Es gibt wohl kaum schönere Monate als September/Oktober, um auf diesen beiden Flüssen ruhig durch die in allen Herbstfarben leuchtenden Flusslandschaften zu gleiten, den Blick über den Horizont schweifen zu lassen und ganz sanft zur Ruhe zu kommen. Kaum zu glauben, aber schon am ersten Tag gelingt es, den quirligen Alltag hinter sich zu lassen. Denn diese entschleunigte Reiseform spricht besonders Menschen an, die einerseits Entspannung und andererseits neue Eindrücke miteinander verbinden möchten.
Kaum wird man an Bord herzlich willkommen geheißen, entsteht ein Gefühl von Abstand zum täglichen Rhythmus. Statt morgens hektisch Koffer zu packen und zwischen verschiedenen Zügen, Flügen und Hotels zu wechseln, reist man hier in einer komfortablen Residenz auf dem Wasser. Die Kabine wird zum persönlichen Rückzugsort, das Sonnendeck zum Logenplatz für langsam vorbeiziehende Weinberge und kleinen oder größeren Ansiedlungen. Kleine Rituale – ein Kaffee am Morgen, eine ruhige Lesestunde oder der Blick auf die Landschaft bei Sonnenauf- und untergang – geben dem Tag eine Struktur, die wohl kaum eine andere Ferienart zulässt.
Dabei kann eine Flusskreuzfahrt auch gesundheitlich wohltuende Aspekte haben. Die gleichmäßige Bewegung des Schiffes, die frische Luft an Deck und der Wechsel zwischen Ruhe und leichten Aktivitäten schaffen beste Bedingungen für Erholung pur. Spaziergänge an Land bringen Bewegung in den Tag, ohne dass sportliche Höchstleistungen gefragt sind. Wer möchte, kann Ausflüge individuell dosieren, Pausen einlegen und das Tempo den eigenen Bedürfnissen anpassen.
Unser schwimmendes Hotel folgt dem Fluss, während die Umgebung langsam an den Fenstern vorbeizieht. Die Gäste kehren nach jedem Landgang in ihre vertraute Kabine zurück und müssen sich nicht täglich neu orientieren. Dieser Komfort macht die Reise auch für eingeschränkt mobile Menschen interessant, die auch noch gerne Kultur erleben möchten, dabei aber hohen Wert auf Übersichtlichkeit, Ruhe und kurze Wege legen.
Flusskreuzfahrten sind Reisen, die Körper und Geist gleichermaßen ansprechen. An Bord bestimmen vor allem Gelassenheit, Komfort und Zeit die Atmosphäre. Gerade dieses Zusammenspiel macht die Route zu einer besonderen Form des Reisens: kulturell anregend, komfortabel organisiert und wohltuend entschleunigt.
Flüsse haben ihre ganz eigene Art, eine Landschaft zu erzählen. Wer an Bord eines Flusskreuzfahrtschiffes von Saarbrücken über Saar und Mosel in Richtung Frankreich reist, erlebt nicht nur wechselnde Uferlandschaften, sondern taucht zugleich in verschiedene Kapitel europäischer Kulturgeschichte ein. Die Saar ist kein Strom, der sich in den Vordergrund drängt. Sie wirkt zurückhaltend, beinahe privat. Barocke Baukunst, prachtvolle Plätze und der elegante Stil der Belle Époque begleiten die Reise – während das Schiff gemächlich durch eine Landschaft gleitet, die von Weinbergen, historischen Orten und französischem Lebensgefühl geprägt ist.
Der Auftakt beginnt auf dieser Reise in Saarbrücken, wo unser Schiff nahe dem Bürger Park den Anker geworfen hat. Die saarländische Landeshauptstadt präsentiert sich als Stadt zwischen deutscher und französischer Kultur, geprägt von einer wechselvollen Geschichte und der Nähe zum Nachbarland. Dass Saarbrücken zu den schönsten Barockstädten der Region zählt, wissen viele Reisende nicht. Fürst Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken holte im 18. Jahrhundert den Baumeister Friedrich Joachim Stengel, der die Stadt mit Schloss, Plätzen und Kirchen prägte. Das Glanzstück ist die Ludwigskirche, ein evangelisches Gotteshaus von ungewöhnlich heller, fast festlicher Klarheit.
Wer durch die Innenstadt spaziert, entdeckt aber zugleich eine moderne, lebendige Stadt mit Cafés, Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten. Gerade diese Mischung macht Saarbrücken zu einem passenden Ausgangspunkt für eine Reise zwischen historischen Epochen und unterschiedlichen kulturellen Einflüssen.
Wenn es das Wetter zulässt, ist das Sonnendeck der Logenplatz schlechthin auf einem Schiff. Denn von diesem Ausblick aus verändert sich die Perspektive ständig. Wiese, Auen, Wäldchen und ein paar Weinberge ziehen vorüber, kleine Orte tauchen am Ufer auf, und immer wieder öffnen sich interessante Blickperspektiven über die Flusslandschaft.
