Warum tränende Augen oft ein Hilferuf bei Trockenheit sind und wie Sie wieder für Durchblick sorgen.
Wenn die Augen ohne emotionalen Grund ständig „überlaufen“, ist das für Betroffene nicht nur ein kosmetisches Problem. Es schränkt die Sicht ein, stört bei der Arbeit am Monitor und kann die empfindliche Haut rund um die Lider reizen. Doch was steckt hinter diesem Phänomen? Oft ist die Ursache genau das Gegenteil von dem, was man vermutet.
Es klingt widersprüchlich, ist aber die häufigste Ursache: Ein gestörter Tränenfilm. Wenn die Augenoberfläche nicht ausreichend mit Feuchtigkeit versorgt wird – etwa weil die Qualität der Tränenflüssigkeit nicht stimmt oder die Fettschicht fehlt – entsteht eine Reizung. Das Auge reagiert darauf mit einem Schutzreflex und produziert massenhaft wässrige Tränen. Da diese jedoch nicht am Auge haften bleiben, fließen sie einfach ab, ohne die Trockenheit zu lindern.
In solchen Fällen helfen befeuchtende Augentropfen, die den natürlichen Tränenfilm stabilisieren und so den Teufelskreis aus Trockenheit und Reflextränen durchbrechen 1.
Unsere Augen sind im Alltag hohen Belastungen ausgesetzt. Trockene Heizungsluft, Zugluft von Klimaanlagen oder der beißende Rauch von Zigaretten reizen die Bindehaut. Ein wesentlicher Faktor ist zudem der „Büro-Blick“: Wer stundenlang auf Bildschirme starrt, blinzelt deutlich seltener. Die Folge ist eine mangelhafte Benetzung der Hornhaut, die das Auge durch verstärktes Tränen auszugleichen versucht.
Ob Pollenflug im Frühjahr, Hausstaub oder Tierhaare – Allergien führen oft zu einer überempfindlichen Reaktion der Schleimhäute. Neben Juckreiz und Rötungen ist ein starker Tränenfluss typisch, da der Körper versucht, die Allergene mechanisch auszuspülen 2.
Eine klassische Bindehautentzündung (Konjunktivitis) durch Bakterien oder Viren ist meist an stark geröteten Augen und morgendlich verklebten Lidern erkennbar. Aber auch chronische Lidrandentzündungen (Blepharitis) sind oft verantwortlich. Hierbei sind die Drüsen verstopft, die für den öligen Anteil des Tränenfilms zuständig sind, was die Tränen „unsauber“ ablaufen lässt 3.
Die Tränenflüssigkeit wird normalerweise über kleine Kanäle in Richtung Nase abgeleitet. Sind diese Abflusswege verengt oder durch eine Entzündung verstopft, staut sich die Flüssigkeit wie bei einem verstopften Abflussrohr und tritt über den Lidrand 4.
Mit den Jahren verliert das Gewebe am Auge an Spannkraft. Wenn das Unterlid nach außen (Ektropium) oder innen (Entropium) kippt, ist der natürliche Abfluss gestört. Die Tränen können nicht mehr korrekt abgeleitet werden und laufen stattdessen über das Gesicht 2.
Unterschätzt wird oft der Einfluss der Ernährung. Vitamin A ist maßgeblich für die Gesundheit der Augenoberfläche verantwortlich. Ein Mangel kann zu einer Verhornung der Zellen führen, was die Stabilität des Tränenfilms massiv beeinträchtigt 5.
Oft lassen sich die Beschwerden durch kleine Anpassungen lindern:
Tränende Augen sind meist harmlos, können aber auch auf ernsthaftere Probleme hinweisen. Eine fachärztliche Abklärung ist ratsam, wenn 6:
Der Augenarzt kann mittels spezieller Tests (wie dem Schirmer-Test zur Messung der Tränenmenge) die genaue Ursache bestimmen und feststellen, ob medikamentöse Tropfen oder bei strukturellen Problemen eventuell ein kleiner operativer Eingriff nötig sind 2.
„Tränende Augen“: KSW Kantonsspital Winterthur ↩ ↩
„Tränende Augen: Symptome, Ursachen & Behandlung“. Artemiskliniken.de ↩ ↩ ↩
„Diagnostik von Binde- und Hornhauterkrankungen“. Thieme: Klin Monbl Augenheilkd 2014 ↩
„Universitätsklinikum Würzburg: Augenklinik: Tränenwege“. Universitätsklinikum Würzburg ↩
„Tränende Augen“. MSD Manual Ausgabe für Patienten ↩
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