Pickel auf der Stirn, glänzende Nase und trotzdem trockene Wangen? Wer zu unreiner Haut neigt, kennt solche Widersprüche nur zu gut. Da erscheint es zunächst wenig sinnvoll, auch noch zur Feuchtigkeitscreme zu greifen. Schließlich soll die Haut nicht noch mehr glänzen. Doch ausgerechnet der Verzicht auf Pflege kann die Sache unangenehmer machen.
Es klingt schon ein wenig widersprüchlich: Die Haut glänzt, einzelne Stellen schuppen und nach dem Waschen spannt das Gesicht. Tatsächlich ist das gar nicht so selten. Denn Hautfett und Hautfeuchtigkeit sind zwei verschiedene Dinge.
Unsere Talgdrüsen produzieren Fett, das die Haut geschmeidig hält. Der Wassergehalt der oberen Hautschichten hängt dagegen unter anderem davon ab, wie gut die Haut Feuchtigkeit speichern kann. Deshalb kann selbst eine ausgesprochen fettige Haut gleichzeitig feuchtigkeitsarm sein.
Hinzu kommt, dass viele Menschen mit Pickeln ihre Haut besonders gründlich reinigen möchten. Schließlich sollen Fett und Unreinheiten verschwinden. Wird dabei allerdings zu kräftig geschrubbt oder mit aggressiven Produkten gewaschen, kann die Haut gereizt werden.
Das Ergebnis ist häufig wenig erfreulich: Das Gesicht glänzt weiterhin, fühlt sich aber gleichzeitig trocken und unangenehm gespannt an.
Dass Pickel allein durch mangelnde Reinigung entstehen, gehört zu den hartnäckigsten Irrtümern der Hautpflege.
Bei Akne spielen mehrere Vorgänge zusammen. Die Talgdrüsen produzieren vermehrt Hautfett, abgestorbene Hornzellen können die Ausgänge der Haarfollikel verstopfen und das Hautbakterium Cutibacterium acnes ist an entzündlichen Prozessen beteiligt. Auch hormonelle Einflüsse spielen eine wichtige Rolle.
So entstehen Mitesser, entzündete Pickel und manchmal tief liegende, schmerzhafte Knoten.
Eine Feuchtigkeitscreme kann diese Ursachen nicht einfach beseitigen. Sie kann allerdings helfen, trockene oder gereizte Haut zu beruhigen und die Verträglichkeit einer Aknebehandlung zu verbessern.
Vor allem bei Produkten mit Benzoylperoxid oder Retinoiden ist das wichtig. Beide können wirksam gegen Akne sein, aber auch Trockenheit, Schuppung und Brennen verursachen.
Die Auswahl im Kosmetikregal ist riesig. Feuchtigkeitsgel, mattierende Tagescreme, ölfreie Lotion oder besonders leichte Pflege – alles soll möglichst schnell einziehen und auf keinen Fall neue Pickel verursachen.
Doch die perfekte Creme für alle gibt es nicht.
Bei stark fettender Haut sind leichte, gut verträgliche Lotionen oder Gele häufig angenehm. Sie versorgen die Haut mit Feuchtigkeit, ohne einen schweren Fettfilm zu hinterlassen.
Wer dagegen gleichzeitig trockene, schuppige Stellen hat, benötigt möglicherweise eine etwas reichhaltigere Formulierung. Entscheidend ist nicht allein, wie viel Fett eine Creme enthält, sondern welche Inhaltsstoffe verwendet werden und wie die Haut darauf reagiert.
Hilfreich ist die Kennzeichnung „nicht komedogen“. Solche Produkte sind darauf ausgelegt, die Entstehung verstopfter Poren möglichst wenig zu begünstigen. Eine Garantie, dass sie bei niemandem Unreinheiten verursachen, ist das allerdings nicht.
Auch parfumfreie Produkte können sinnvoll sein, besonders wenn die Haut bereits durch Aknewirkstoffe gereizt ist.
Manche Inhaltsstoffe haben sich in der Hautpflege seit Langem bewährt. Andere werden mit großen Versprechen beworben, obwohl die wissenschaftliche Datenlage noch recht dünn ist.
Glycerin gehört zu den klassischen Feuchthaltemitteln. Es bindet Wasser in der Hornschicht und hilft, die Haut geschmeidig zu halten.
Hyaluronsäure kann ebenfalls Feuchtigkeit binden. In leichten Gelen oder Seren wird sie deshalb gerne eingesetzt, ohne die Haut besonders fettig erscheinen zu lassen.
Ceramide sind natürliche Bestandteile unserer Hautbarriere. Pflegeprodukte mit Ceramiden können helfen, den Verlust von Feuchtigkeit zu begrenzen. Das ist besonders interessant, wenn die Haut durch eine Aknebehandlung trocken geworden ist.
Niacinamid, eine Form von Vitamin B3, wird häufig in Produkten für unreine Haut verwendet. Es kann die Hautbarriere unterstützen und besitzt entzündungsmodulierende Eigenschaften. Wie stark es tatsächlich gegen Akne wirkt, hängt jedoch von der jeweiligen Formulierung ab.
