Was hast Du denn mit Deinem Schienbein gemacht? Hingefallen? Unfall? Weder noch - sondern: nur angestoßen! Ah, Du nimmst Blutverdünner? NEIN! Ja dann, was ist das denn dann? Diese Frage stellte ich mir vor etwa zwei Jahren auch. Was, um alles in der Welt, hab ich denn da? Ich hatte mich nur leicht angestoßen, also eine Ursache, über die man normalerweise hinwegsieht. Aber jetzt! Ein riesiger blauer Fleck vom unteren bis zur Mitte des Schienbeins verunstaltete mein Bein. Dunkelrot gefärbt, aber nicht mit irgendwelchen Schmerzen verbunden.
Natürlich war mein erster, wieder klarer Gedanke, das hat was mit den blutdrucksenkenden Tabletten zu tun! Ich rief meinen Kardiologen an. Nein, eigentlich lösen jene Tabletten, die ich einnehme, so was nicht aus. Aber ja, ich soll es mal vorsichtshalber beim Hämatologen abklären lassen. Als ich diesen aufsuchte, war der große Bluterguss zwar etwas weniger intensiv, aber keineswegs nicht mehr vorhanden. Die Aufklärung durch den Arzt war so nüchtern, wie enttäuschend. Es handle sich um eine “senile purpura”, also eine altersbedingte Rötung, die vor allem jene betrifft, die an einem schwachen Bindegewebe leiden. Aha! Und - was kann man dagegen tun? Nichts, lautete die lapidare Antwort. Aufpassen, wenig anstoßen und ggf. die Extremitäten (also Arme und Beine) gegen Stöße absichern.
Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt. Einmal nur leicht anstoßen und schon breitet sich ein prachtvoller Bluterguss an Unterarmen oder Schienbeinen aus. Natürlich heilen diese wieder ab, allerdings mit zunehmendem Alter immer langsamer (das ist meine persönliche Erfahrung). Was jedoch bleibt ist eine braune Verfärbung der Haut. Und die ist äußerst unschön, vor allem im Sommer, wo man gerne in kurzen Hosen oder Kleidern durch den Tag läuft.
Also habe ich angefangen über diese Lästigkeit, die weder wehtut noch gefährlich, aber halt sehr unschön ist, nachzuforschen. Denn alle befragten Ärzten zuckten bedauernd mit den Schultern. Nein, man hätte kein Mittel dagegen - außer Heparin. Aber das nimmt die Braunfärbung nicht weg! Laut Google handelt es sich bei dieser Braunfärbung um Hämosiderin ist ein unlöslicher, eisenhaltiger Proteinkomplex, den der Körper als langfristige Eisenspeicherform nutzt.
Ein kleiner Bluterguss gehört nach einer Injektion, einer Blutabnahme oder einem ästhetischen Eingriff fast schon zum Alltag. Normalerweise verändert sich seine Farbe von Rot über Blau und Grün bis Gelb und verschwindet schließlich wieder. Doch manchmal bleibt eine bräunliche Verfärbung zurück. Die Ursache dafür ist Hämosiderin – ein eisenhaltiges Abbauprodukt des Blutfarbstoffs Hämoglobin. Es entsteht ‘vermehrt nach Gewebeblutungen, wenn Makrophagen alte rote Blutkörperchen abbauen’. Besonders nach ästhetischen und medizinischen Eingriffen kann das zum kosmetischen Problem werden, bei denen Blut ins Gewebe austritt. Ferner ist einleuchtend und auch wissenschaftlich nachvollziehbar, dass sich bei der Rückbildung eines Hämatoms Eisen im Gewebe anreichert. Wie experimentelle Untersuchungen gezeigt haben, steigt die Menge extrahierbaren Eisens in Hämatomen mit zunehmender Zeit deutlich an. Auch pathologische Untersuchungen konnten Eisenablagerungen im Zusammenhang mit Hämatomen nachweisen.
Das erklärt, warum ein Bluterguss nicht immer nur ein vorübergehendes Farbproblem bleibt: Ein Teil der Verfärbung kann auch auf Eisenablagerungen zurückgehen.
Genau hier setzt ein ungewöhnlicher Ansatz an: ein chelatbildendes Hydrogel, das Eisenionen binden soll.
Und tatsächlich gibt es auch ein Produkt dazu. Es nennt sich hier FERKELAN und wird in Italien von der Marke BioNike wird als chelatbildendes Hydrogel angeboten und kann, vereinfacht gesagt bestimmte Metallionen binden. Es soll Eisenionen komplexieren und damit die Grundlage für eisenbedingte Verfärbungen beeinflussen.
