Bereits ab 50 Jahren lebt ein erheblicher Teil der Menschen mit mehreren chronischen Erkrankungen gleichzeitig. Der aktuelle Versorgungsatlas des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) zeigt, dass 2024 in Deutschland 45 Prozent der Frauen und 43 Prozent der Männer im Alter von 50 bis 59 Jahren von mindestens zwei chronischen Erkrankungen betroffen waren.
Mit zunehmendem Alter steigt dieser Anteil kontinuierlich an. In der Gruppe der 80- bis 89-Jährigen lag der Anteil 2024 bei 86 Prozent der Frauen und 85 Prozent der Männer. Besonders deutlich wird damit: Multimorbidität beginnt oft früher, als viele vermuten, und sie prägt die Gesundheitsversorgung der zweiten Lebenshälfte schon heute spürbar.
Definition: Multimorbidität bedeutet das gleichzeitige Vorliegen mehrerer chronischer Erkrankungen bei einer Person.
Deutschland 2024: 45 Prozent der Frauen und 43 Prozent der Männer im Alter von 50 bis 59 Jahren waren von mindestens zwei chronischen Erkrankungen betroffen.
Im höheren Alter: Bei 80- bis 89-Jährigen lag der Anteil bei 86 Prozent der Frauen und 85 Prozent der Männer.
Starker Anstieg: Die Gruppe mit fünf oder mehr chronischen Erkrankungen nahm in zehn Jahren besonders deutlich zu, um 12 Prozent bei Frauen und 14 Prozent bei Männern.
Einordnung: Multimorbidität beginnt häufig schon in der Lebensmitte und ist ein zentrales Thema für Prävention und Versorgung.
Mehrere gleichzeitig bestehende Erkrankungen beeinflussen nicht nur die medizinische Behandlung, sondern auch Lebensqualität, Mobilität, Belastbarkeit und Selbstständigkeit. Das RKI beschreibt Multimorbidität als eine Folge des demografischen Wandels und des medizinischen Fortschritts, bei der Mehrfacherkrankungen insbesondere im höheren Alter zunehmen. Für die ambulante Versorgung bedeutet das mehr Abstimmung zwischen Fachrichtungen, eine komplexere Medikationsplanung und einen höheren Bedarf an präventiver Begleitung.
Hinzu kommt, dass nicht nur die Zahl der Betroffenen steigt, sondern auch die Krankheitslast. Laut Zi hat vor allem die Gruppe mit fünf oder mehr chronischen Erkrankungen in den vergangenen zehn Jahren deutlich zugenommen: um 12 Prozent bei Frauen und 14 Prozent bei Männern. Das macht frühzeitige Prävention und ein gutes Krankheitsmanagement in der Lebensmitte umso wichtiger.
Gesundheitsförderung kann helfen, Risiken zu senken und Folgeprobleme zu begrenzen. Dazu gehören regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, guter Schlaf, Stressreduktion und ein bewusster Umgang mit Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen oder Diabetes. Auch die psychische Gesundheit spielt eine wichtige Rolle, da chronische Belastungen und psychische Erkrankungen häufig gemeinsam auftreten.
Gerade ab 50 lohnt sich ein strukturierter Blick auf den eigenen Gesundheitsstatus. Wer frühe Warnzeichen ernst nimmt und Behandlungswege gut koordiniert, kann die Versorgung langfristig entlasten und die eigene Lebensqualität stärken. Multimorbidität ist damit nicht nur ein medizinischer Begriff, sondern ein zentrales Thema für gesundes Altern.
Diese einfachen Maßnahmen können helfen, die Gesundheit in der zweiten Lebenshälfte stabil zu halten und Multimorbidität frühzeitig entgegenzuwirken.
Ausgewogen essen. Eine möglichst pflanzenbetonte Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten, Vollkorn und gesunden Fetten unterstützt die Gesundheit im Alter.
Ausreichend trinken. Gerade im höheren Alter lässt das Durstempfinden nach; regelmäßiges Trinken bleibt deshalb wichtig.
Regelmäßig bewegen. Schon tägliche Spaziergänge, Radfahren oder leichtes Training fördern Kraft, Ausdauer und Mobilität.
Kraft und Balance trainieren. Muskelaufbau und Gleichgewichtstraining können Stürzen vorbeugen und die Selbstständigkeit erhalten.
Vorsorge wahrnehmen. Ärztliche Check-ups helfen, chronische Erkrankungen früh zu erkennen und besser zu behandeln.
Soziale Kontakte pflegen. Gespräche, Treffen und gemeinschaftliche Aktivitäten stärken Wohlbefinden und mentale Gesundheit.
Geistig aktiv bleiben. Neues lernen, lesen, rätseln oder musizieren hält das Gehirn in Schwung.
Stress reduzieren. Entspannung, Pausen und ein guter Umgang mit Belastungen wirken sich positiv auf Körper und Psyche aus.
Nicht rauchen, Alkohol reduzieren. Der Verzicht auf Rauchen und ein bewusster Umgang mit Alkohol gelten als zentrale Bausteine für gesundes Altern.
Schlaf ernst nehmen. Erholsamer Schlaf unterstützt Regeneration, Immunsystem und allgemeines Wohlbefinden.
Die Zahl der Menschen mit fünf oder mehr Erkrankungen steigt weiter an. Für Prävention, Vorsorge und eine gut koordinierte Versorgung ist das ein klares Signal!