Vergessen Sie den dritten Espresso. Wer nachmittags wirklich leistungsfähig bleiben will, sollte sich hinlegen. Eine aktuelle Studie aus Freiburg und Genf belegt nun: Ein gezielter Mittagsschlaf wirkt wie ein „mentaler Frühjahrsputz“ für unsere Nervenzellen. Er macht das Gehirn nicht nur wach, sondern erst wieder richtig aufnahmefähig.
Das berüchtigte „Suppenkoma“ gegen 14 Uhr ist kein Zeichen von Faulheit, sondern ein biologisches Signal. Während wir bisher dachten, ein Nickerchen diene lediglich der Erholung, zeigen neueste Daten des Universitätsklinikums Freiburg und der Universität Genf (veröffentlicht am 22. Januar 2026 in NeuroImage), dass der Effekt viel tiefer geht. Es geht um die Hardware unseres Denkorgans: die Synapsen.
Den ganzen Vormittag über verarbeitet unser Gehirn Informationen. Dabei werden die Verbindungen zwischen den Nervenzellen, die Synapsen, immer stärker und „größer“. Das Problem: Dieser Prozess verbraucht Energie und Platz. Irgendwann ist die Kapazitätsgrenze erreicht – wir fühlen uns geistig gesättigt, die Konzentration sinkt gegen null.
Hier greift der Mittagsschlaf als biologischer Mechanismus ein. Die Forscher konnten zeigen, dass bereits eine Schlafphase von rund 45 Minuten ausreicht, um die synaptische Aktivität wieder auf ein gesundes Maß zu regulieren. Dieser „synaptische Reset“ löscht keine gelernten Inhalte, sondern schafft den nötigen Raum, um nach dem Aufwachen neue Informationen effizient speichern zu können.
Das Team um die renommierten Schlafforscher Prof. Dr. Christoph Nissen und Prof. Dr. Dr. Kai Spiegelhalder untersuchte 20 Probanden unter streng kontrollierten Bedingungen. Mittels Elektroenzephalografie (EEG) und transkranieller Magnetstimulation (TMS) wurde die Plastizität des Gehirns gemessen – also die Fähigkeit, sich durch neue Reize zu verändern.
Das Ergebnis ist eindeutig:
„Schon ein kurzer Schlaf versetzt das Gehirn in einen Zustand, in dem es wieder besser lernen und Informationen aufnehmen kann“, erklärt Prof. Nissen. Es ist, als würde man den Arbeitsspeicher eines Computers leeren, ohne die Festplatte zu löschen.
Damit der Mittagsschlaf nicht in bleierner Müdigkeit endet, kommt es auf das Timing an.
Trotz der euphorischen Studienergebnisse warnen Experten davor, den Mittagsschlaf als Allheilmittel bei chronischen Schlafstörungen zu missbrauchen. Wer nachts unter Insomnie leidet, läuft Gefahr, durch den Tagesschlaf den nötigen „Schlafdruck“ für die Nacht abzubauen.
In solchen Fällen ist die Kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I) der Goldstandard. Sie setzt an den Ursachen der Schlafstörung an, statt nur die Symptome zu überdecken.
Fazit der Redaktion: Der Mittagsschlaf ist keine Zeitverschwendung, sondern ein hocheffizientes Tool zur Selbstoptimierung. Wer seine Lernfähigkeit und Kreativität am Nachmittag verdoppeln will, sollte den Mut zur Pause haben.
Powernap
Gehirn
Schlafstörung
Lernen
Autismus - bringen Spiegelneurone Licht ins Dunkel?
Wie Schlaf das kreative Denken beflügelt: Die unterschätzte Kraft der N2-Schlafphase
Steigert Neuroenhancement die geistige Leistungsfähigkeit?
Stress, Schlaf & Schmerzen: Wie CBD das Leben positiv beeinflussen kann
Das Altern aufhalten – und gestalten