Die idyllische oberösterreichische Kleinstadt im Salzkammergut galt einst als die sommerliche Spielbühne der Donaumonarchie. Hier traf sich der Hofstaat samt Kaiser zur Sommerfrische, frönte neben der Jagd dem guten Essen und tätschelte zu gerne die bildhübschen Mädchen, die man zuhauf auf der Esplanade oder beim Zauner bewundern konnte. Wer heute durch Bad Ischl spaziert, begegnet Sisi buchstäblich auf Schritt und Tritt. Die Kaiservilla, der Kaiserpark, das Flüsschen Traun und die eleganten Villen, die sich entlang ihres Ufers ziehen, erinnern an die Zeit, in der das Kaiserpaar regelmäßig seine Sommerfrische im Salzkammergut verbrachte. Für Elisabeth war Bad Ischl dabei mehr als eine kaiserliche Pflichtveranstaltung: Die Berge und die Natur sowie die Möglichkeit, sich dem strengen Hofzeremoniell zumindest zeitweise zu entziehen, machten den Ort zu einem ihrer bevorzugten Rückzugsorte. Und Franz Josef I. genoss vor allem sein Jagdrevier in den umliegenden Bergen. Das laute Wien war samt seinen politischen Sorgen weit, weit weg …
Heute, über hundert Jahre nach dem Untergang des Kaiserreichs, versucht die Stadt, ihre kaiserliche Vergangenheit mit einem modernen Tourismuskonzept zu verbinden. Sisi und Franz Josef I. wurden längst zu einer touristische Marke.
Im Mittelpunkt dieses Wandels steht das moderne Hotel Grand Elisabeth. Hinter dem neuen Vier-Sterne-Plus-Hotel stehen nicht irgendwelche anonymen Investoren, sondern mehrere Unternehmer mit engem Bezug zur Region. Denn Bad Ischl und Sisi gehören untrennbar zusammen. Mit dem Grand Elisabeth hat die Kaiserstadt endlich ein Hotel, das kaiserliche Geschichte mit modernem Luxus und regionaler Unternehmertradition verbindet.
Wir konnten einen Blick hinter die Kulissen dieses besonderen Hotelprojekts im Salzkammergut werfen. Das neue Grand Elisabeth möchte die berühmte Kaiserin nämlich anders erzählen: weniger als kitschige Filmfigur, mehr als eigenwillige, sportliche und weltoffene Frau.
Hinter dem Grand Elisabeth steht die Bad Ischl HE GmbH. Bemerkenswert ist die Zusammensetzung der Eigentümer: Dazu gehören die Unternehmer Philipp und Josef Zauner, die in Bad Ischl mit der traditionsreichen Konditorei Zauner selbst eine Institution sind, Josef Öhlinger und Herbert Ackerl beziehungsweise dessen Familiengesellschaft sowie die Kieninger Gesellschaft m.b.H.
Damit ist das Projekt eng mit der lokalen Wirtschaft verbunden. Die Konditorei Zauner, seit dem 19. Jahrhundert Teil der Geschichte Bad Ischls, bringt nicht nur ihren Namen ein. Im Grand Elisabeth finden sich auch Zauner-Spezialitäten – vom Zaunerstollen bis zu Pralinen. So wird aus einer Beteiligung zugleich ein Stück regionaler Identität.
Bemerkenswert ist auch die Größenordnung des Projekts: Beim Spatenstich im Jahr 2023 war zunächst von einem 37-Millionen-Euro-Projekt die Rede. Zur Eröffnung im Jahr 2025 wurde das Investitionsvolumen schließlich mit mehr als 50 Millionen Euro angegeben. Das Hotel verfügt über 132 Zimmer und Suiten und wurde bewusst als ganzjährig nutzbares Haus für Urlauber, Geschäftsreisende sowie Kongress- und Veranstaltungsgäste konzipiert.
Die dahinter stehende Rechnung ist nachvollziehbar: Bad Ischl verfügt zwar über eine starke touristische Marke, doch gerade im gehobenen Segment und für größere Veranstaltungen fehlten bisher zusätzliche Kapazitäten. Die Betreiber setzen deshalb nicht allein auf klassische Sommerfrische, sondern auch auf Kongress- und Kulturtourismus.
Bereits in der Lobby wird deutlich, welche Elisabeth hier gemeint ist. Eine originale Filmkutsche aus den bekannten „Sissi“-Filmen erinnert an die populäre, romantische Darstellung der Kaiserin. Gleichzeitig versucht das Hotel, sich davon bewusst abzusetzen. Philipp Zauner beschreibt das Konzept als Versuch, eine „rebellische, weltoffene” Sisi zu zeigen und nicht nur die Filmfigur mit Krone und Tüllkleid.
Dazu passen Fitnessbereich, Indoor-Pool, Saunen und das Organic Alps Spa. Auch kulinarisch wird das Elisabeth-Thema aufgegriffen. Alex Belasch ist seit Mitte September 2026 neuer Küchenchef und ein erfahrener Koch mit internationaler Erfahrung. Er setzt auf Gemüse, ungewöhnliche Fleischstücke und saisonale Produkte. Und er interpretiert Gerichte aus dem Salzkammergut sowie Elisabeth zugeschriebene Lieblingsgerichte zeitgemäß neu. Im Restaurant „Grand Liberté“ trifft regionale Küche auf moderne Akzente, während die Bar „Violet Hour“ den Abend stilvoll verlängert.
Die Lage des Hotels könnte kaum passender sein. Das Grand Elisabeth liegt unmittelbar beim Kurpark sowie gegenüber dem Theater- und Kongresshaus. Die Kaiservilla, der Kaiserpark, die Esplanade und zahlreiche hübsche Boutiquen und Geschäfte sind bequem zu Fuß erreichbar. Damit liegen Geschichte, Kultur und Hotellerie praktisch Tür an Tür.
Doch Bad Ischl erschöpft sich natürlich nicht nur in Sisi. Die Lehárvilla erinnert an den Komponisten Franz Lehár, die Katrin bietet nebst Bergpanorama auf rund 1600 m Seehöhe zahlreiche Wanderwege im Almgebiet für Jung und Alt, und unten prägt die Traun murmelnd das Stadtbild. Von Bad Ischl aus lässt sich das gesamte Salzkammergut erkunden – vom Wolfgangsee bis zum Hallstätter See und hinauf in die Dachsteinregion.
Gerade darin liegt die heutige Stärke Bad Ischls: Die Stadt muss ihre kaiserliche Vergangenheit nicht aufgeben, um modern zu werden. Das Grand Elisabeth versucht vielmehr, beides miteinander zu verbinden.
Sisi bleibt allgegenwärtig, bekam aber endlich ein neues Zuhause. Eines, das weniger Museum als modernes Hotel, weniger Nostalgie als touristische Zukunftsvision bietet.