Auf einer Flusskreuzfahrt ist vor allem der Weg das Erlebnis. Während das Schiff nahezu lautlos dahingleitet, bleibt Zeit, Landschaft und Atmosphäre bewusst wahrzunehmen. Und die nächste Reiseetappe liegt gewissermaßen vor der eigenen Kabinentür.
Hinter Saarbrücken wird die Landschaft stiller. Das Schiff passiert Schleusen, die den Höhenunterschied des Flusses ausgleichen. Jede Schleusung ist ein kleines Schauspiel: Tore schließen sich, Wasser steigt oder sinkt, und schließlich setzt sich das Schiff wieder in Bewegung. An Deck wird fotografiert, doch schon nach wenigen Minuten kehrt die bedächtige Ruhe zurück.
Die Saar führt uns über das UNESCO-Kulturerbe Saarschleife nach Mettlach. Hier residiert seit langem der Porzellanriese Villeroy & Boch. Ein Besuch ins hauseigene Museum und dem dazu gehörenden Park der Fabrik lohnt sich nicht nur für Porzellanfreaks. Der Ausflug zur Saarschleife, die man von einem Baumwipfelpfad hoch oben in einem Aussichtsturm, bewundern kann, gehört zu den Höhepunkten dieser Reise. Erwähnenswert ist, dass der Baumwipfelpfad zwar Eintritt kostet, aber selbst für Rollatoren bis hinauf zum höchsten Punkt des Aussichtsturms befahr- und bezwingbar ist. Somit muss wirklich niemand auf diese einmalige Aussicht verzichten.
Anschließend geht es über Nacht per Schiff zur Mosel, deren Ufer zu den bekanntesten Weinlandschaften Deutschlands zählen. Steile Rebhänge und kleine Winzerorte prägen hier das Bild. Besonders im Herbst, wenn sich die Weinberge verfärben und die Landschaft in warmen Farbtönen erscheint, entfaltet diese Region ihren ganz besonderen Reiz.
Bei Konz verändert sich der Charakter der Reise. Die Mosel ist breiter als die Saar, die Ufer werden steiler, und an den Hängen ziehen sich Weinberge in langen Linien nach oben. Zwischen den Rebstöcken liegen kleine Dörfer mit Kirchtürmen, Winzerhäusern und schmalen Gassen. Im Licht des späten Nachmittags scheinen die Weinberge wie ein riesiges Mosaik aus Grün, Gold und Braun.
Trier setzt einen historischen Höhepunkt. Die älteste Stadt Deutschlands erzählt von römischer Vergangenheit, mittelalterlicher Frömmigkeit und kurfürstlicher Macht. Die Porta Nigra wirkt auch nach fast zwei Jahrtausenden monumental. Wenige Schritte weiter beginnt eine andere Zeit: Plätze, Palais und Kirchen verweisen auf Jahrhunderte europäischer Geschichte.
Morgens liegt jetzt Nebel auf der Mosel, und das Schiff gleitet so leise flussaufwärts, dass man die Schleusen eher hört als spürt. Moselaufwärts beim bekannten Ort Schengen passieren erreichen wir Luxemburg. Allerdings ist hier der Fluß die Grenze!
Grevenmacher ist ein ruhiger Weinort mit Uferpromenade, Kellereien und Schaumweintradition. Hier dreht sich vieles um den Rebensaft, und hier wird auch die Luxemburger Weinkönigin gekrönt. Bei einer Verkostung von Riesling, Elbling und Crémant lernt man, dass die luxemburgische Mosel mehr ist als ein Miniland zwischen Deutschland und Frankreich: eigenständig, kleinteilig, sehr selbstbewusst. Am Abend lohnt ein Spaziergang am Wasser, wenn sich die Lichter im Fluss spiegeln.
Von unserem Ankerplatz ist die Hauptstadt Luxemburg in gut einer halben Stunde erreicht. Ihre Altstadt und die Festungsanlagen zählen zum UNESCO-Welterbe. Auf der Corniche, die oft als “schönster Balkon Europas” bezeichnet wird, blickt man hinab in das Tal der Alzette, auf Kasematten, Brücken und Gärten. Die Kathedrale Notre-Dame verbindet Spätgotik mit barocken Elementen, und in den Straßen der Oberstadt wirkt vieles wie ein klug inszeniertes Bühnenbild. Die Belle Epoque zeigt sich im Stadtbild an Bauten wie der Adolphe-Brücke von 1903, einem kühnen Steinbogen über dem Tal, und am prachtvollen Bahnhof. Wer Zeit hat, versucht sich zum Abschluss an einem Stück Gromperekichelcher oder einer Tasse Kaffee auf dem Place Guillaume II.
