Autor: Satu Rämö
Verlag: Heyne
Seiten: 368
ISBN-10: 345342817X
ISBN-13: 9783453428171
Preis: EUR 17.90
Schon die Kulisse macht neugierig: Island mit seinen tiefen Fjorden, der rauen Natur und den langen, dunklen Wintern ist wie geschaffen für einen Krimi, in dem nicht nur Verbrechen, sondern auch menschliche Schicksale eine Rolle spielen. Mit „Die Spur im Fjord“ hat Satu Rämö einen spannenden Auftakt ihrer Hildur-Reihe geschrieben, der mich vor allem durch seine besondere Atmosphäre und seine interessante Hauptfigur anspricht.
Im Mittelpunkt steht Hildur Rúnarsdóttir, eine Kriminalbeamtin, die in den abgelegenen Westfjorden Islands ermittelt. Sie ist eine Frau, die ihren Beruf ernst nimmt und nach außen hin stark wirkt, dabei aber selbst einiges mit sich herumträgt. Gerade das macht sie für mich zu einer interessanten Ermittlerin: Sie ist keine unnahbare Heldin, sondern eine Persönlichkeit mit Ecken, Kanten und einer Vergangenheit, die sie nicht einfach hinter sich lassen kann.
An ihrer Seite arbeitet Jakob Johanson, ein finnischer Austauschpolizist, der sich in Island erst zurechtfinden muss. Die beiden sind ein durchaus reizvolles Team. Ihre unterschiedlichen Erfahrungen und Sichtweisen bringen Bewegung in die Geschichte, und auch zwischenmenschlich gibt es einiges zu entdecken.
Was mir an diesem Krimi besonders gefällt, ist die Verbindung von Ermittlungsarbeit und persönlichen Geschichten. Es geht nicht allein darum, herauszufinden, wer hinter einem Verbrechen steckt. Die Autorin interessiert sich ebenso dafür, was Menschen antreibt, welche Geheimnisse sie bewahren und wie sehr die Vergangenheit das Leben in der Gegenwart beeinflussen kann.
Dabei spielt Island eine wichtige Rolle. Die Landschaft ist nicht einfach nur eine schöne Kulisse, sondern vermittelt ein Gefühl von Abgeschiedenheit und Einsamkeit. Man kann sich gut vorstellen, wie eng die Menschen in einer kleinen Gemeinschaft miteinander verbunden sind – und wie schwierig es zugleich sein kann, Geheimnisse dauerhaft für sich zu behalten. Diese nordische Atmosphäre trägt wesentlich zur Spannung bei.
Satu Rämö erzählt angenehm lesbar und lässt ihren Figuren Raum, sich zu entwickeln. Wer einen Krimi erwartet, in dem sich die Ereignisse Schlag auf Schlag überschlagen, sollte wissen, dass hier auch die psychologischen Hintergründe und das Privatleben der Ermittler ihren Platz haben. Für mich ist gerade diese Mischung interessant, weil sie der Geschichte mehr Tiefe gibt und die Figuren über den eigentlichen Kriminalfall hinaus lebendig wirken lässt.
Mein Fazit: „Die Spur im Fjord“ ist ein gelungener Einstieg in eine Krimireihe, die mit einer ungewöhnlichen Ermittlerin, einer faszinierenden Landschaft und Geheimnissen punktet, die unter die Oberfläche reichen. Besonders die Verbindung aus nordischer Atmosphäre und persönlichen Schicksalen macht das Buch lesenswert. Wer Island liebt und gerne Krimis liest, bei denen neben der Spannung auch die Menschen im Mittelpunkt stehen, sollte Hildur eine Chance geben. Ich bin gespannt, wie sich die Reihe weiterentwickelt.
Die Finnin Satu Rämö zog vor über zwanzig Jahren für ein Auslandssemester nach Island, um isländische Kultur und Literatur zu studieren. Heute lebt sie mit ihrem isländischen Mann und ihren zwei Kindern in der Kleinstadt Ísafjörður im Nordwesten Islands. Nach zahlreichen erfolgreichen Sachbüchern, in denen sie über ihre Wahlheimat schreibt, feierte sie mit der Reihe um die außergewöhnliche Ermittlerin Hildur Rúnarsdóttir ihr Debüt als Krimiautorin. Inzwischen hat sich die SPIEGEL-Bestsellerreihe über eine Million mal weltweit verkauft. Gerade wurden die Dreharbeiten zu einer Hildur-Miniserie im Rahmen einer internationalen Co-Produktion abgeschlossen.