Der Cholesterinwert ist erhöht, die Ärztin empfiehlt ein Statin. Doch warum braucht man eine Tablette, wenn man sich gesund fühlt? Entscheidend ist, wie hoch das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall ist. Statine sollen helfen, solche Ereignisse zu verhindern. Was sie leisten und worauf es bei der Einnahme ankommt.
Cholesterin kommt nicht nur aus dem Essen. Der Körper stellt es auch selbst her, vor allem in der Leber. Dort setzen Statine an: Sie bremsen ein Enzym namens HMG-CoA-Reduktase, das an der Herstellung beteiligt ist. Die Leber nimmt daraufhin mehr LDL-Cholesterin aus dem Blut auf. Der Blutwert sinkt.
Das ist mehr als eine bessere Zahl auf dem Laborzettel. Zu viel LDL begünstigt Ablagerungen in den Arterien. Eine Behandlung kann das Risiko verringern, dass daraus ein Herzinfarkt oder ein durch einen Gefäßverschluss verursachter Schlaganfall entsteht. Bereits vorhandene Ablagerungen werden durch die Tabletten allerdings nicht einfach weggespült.
Nach einem Herzinfarkt oder bei einer bekannten koronaren Herzkrankheit gehören Statine häufig zur dauerhaften Behandlung. Auch bei Durchblutungsstörungen der Beine oder nach bestimmten Schlaganfällen können sie angezeigt sein.
Anders sieht die Entscheidung aus, wenn bisher keine Gefäßerkrankung bekannt ist. Dann betrachtet die Praxis das Gesamtbild: Neben LDL zählen beispielsweise Alter, Blutdruck, Rauchen, Diabetes und Nierenfunktion. Bei einer erblichen Fettstoffwechselstörung kann eine Behandlung schon in jüngeren Jahren notwendig werden.
Ein leicht erhöhter Wert allein bedeutet also nicht automatisch, dass jeder ein Medikament braucht. Umgekehrt kann eine Behandlung trotz eines scheinbar unauffälligen Laborwerts sinnvoll sein, wenn das Gefäßrisiko hoch ist. Die europäischen Empfehlungen zur Behandlung erhöhter Blutfette richten Therapie und LDL-Ziel am persönlichen Risiko aus.
Eine hilfreiche Frage im Arztgespräch lautet deshalb: „Wie viel kann die Behandlung mein Risiko verringern?“
Zu den Wirkstoffen gehören Atorvastatin, Rosuvastatin, Simvastatin und Pravastatin. Sie unterscheiden sich unter anderem in ihrer Wirkstärke und darin, wie sie mit anderen Medikamenten zusammenspielen. Die Milligrammangaben verschiedener Präparate lassen sich nicht eins zu eins vergleichen.
Die Auswahl hängt davon ab, wie weit das LDL sinken soll und welche Vorerkrankungen vorliegen. Reicht ein Statin allein nicht aus, kann die Ärztin oder der Arzt beispielsweise Ezetimib ergänzen. Eine Kombination ist eine Möglichkeit, das Behandlungsziel zu erreichen.
Das hängt vom Wirkstoff ab. Simvastatin wird üblicherweise abends genommen. Bei Atorvastatin ist die Tageszeit flexibler; wichtig ist die regelmäßige Einnahme möglichst zur gleichen Zeit. Maßgeblich bleiben der persönliche Einnahmeplan und der Beipackzettel.
Eine vergessene Tablette sollte nicht durch die doppelte Dosis ausgeglichen werden. Wie es weitergeht, steht in der Packungsbeilage; im Zweifel hilft die Apotheke.
Wer ein neues Medikament bekommt, sollte seine vollständige Medikamentenliste vorlegen. Auch frei verkäufliche Mittel gehören darauf. Manche Antibiotika und Pilzmittel vertragen sich nicht mit jedem Statin. Bei einigen Präparaten spielt außerdem Grapefruit eine Rolle. Die Hinweise des britischen Gesundheitsdienstes zu Statinen erläutern solche Wechselwirkungen.
Statine werden gewöhnlich über Jahre eingenommen, nach einer Gefäßerkrankung häufig dauerhaft. Sie halten die körpereigene Cholesterinproduktion während der Behandlung in Schach. Nach dem Absetzen kann der LDL-Wert wieder steigen.
Gute Laborwerte zeigen deshalb oft, dass die Behandlung wirkt. Ob sich die Dosis ändern lässt, wird gemeinsam mit der behandelnden Praxis entschieden.
Vor dem Start werden unter anderem Blutfette und Leberwerte geprüft. Nach Beginn oder einer Dosisänderung folgt eine Kontrolle, um Wirkung und Verträglichkeit zu beurteilen. Weitere Abstände richten sich nach Befunden und Begleiterkrankungen.
Muskelwerte müssen nicht bei jedem Kontrolltermin bestimmt werden; sie werden vor allem bei entsprechenden Beschwerden untersucht. Bei erhöhtem Diabetesrisiko gehört auch der Blutzucker in den Blick.
Schwangerschaft, Kinderwunsch, Stillzeit sowie bekannte Leber- oder Nierenerkrankungen sollten vor der Verordnung angesprochen werden. Hier kann eine andere Behandlungsplanung nötig sein.
Mögliche Nebenwirkungen sind etwa Muskelbeschwerden, veränderte Leberwerte oder ein leichter Blutzuckeranstieg. Neue Beschwerden gehören ins Arztgespräch. Starke Muskelschmerzen, ausgeprägte Schwäche oder dunkler Urin sollten rasch ärztlich abgeklärt werden.
Welche Beschwerden tatsächlich durch Statine verursacht werden und wie häufig sie auftreten, erklärt unser Beitrag „Statine: Welche Nebenwirkungen sind wirklich belegt?“.
Für den nächsten Termin lohnt es sich, den eigenen LDL-Zielwert und den Zeitpunkt der nächsten Kontrolle zu notieren. So wird aus der täglichen Tablette ein nachvollziehbarer Behandlungsplan.
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