Der Nil-Dampfer Karnak dürfte einer großen Schar Lesern bestens bekannt sein. Spielt sich doch auf ihm ein rätselhafter Mord ab bei dem jede Menge glamouröser Passagiere in Verdacht geraten. Natürlich entschlüsselt Agatha Christie’s Held Hercule Poirot letztlich den Fall und endlich kann die Sonne wieder friedlich und rot glühend als Feuerball am westlichen Ufer des Nils hinter den Palmen versinken. Zweifellos haben sicherlich viele Passagiere dieses Szenario auch im Kopf, wenn sie sich auf eine Nil-Kreuzfahrt begeben. Doch auch ohne Mord bietet sich dem beschaulich am Schiff dahingleitenden Reisenden eine der ältesten Kulturlandschaften der Welt. Wer eine Flusskreuzfahrt auf dem Nil zwischen Luxor und Assuan bucht, begibt sich keineswegs auf eine gewöhnliche Urlaubsreise, sondern auf eine Zeitreise. Wo noch bietet sich auf etwa 200 Kilometern ein Weltwunder am anderen? Und das alles, bei dem der Nil, diese Lebensader Ägyptens, die perfekte Kulisse dazu abgibt?
Die klassische einer Nil-Kreuzfahrt führt stromauf- oder abwärts von Luxor nach Assuan bzw. in umgekehrter Richtung. In Luxor, dem antiken Theben, tauchen wir ein in die Jahrtausende alte Geschichte Ägyptens. Vom Sonnendecks aus genießt man die gigantischen Säulenreihen der Tempel und am Westufer erwartet die Reisenden das geheimnisvolle Tal der Könige. Noch immer vermutet man zahlreiche unentdeckte, tief in die Felsen gehauene Gräber der Pharaonen. Und natürlich ist der Besuch des weltberühmten Grabmals des jungen Pharaos Tutanchamun ein Muss.
Die Weiterfahrt vorbei an oft saftig grünen Feldern, auf denen Bauern wie vor tausend Jahren ihre Felder bestellen, dient nicht nur der Entschleunigung, sondern auch der Verinnerlichung all der gesehenen Schätze.
Die nächsten Stationen lassen uns staunen vor dem Doppeltempel von Kom Ombo, geweiht dem Krokodilgott Sobek und dem Falkengott Haroeris oder dem gut erhaltene Horus-Tempel von Edfu.
Je näher wir Assuan kommen, desto mystischer wird der Charakter der Landschaft. Plötzlich ragen riesige, rund geschliffene Granitfelsen aus dem Wasser, bunte Feluken segeln im Nil, und der Philae-Tempel liegt verzauberte inmitten der Insel Agilkia im Fluss.
Einer der Höhepunkt jeder Nil-Kreuzfahrt ist stets der Ausflug nach Abu Simbel, einem der beeindruckendsten Monumente Ägyptens. Vor über 3.000 Jahren von Pharao Ramses II. erbaut wurde dieses Monument mit seinen vier kolossalen Statuen direkt in die Felsen gehauen. Jeweils über 20 Meter hoch zeigen die farbenfrohen Reliefs Ramses’ Siege und seine Hingabe an die Götter zeigen. Wer es einrichten kann, sollte im Februar oder Oktober den Nil bereisen. Denn am 22. Februar und am 22. Oktober scheint die Sonne direkt in die innere Kammer von Abu Simbel und beleuchtet die Statuen von Ramses II. und den Göttern Ra-Horakhty und Amun, während die Statue von Ptah, dem Gott der Dunkelheit, im Schatten bleibt. Diese perfekte Sonnenausrichtung findet an jenem Tag statt, von dem man annimmt, dass er vermutlich der Geburtstag bzw. der Krönungstag von Ramses II. war. Mehr Geschichte geht wirklich nicht!
Das Angebot an Nil-Kreuzfahrten ist vielfältig und reicht von günstigen Pauschalreisen bis hin zu exklusiven Luxusliner-Erlebnissen:
Die ideale Reisezeit erstreckt sich von November bis März, wenn die Temperaturen in Oberägypten angenehm zwischen 20 und 26 Grad liegen. In den Sommermonaten kann das Thermometer weit über 40 Grad klettern, was Besichtigungen am späten Vormittag vor allem für ältere Menschen extrem beschwerlich macht.
Ausflugspaket am besten direkt im Voraus buchen, um lange Wartezeiten an den Kassen zu vermeiden. Immer dabei sein sollten ein Hut, kühle Kleidung aus Naturfasern und ein gutes Sonnenschutzmittel und eine Flasche Mineralwasser. Ganz wichtig: Zeigen Sie Respekt vor der lokalen Kultur bei Besuchen außerhalb der Anlage.
Für die allermeisten Menschen wird eine Nil-Kreuzfahrt ein unvergleichliches Erlebnis bleiben. Hier verbinden sich verbindet auf dem Wasser mit den spektakulärsten Zeugnissen der Menschheitsgeschichte.