamten Organismus betrifft.
Für wenige Minuten wird der Körper bewusst aus seiner Komfortzone geholt. Diese kontrollierte Stresssituation aktiviert Regulationsmechanismen, die unter anderem das Herz-Kreislauf-System, das Nervensystem und entzündliche Prozesse beeinflussen.
Die Wirkung der Kryotherapie beruht auf mehreren gleichzeitig ablaufenden physiologischen Mechanismen:
Diese Effekte erklären, warum die Anwendung in verschiedenen medizinischen und präventiven Bereichen eingesetzt wird.
Im Leistungs- und ambitionierten Freizeitsport gehört die Kältekammer für viele Athleten zur Regenerationsroutine. Die extreme Kälte kann das subjektive Schmerzempfinden nach intensiver Belastung senken und die wahrgenommene Erholung verbessern.
Viele Anwender berichten über:
Die Studienlage ist heterogen: Während einige Untersuchungen positive Effekte auf Regeneration und Entzündungsmarker zeigen, finden andere nur moderate oder kurzfristige Wirkungen. Die Kryotherapie gilt daher als unterstützende Maßnahme, nicht als Ersatz für Training, Schlaf und Ernährung.
In der Dermatologie wird die Ganzkörperkältetherapie begleitend eingesetzt, insbesondere bei Neurodermitis und Psoriasis. Die Kälte kann Juckreiz lindern und entzündliche Prozesse abschwächen, was von vielen Betroffenen als spürbare Erleichterung empfunden wird.
Darüber hinaus gibt es Hinweise, dass regelmäßige Kältereize die Hautdurchblutung und zelluläre Reparaturmechanismen stimulieren. Anwender berichten häufig über ein frischeres, gleichmäßigeres Hautbild. Wissenschaftlich gesicherte Aussagen zur dauerhaften Kollagenneubildung liegen jedoch bislang nur eingeschränkt vor.
Ein häufig beschriebener Effekt nach der Kältekammer ist ein Gefühl von Klarheit, Wachheit und guter Stimmung. Dies wird unter anderem mit der Ausschüttung von Endorphinen und Dopamin in Verbindung gebracht.
Die Kryotherapie wird daher in einigen Einrichtungen begleitend eingesetzt bei:
Sie ersetzt keine psychotherapeutische oder psychiatrische Behandlung, kann aber helfen, das vegetative Nervensystem zu regulieren und Erholungsphasen zu unterstützen.
Ihr klassisches Einsatzgebiet behält die Ganzkörperkältetherapie in der Schmerztherapie. Bei rheumatischen Erkrankungen, Fibromyalgie oder chronischen Rückenschmerzen kann die Kälte die Schmerzweiterleitung dämpfen und entzündliche Prozesse beeinflussen.
Viele Patienten berichten über:
In Einzelfällen kann dies – unter ärztlicher Begleitung – eine Reduktion der Schmerzmedikation ermöglichen.
Die Anwendung dauert nur wenige Minuten und wird von den meisten Menschen gut toleriert. Da die Luft in der Kammer sehr trocken ist, fehlt das schmerzhafte Eiswassergefühl.
Vorbereitung: Badebekleidung, trockene Socken, feste Schuhe, Handschuhe sowie Ohrschutz. Die Haut muss vollständig trocken sein.
Anwendung: Über kurze Temperaturschleusen gelangt man in die Hauptkammer mit −110 °C bis −120 °C. Dort bleibt man zwei bis vier Minuten in leichter Bewegung.
Nachwirkung: Nach dem Verlassen kommt es zu einer deutlichen Hautdurchblutung. Viele empfinden Wärme, mentale Wachheit und ein gesteigertes Wohlbefinden.
Die Ganzkörperkältetherapie gilt bei korrekter Anwendung als sicher, stellt jedoch einen intensiven Reiz dar.
Nicht geeignet ist sie unter anderem bei:
Auch während der Schwangerschaft oder bei neurologischen Sensibilitätsstörungen sollte vorab ärztlicher Rat eingeholt werden.
Je nach Zielsetzung werden meist 5 bis 10 Anwendungen empfohlen, häufig zwei- bis dreimal pro Woche. Im Sportbereich werden teilweise auch kürzere Serien eingesetzt. Langfristige Effekte hängen stark von individueller Ausgangslage, Trainingszustand und Begleitfaktoren ab.
Die Kosten liegen in der Regel zwischen 25 und 50 Euro pro Sitzung. Private Krankenversicherungen übernehmen die Therapie bei medizinischer Indikation häufig. Gesetzliche Krankenkassen entscheiden im Einzelfall, bezuschussen jedoch zunehmend präventive Angebote oder kombinierte Versorgungskonzepte.
Die wissenschaftliche Datenlage zur Kryotherapie ist wachsend, aber nicht einheitlich. Während positive Effekte bei Schmerzreduktion, subjektiver Erholung und bestimmten Entzündungsparametern beschrieben werden, sind Langzeiteffekte und optimale Anwendungsprotokolle noch Gegenstand der Forschung.
Was bringt eine Ganzkörperkältetherapie wirklich?
Sie kann Schmerzen lindern, die Regeneration unterstützen und das subjektive Wohlbefinden verbessern. Die Wirkung ist individuell unterschiedlich.
Ist die Kältekammer gefährlich?
Bei Beachtung der Kontraindikationen und fachlicher Betreuung gilt sie als sicher.
Wie schnell tritt eine Wirkung ein?
Viele Anwender berichten bereits nach der ersten Anwendung über Effekte, andere erst nach mehreren Sitzungen.
Hilft Kryotherapie beim Abnehmen?
Es gibt Hinweise auf eine kurzfristige Aktivierung des Stoffwechsels, sie ersetzt jedoch keine Ernährungs- oder Bewegungstherapie.
Die Ganzkörperkältetherapie ist kein Wundermittel, aber ein wirkungsvoller physiologischer Reiz. Richtig eingesetzt, kann sie Regeneration fördern, Schmerzen lindern und das körperliche wie mentale Wohlbefinden unterstützen. Ihr Nutzen liegt vor allem in der kurzen Anwendungsdauer und der breiten, systemischen Wirkung.
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