Während der Corona-Pandemie wurde ein Begriff populär, der ein sehr modernes Verhalten beschreibt: Doomscrolling. Gemeint ist das fast zwanghafte Weiterklicken durch schlechte Nachrichten, Krisenmeldungen und belastende Inhalte – oft obwohl man längst merkt, dass es einem nicht guttut.
Was als Suche nach Orientierung beginnt, kann schnell in eine Stress-Spirale führen. Je mehr negative Informationen auf dem Bildschirm erscheinen, desto schwerer fällt es vielen Menschen, aufzuhören. Die Folge: innere Unruhe, schlechter Schlaf, Grübeln – und nicht selten der Griff zu Süßem oder Fettigem, um sich kurzfristig zu beruhigen.
Doomscrolling beschreibt das übermäßige Konsumieren negativer Nachrichten in sozialen Medien, News-Apps oder auf Online-Plattformen. Besonders in Krisenzeiten ist der Impuls verständlich: Wer mehr weiß, fühlt sich scheinbar besser vorbereitet. Doch genau darin liegt das Problem.
Mehr Informationen bedeuten nicht automatisch mehr Sicherheit. Im Gegenteil: Wer immer weiter scrollt, setzt sich häufig einer endlosen Abfolge von Bedrohungen, Konflikten und Katastrophen aus. Das kann das Nervensystem in Alarmbereitschaft halten und die emotionale Belastung verstärken.
Typische Folgen können sein:
Dabei ist Doomscrolling nicht einfach nur „zu viel Handyzeit“. Es ist eine Mischung aus Gewohnheit, Informationshunger und dem Gefühl, in unsicheren Zeiten nichts verpassen zu dürfen.
Dass Menschen auf negative Informationen besonders stark reagieren, ist gut erklärbar. Aus psychologischer Sicht spielt der sogenannte Negativity Bias eine wichtige Rolle: Bedrohliche oder schlechte Nachrichten ziehen Aufmerksamkeit oft stärker auf sich als neutrale oder positive Inhalte.
Hinzu kommt der Mechanismus der endlosen Feeds. Jede neue Nachricht könnte wichtig sein. Jede Aktualisierung verspricht ein kleines Gefühl von Kontrolle. Das Smartphone wird damit zum scheinbaren Beruhigungsmittel – obwohl es die innere Anspannung häufig eher verlängert.
Drei Mechanismen sind besonders typisch:
Wenn der Körper unter Stress steht, sucht er nach schneller Entlastung. Für manche Menschen bedeutet das Bewegung, Rückzug oder ein Gespräch. Andere greifen zu Essen – besonders zu Lebensmitteln, die rasch Energie liefern und das Belohnungssystem aktivieren.
Dazu gehören vor allem:
Das Problem: Der beruhigende Effekt hält meist nur kurz an. Danach folgen oft Müdigkeit, schlechtes Gewissen oder erneuter Stress. So kann ein Kreislauf entstehen: negative Nachrichten, innere Anspannung, impulsives Essen – und anschließend noch mehr Unruhe.
Wichtig ist dabei: Stress-Essen ist kein Zeichen von Willensschwäche. Es ist häufig ein erlernter Bewältigungsmechanismus. Wer ihn verändern möchte, braucht deshalb nicht mehr Härte gegen sich selbst, sondern bessere Routinen.
Doomscrolling lässt sich selten allein durch den Vorsatz stoppen, „weniger am Handy“ zu sein. Hilfreicher sind klare, kleine Regeln, die den Alltag entlasten.
Sinnvoll können sein:
Gerade abends ist Abstand wichtig. Wer kurz vor dem Schlafengehen noch durch Nachrichten, Kommentare oder Konflikte scrollt, gibt dem Kopf kaum Gelegenheit, herunterzufahren.
Auch im Ayurveda spielt der Rhythmus des Alltags eine zentrale Rolle. Die traditionelle indische Gesundheitslehre betrachtet Körper und Geist als zusammenhängendes System. Mentale Überlastung, unregelmäßige Mahlzeiten, Schlafmangel und ständige Reize gelten dabei als Faktoren, die innere Unruhe fördern können.
Aus ayurvedischer Sicht wird digitale Überforderung häufig mit einer Zunahme von Vata in Verbindung gebracht. Vata steht unter anderem für Bewegung, Nervensystem und Veränderung. Gerät dieses Prinzip aus dem Gleichgewicht, werden klassisch Beschwerden wie Unruhe, Nervosität, Schlafprobleme oder unregelmäßiges Essverhalten beschrieben.
Wissenschaftlich sollte man diese Einordnung nicht als Diagnose verstehen, sondern als traditionelles Erklärmodell. Praktisch interessant sind jedoch einige Empfehlungen, die gut zu modernen Erkenntnissen über Stressregulation passen: Regelmäßigkeit, warme Mahlzeiten, achtsames Essen, ruhige Abendrituale und bewusste Pausen.
Legen Sie feste Zeiten fest, in denen Nachrichten gelesen werden. Außerhalb dieser Zeiten bleibt das Smartphone möglichst außer Sichtweite. Besonders wichtig ist der Abend: Wer besser schlafen möchte, sollte belastende Inhalte vor dem Zubettgehen meiden.
Unregelmäßige Mahlzeiten können Heißhunger begünstigen. Ayurveda empfiehlt warme, einfache und gut bekömmliche Speisen zu festen Zeiten. Auch aus moderner Ernährungssicht kann Struktur helfen, impulsives Snacken zu reduzieren.