Keiner dieser Stoffe muss in besonders hoher Konzentration enthalten sein. Auch hier gilt: Mehr ist nicht automatisch besser.
Wie unsere Hautbarriere funktioniert und warum sie manchmal aus dem Gleichgewicht gerät, erklären wir in einem eigenen Beitrag.
Salicylsäure, Benzoylperoxid und Retinoide stehen auf vielen Packungen, die schnelle Hilfe gegen Pickel versprechen. Doch zwischen einer einfachen Feuchtigkeitscreme und einer medizinischen Aknebehandlung besteht ein wichtiger Unterschied.
Salicylsäure kann helfen, verhornte Poren zu öffnen und Mitesser zu vermindern. In zu hoher Konzentration oder bei häufiger Anwendung kann sie die Haut allerdings reizen.
Benzoylperoxid wirkt gegen an Akne beteiligte Bakterien und wird bei bestimmten Akneformen eingesetzt. Trockenheit, Rötungen und Schuppung gehören zu den möglichen Nebenwirkungen. Außerdem kann der Wirkstoff Textilien bleichen.
Retinoide wie Adapalen beeinflussen die Verhornung der Haarfollikel und gehören zu den bewährten Aknewirkstoffen. Gerade zu Beginn der Behandlung reagiert die Haut jedoch häufig empfindlich. In der Schwangerschaft dürfen bestimmte Retinoide nicht angewendet werden.
Wer mehrere solcher Produkte gleichzeitig verwendet, riskiert unnötige Reizungen. Eine zusätzliche milde Feuchtigkeitspflege kann helfen, die Behandlung besser zu vertragen.
Welche medizinischen Maßnahmen bei Akne sinnvoll sind, beschreiben die evidenzbasierten NICE-Empfehlungen zur Aknebehandlung.
Es ist ein verbreiteter Reflex: Kaum zeigt sich ein neuer Pickel, wird häufiger gewaschen. Vielleicht hilft ja ein besonders starkes Reinigungsgel?
Meist ist das keine gute Idee.
Unreine Haut sollte regelmäßig, aber schonend gereinigt werden. Ein mildes, leicht saures oder hautfreundliches Reinigungsprodukt genügt in der Regel. Make-up und Sonnenschutz gehören abends selbstverständlich entfernt.
Auf kräftiges Rubbeln, harte Bürsten und ständig wechselnde Reinigungsprodukte kann man dagegen gut verzichten. Sie beseitigen weder hormonelle Ursachen noch verhindern sie zuverlässig neue Pickel.
Nach dem Waschen wird die Haut vorsichtig trocken getupft. Anschließend kann eine passende Feuchtigkeitscreme aufgetragen werden.
Und wenn die Haut bereits brennt oder stark schuppt, darf die Pflegeroutine ruhig besonders schlicht ausfallen.
Schokolade macht Pickel, viel Wasser sorgt für reine Haut und Sonne trocknet Unreinheiten aus – an solchen Ratschlägen mangelt es nicht.
Die Zusammenhänge sind allerdings komplizierter.
Bei manchen Menschen können bestimmte Ernährungsgewohnheiten eine Rolle spielen. Untersucht werden unter anderem Lebensmittel mit hoher glykämischer Last und bestimmte Milchprodukte. Eine allgemeingültige Akne-Diät gibt es jedoch nicht.
Auch psychischer Stress kann Akne beeinflussen. Er ist aber selten die alleinige Ursache.
Sonne wiederum ist keine geeignete Aknebehandlung. UV-Strahlung schädigt die Haut langfristig, und manche Aknewirkstoffe erhöhen ihre Empfindlichkeit gegenüber Sonnenlicht.
Ein gut verträgliches, nicht komedogenes Sonnenschutzmittel gehört deshalb gerade bei einer Aknebehandlung zur täglichen Pflege, wenn eine entsprechende UV-Belastung besteht.
Einzelne Pickel gehören für viele Menschen zum Alltag. Wenn sich jedoch immer wieder entzündete Pusteln, schmerzhafte Knoten oder erste Narben bilden, sollte die Haut ärztlich untersucht werden.
Das gilt auch, wenn frei erhältliche Produkte über längere Zeit keine Besserung bringen oder die Haut durch verschiedene Behandlungsversuche zunehmend gereizt wird.
Akne lässt sich heute meist gut behandeln. Je nach Ausprägung kommen äußerlich angewendete Wirkstoffe, Kombinationstherapien und bei schwereren Verläufen auch Medikamente zum Einnehmen infrage.
Wer rechtzeitig handelt, kann das Risiko bleibender Narben verringern.
Die Vorstellung, Pickel müssten möglichst gründlich ausgetrocknet werden, hält sich hartnäckig. Dabei profitiert auch unreine Haut von einer vernünftigen Feuchtigkeitsversorgung.
Eine leichte, gut verträgliche Creme kann Trockenheit und Spannungsgefühle lindern, ohne die Haut unnötig zu belasten. Sie ersetzt allerdings keine gezielte Behandlung, wenn aus gelegentlichen Pickeln eine ausgeprägte Akne geworden ist.
Und vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis: Nicht jedes glänzende Gesicht braucht weniger Pflege. Manchmal braucht es einfach die richtige.