Laut Angaben des Herstellers enthält die Formulierung unter anderem Chelatoren, Antioxidantien und Penetrationsverstärker. Die gebundenen Eisenionen sollen dabei einen stabilen, farblosen Komplex bilden.
Das Prinzip klingt zunächst ungewöhnlich – ist biologisch aber nicht völlig aus der Luft gegriffen.
Für FERKELAN werden mehrere Anwendungsuntersuchungen erwähnt, wie nach ästhetischen Behandlungen mit injizierter niedermolekularer Hyaluronsäure sowie nach Sklerotherapie. Darüber hinaus wird das Hydrogel auch für die Nachsorge unter anderem nach Laserbehandlungen, Fillern, chemischen Peelings, nadelbedingten Verletzungen, Operationen und Blepharoplastik beschrieben.
Eine unabhängige randomisierte klinische Studie, die eine eindeutige Wirksamkeit von FERKELAN bei Hämatomen oder Hämosiderin-Hyperpigmentierungen belegt, liegt, nach meiner Erkenntnis, bisher NICHT vor.
Ein wichtiger Unterschied wird bei der Anwendung häufig übersehen: Ein frischer Bluterguss und eine bereits bestehende Hämosiderin-Pigmentierung sind nicht dasselbe.
Ein frisches Hämatom befindet sich noch im Prozess der Rückbildung. Bei einer länger bestehenden bräunlichen Verfärbung können dagegen bereits Eisenablagerungen im Gewebe vorhanden sein.
Untersuchungen zur Entwicklung von Hämatomen zeigen, dass sich Hämosiderin im Verlauf der Abheilung nachweisen lässt. In experimentellen MRT-Untersuchungen traten charakteristische Veränderungen im Zusammenhang mit Hämosiderin bereits im Verlauf der ersten Tage auf.
Das macht auch den Zeitpunkt einer möglichen Behandlung interessant: Die vom Anbieter beschriebene Anwendung von FERKELAN beginnt teilweise unmittelbar nach dem Eingriff, also bevor sich eine länger anhaltende Pigmentierung entwickelt hat.
Interessant für mich waren daher die im Netz auffindbaren und seriös erscheinenden Erfahrungen von Menschen, die das Gel tatsächlich verwendet haben. Allerdings, und das kann nicht oft genug betont werden, sind diese ‘persönlichen Bewertungen’ keinesfalls nicht mit wissenschaftlichen Studien gleichzusetzen.
Meine persönliche Erfahrung, nach nunmehr drei Wochen Anwendung: Ja, die Braunfärbung nimmt ab, verschwindet aber keinesfalls ganz! Das Bild ist damit gemischt: Es gibt überzeugte Anwender, aber auch Menschen, bei denen der gewünschte Effekt offenbar ausblieb.
Ferkelan sollte lt. Herstellerempfehlung mehrmals täglich über mehrere Wochen hinweg angewendet werden. Und damit dürfte sich der ein oder andere Anwender schwertun - liegt doch der Preis für eine 15 ml! Tube zwischen € 40 - 50.–!
Besonders relevant erscheint mir das Produkt für all jene Menschen, die nach medizinisch-ästhetischen Eingriffen immer wieder sehr ausgeprägte Blutergüsse entwickeln oder bei denen sich Blutergüsse anschließend auffällig lange verfärben.
Dazu können beispielsweise gehören:
Erhältlich ist es u. a. über diesen Link bzw. über Apotheken-Discounter oder Amazon.
| Merkmal | Information |
|---|---|
| Produkt | FERKELAN Chelatbildendes Hydrogel |
| Inhalt | 15 ml |
| Hersteller/Vertrieb Deutschland | Kosmetik vom Waßerfall GmbH |
| PZN | 12575757 |
| Ansatz | Bindung von Eisenionen |
| Einsatzgebiet | Hämatome und eisenbedingte Hautverfärbungen |
| Beschriebene Anwendungen | u. a. nach Injektionen, Fillern, Operationen und Sklerotherapie |
| Produktstatus | Medizinprodukt Klasse I |
| Evidenz | Kleinere Anwendungsdaten; keine große unabhängige klinische Evidenz gefunden |
| Anwenderberichte | Überwiegend positiv, aber auch negative Erfahrungen |
Ein chelatbildendes Hydrogel ist ein durchaus interessanter Ansatz, aber auch keine Wunderwaffe.
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