„„Eine weitere Erhebung verweist auf die intensivbelastete psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Trotz dieser alarmierenden Befunde fehlen bislang ausreichende politische Maßnahmen, um die Situation nachhaltig zu verbessern“, erklären Dr. Christina Jochim und Dr. Enno Maaß, die an der Spitze der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPtV) stehen. Sie beziehen sich auf die im Juni 2026 publizierten Daten des Deutschen Schulbarometers der Robert Bosch Stiftung. „Nach der Corona-Pandemie nehmen die psychischen Belastungen von Schülerinnen wieder zu. 2025 geben bereits 25 % (2024: 21 %) der befragten Schülerinnen an, dass sie psychisch belastet seien. Auch die Lehrkräfte erleben psychische Probleme und Belastungen der Schüler*innen als herausfordernd für ihren Berufsalltag. Mit Blick auf die Schulbildung als Basis für eine erfolgreiche spätere Berufstätigkeit und gesellschaftliche Teilhabe hat dieser Befund neben der individuellen auch eine gesellschaftliche Relevanz.“
Minderjährige mit psychischen Beschwerden sehen sich oftmals mit monatelangen Wartezeiten konfrontiert, bevor ein freier Platz in einer Psychotherapie gefunden ist. „Gerade in den vergangenen Jahren nach der Pandemie hat sich diese Notlage zusehends zugespitzt“, führt Dr. Christina Jochim aus. „Gleichzeitig agieren andere Hilfsnetzwerke für betroffene Heranwachsende, wie etwa die soziale Arbeit an Schulen oder die Angebote der Jugendhilfe, an ihren Belastungsgrenzen.“ Weil die psychotherapeutische Betreuung zukünftig noch stärker strapaziert werden dürfte, verlangen wir im Rahmen des derzeit diskutierten GKV-Beitragsstabilisierungsgesetzes eine eindeutige Festlegung auf eine extrabudgetäre Honorierung. Andernfalls drohen gravierende Kürzungen, die das vorhandene Betreuungsangebot massiv beschneiden würden.
„Die Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag zwei für die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen wichtige Vorhaben beschlossen: die ‚Strategie mentale Gesundheit‘ und eine Reform der Bedarfsplanung für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut:innen“, unterstreicht Dr. Enno Maaß. Auf diese Weise ließe sich eine wohnortnahe, bedarfsorientierte und somit der Alltagswirklichkeit der jungen Generation entsprechende Versorgung realisieren. „Jetzt messen wir die Bundesregierung daran, ob sie den Plänen auch Taten folgen lässt.“