Wer beim Essen scrollt, merkt oft später, wann er satt ist. Achtsames Essen bedeutet: sitzen, kauen, schmecken, wahrnehmen. Das klingt einfach, ist aber einer der wirksamsten Schritte gegen automatisches Nebenbei-Essen.
Ein warmes Getränk, ruhige Musik, Atemübungen oder eine kurze Meditation können helfen, den Übergang vom Tag in die Nacht bewusster zu gestalten. Auch eine warme Dusche oder Selbstmassage kann als körperliches Signal wirken: Der Tag ist vorbei.
Wenn der Impuls zum Snacken kommt, hilft eine kurze Unterbrechung. Fragen Sie sich: Habe ich körperlichen Hunger – oder suche ich gerade Beruhigung? Schon ein Glas Wasser, ein kurzer Spaziergang oder drei Minuten bewusstes Atmen können den Automatismus abschwächen.
Eine „Anti-Doomscrolling-Ernährung“ gibt es nicht. Wohl aber Essgewohnheiten, die Blutzuckerschwankungen, Heißhunger und impulsives Snacken reduzieren können.
Hilfreich sind vor allem:
Aus ayurvedischer Sicht gelten warme, frisch zubereitete und eher einfache Mahlzeiten als stabilisierend. Dazu passen zum Beispiel Hafer, Reis, gedünstetes Gemüse, Suppen, milde Gewürze und warme Getränke.
Bei Kräutern und Nahrungsergänzungsmitteln ist dagegen Vorsicht angebracht. Ashwagandha wird im Ayurveda traditionell verwendet, sollte aber nicht unkritisch als harmloses Anti-Stress-Mittel dargestellt werden. Je nach Präparat, Dosierung und persönlicher Situation sind Nebenwirkungen und Wechselwirkungen möglich. Schwangere, Stillende, Kinder sowie Menschen mit Leber-, Schilddrüsen-, Herz- oder Stoffwechselerkrankungen sollten besonders vorsichtig sein und ärztlichen Rat einholen.
Doomscrolling lässt sich nicht dadurch stoppen, dass man sich schuldig fühlt. Entscheidend ist, den Kreislauf zu erkennen: negative Inhalte, innere Anspannung, Weiterscrollen, schlechter Schlaf, Stress-Essen.
Wer aussteigen möchte, sollte klein beginnen. Eine handyfreie Mahlzeit. Eine feste Nachrichtenuhrzeit. Eine Stunde ohne Bildschirm vor dem Schlafengehen. Ein Spaziergang statt Scrollen. Solche Schritte wirken unspektakulär, aber genau darin liegt ihre Stärke: Sie sind alltagstauglich.
Ayurveda kann dabei als ergänzende Orientierung dienen – nicht als Ersatz für medizinische oder psychotherapeutische Hilfe, sondern als Erinnerung an etwas sehr Grundsätzliches: Der Mensch braucht Rhythmus, Ruhe, Schlaf, gutes Essen und Pausen von ständiger Reizüberflutung.
Ist Doomscrolling wirklich gefährlich?
Doomscrolling ist nicht automatisch gefährlich. Wenn es jedoch regelmäßig Stress, Schlafprobleme, Ängste oder Erschöpfung verstärkt, sollte man das Verhalten ernst nehmen und begrenzen.
Warum fällt es so schwer, mit dem Scrollen aufzuhören?
Negative Nachrichten wirken oft besonders aufmerksamkeitsstark. Gleichzeitig erzeugen endlose Feeds ständig neue Reize. Dadurch entsteht der Eindruck, man müsse nur noch eine weitere Meldung lesen.
Kann Doomscrolling Stress-Essen fördern?
Ja, bei manchen Menschen kann emotionaler Stress den Griff zu süßen, fettigen oder stark verarbeiteten Lebensmitteln begünstigen. Essen dient dann kurzfristig der Beruhigung, löst aber die eigentliche Anspannung nicht.
Hilft Ayurveda gegen Doomscrolling?
Ayurveda kann mit Routinen, warmen Mahlzeiten, achtsamem Essen und beruhigenden Ritualen eine sinnvolle Ergänzung sein. Wissenschaftlich gesichert sind vor allem einzelne Methoden wie Achtsamkeit, Meditation, Entspannung und regelmäßige Tagesstrukturen – nicht jedes ayurvedische Mittel oder Präparat.
Was hilft sofort, wenn ich wieder doomscrolle?
Legen Sie das Smartphone außer Reichweite, stehen Sie auf, trinken Sie Wasser und machen Sie für zwei bis drei Minuten langsame Atemzüge. Danach bewusst entscheiden: Brauche ich diese Information jetzt wirklich – oder brauche ich gerade Ruhe?
Wer sich vertiefend mit dem Thema beschäftigen möchte, findet in einer PLOS-One-Studie Hinweise darauf, dass bereits kurze Phasen des Doomscrollings während der COVID-19-Pandemie die Stimmung negativ beeinflussen konnten. Ergänzend erklärt das National Center for Complementary and Integrative Health, wie Stressreaktionen entstehen und welche Rolle Entspannungsverfahren, Meditation und Achtsamkeit bei der Stressregulation spielen können. Auch der Zusammenhang zwischen Stress, Cortisol, Appetit und Heißhunger wird in einem Beitrag von Harvard Health verständlich eingeordnet.
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