Wer von der Altstadt nur wenige Minuten über die rote Brücke fährt, landet in einer anderen Welt: Auf dem Kirchberg-Plateau zeigt sich Luxemburg als moderner Verwaltungssitz Europas. Seit den 1950er-Jahren haben sich hier wichtige EU-Einrichtungen angesiedelt, darunter der Europäische Gerichtshof, die Europäische Investitionsbank, der Europäische Rechnungshof sowie das Generalsekretariat des Europäischen Parlaments. Besonders markant sind die goldfarbenen Türme des Gerichtshofs, die dem Viertel eine unverwechselbare Silhouette geben.
Architektur und Kultur bilden das Gegengewicht zur Bürowelt. Die Philharmonie mit ihrer Säulenfassade von Christian de Portzamparc steht für die Konzertkultur der Stadt, das Museum von I. M. Pei für zeitgenössische Kunst.
Je weiter das Schiff nach Westen fährt, desto stärker verändert sich die Atmosphäre. Die Mosel wird zur Moselle, deutsche und französische Einflüsse verbinden sich. In Metz treffen mittelalterliche Gassen auf großzügige Plätze und moderne Architektur. Die Kathedrale mit ihren farbigen Glasfenstern, teilweise von Chagall, gehört zu den eindrucksvollsten Sakralbauten der Region. Gleichzeitig wirkt die Stadt lebendig und gegenwärtig: Marktstände, Straßencafés und junge Menschen prägen das Stadtbild. Schon beim ersten Rundgang wird deutlich, dass Metz keine Stadt einzelner Epochen ist. Ihre besondere Atmosphäre entsteht vielmehr durch das Nebeneinander ganz unterschiedlicher architektonischer und kultureller Einflüsse. Metz wirkt historisch, ohne museal zu sein, und modern, ohne ihre Vergangenheit zu verleugnen. Wenn genügend Zeit vorhanden ist, sollte man unbedingt das 2010 eröffnete Kunstzentrum Centre Pompidou-Metz besuchen.
Nancy empfängt seine Besucher schließlich mit einer ganz anderen Eleganz. Die Stadt ist berühmt für den Place Stanislas, einen der schönsten klassizistischen Plätze Europas. Schon beim Betreten der Place Stanislas versteht man, warum der Platz zum UNESCO-Welterbe gehört. Herzog Stanislas Leszczyński, der entthronte Polenkönig, ließ ihn im 18. Jahrhundert anlegen, mit vergoldeten Schmiedegittern, Brunnen und Prunkfassaden, ein Meisterwerk der Platzbaukunst. Barock in Reinform, aber leichter, fast spielerisch. Goldene Gitter, symmetrische Fassaden und monumentale Brunnen verleihen ihm besonders am Abend eine feierliche Anmutung.
Doch Nancy erschöpft sich nicht im Barock. In den Straßen rund um die Innenstadt ist die Belle Époque und der französische Jugendstil allgegenwärtig. Geschwungene Linien, florale Ornamente, farbiges Glas und kunstvoll gestaltete Fassaden zeugen vom Jugendstil. Die École de Nancy machte die Stadt um 1900 zu einem Zentrum dieser neuen Formensprache. Möbel, Glas, Keramik und Architektur sollten nicht länger nur zweckmäßig sein, sondern den Alltag verschönern. Dieser Gedanke ist bis heute sichtbar – an Hauseingängen, in Schaufenstern und an den Details alter Bürgerhäuser. Ein Besuch in der Villa Majorelle zeigt beispielsweise, wie eng Architektur und Kunsthandwerk damals zusammengehörten. Möbel, Lampen, Glasarbeiten und Gebäude wurden nicht getrennt voneinander gedacht, sondern als Gesamtkunstwerke für den Alltag.
Auch kulinarisch besitzen sowohl Metz als auch Nancy ihre eigene Identität. In den Markthallen und Bäckereien finden sich regionale Spezialitäten, darunter die in Metz beheimatete wohlschmeckende Quiche Lorraine oder in Nancy die Produkte mit den Früchten der goldgelben Mirabellen.
Zwischen beiden Städten wird sichtbar, wie vielfältig Lothringen ist: eine Region, in der sich deutsche und französische Geschichte, alte Handwerkskunst und moderne Kultur auf engem Raum begegnen.
Die MS Thurgau Saxonia ist ein 82 Meter langes Boutique-Flussschiff mit Platz für maximal 84 Gäste. Die überschaubare Größe schafft eine angenehm persönliche Atmosphäre und ermöglicht Fahrten auf kleineren Flussabschnitten.
Schiff: MS Thurgau Saxonia
Baujahr: 2001
Renovierung: 2019/2020
Länge: 82 m
Breite: 9,50 m
Kabinen: 42 Außenkabinen
Gäste: max. 84
Decks: 3 Passagierdecks
Crew: ca. 22 Personen
Bordsprache: Deutsch/Englisch
Flagge: Schweiz
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