Der Fernseher wird etwas lauter gestellt, im Restaurant versteht man plötzlich nur noch die Hälfte und andere Menschen scheinen immer häufiger zu nuscheln. Ein Hörverlust im Alter beginnt oft so unauffällig, dass Betroffene ihn lange gar nicht bemerken.
Die sogenannte Altersschwerhörigkeit oder Presbyakusis entwickelt sich meist langsam und betrifft beide Ohren. Häufig ist nicht das Hören an sich das größte Problem, sondern das Verstehen – besonders dort, wo viele Geräusche zusammentreffen.
Beim Hören arbeiten Ohr und Gehirn eng zusammen. Im Laufe des Lebens können sich die empfindlichen Sinneszellen im Innenohr, Nervenbahnen und die Verarbeitung akustischer Signale verändern.
Meist entsteht eine sogenannte Schallempfindungsschwerhörigkeit. Geräusche erreichen zwar das Innenohr, werden dort aber nicht mehr so vollständig verarbeitet wie früher.
Eine wissenschaftliche Übersicht zu den Mechanismen der Altersschwerhörigkeit zeigt, dass Alterungsprozesse, genetische Faktoren und äußere Belastungen dabei zusammenspielen.
Typischerweise gehen zunächst höhere Frequenzen verloren. Das betrifft beispielsweise Vogelstimmen, aber auch wichtige Bestandteile unserer Sprache.
Konsonanten wie s, f, sch oder t können zunehmend verschwimmen. Man hört also durchaus, dass jemand spricht – versteht aber einzelne Wörter nicht mehr richtig.
Besonders deutlich wird das bei Hintergrundgeräuschen. Beim ruhigen Gespräch zu zweit klappt noch alles, bei einer Familienfeier oder im Restaurant wird Zuhören plötzlich anstrengend.
Typische Hinweise sind:
Der Satz „Die anderen sprechen einfach undeutlich“ ist dabei erstaunlich typisch.
Der Begriff Altersschwerhörigkeit klingt, als sei allein das Alter verantwortlich. Ganz so einfach ist es nicht.
Jahrzehntelange Lärmbelastung kann ebenso eine Rolle spielen wie genetische Faktoren, bestimmte Medikamente oder Erkrankungen. Auch Gefäß- und Stoffwechselerkrankungen werden als mögliche Einflussfaktoren untersucht.
Deshalb hören Menschen gleichen Alters durchaus unterschiedlich gut.
Eine Hörminderung kann auch ganz andere Ursachen haben. Manchmal steckt lediglich ein Pfropf aus Ohrenschmalz dahinter. Auch Mittelohrerkrankungen, Entzündungen oder Veränderungen am Trommelfell kommen infrage.
Deshalb sollte ein nachlassendes Gehör nicht vorschnell als Alterserscheinung abgetan werden.
Bei anhaltenden Beschwerden ist eine Untersuchung beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt sinnvoll.
Nach einem Gespräch über die Beschwerden untersucht die HNO-Ärztin oder der HNO-Arzt zunächst Gehörgang und Trommelfell.
Anschließend folgen Hörtests.
Bei der Tonaudiometrie werden Töne verschiedener Frequenzen abgespielt. Daraus entsteht das Audiogramm, das zeigt, in welchen Bereichen das Gehör nachgelassen hat.
Bei der Sprachaudiometrie geht es dagegen um eine Frage, die im Alltag oft wichtiger ist: Wie gut werden Wörter tatsächlich verstanden?
Ausführlicher erklären wir die Untersuchung in unserem Beitrag Hörverlust erkennen: Symptome, Hörtest und Behandlung.
Ist die Hörminderung dauerhaft, können Hörgeräte fehlende akustische Informationen teilweise wieder zugänglich machen.
Moderne Geräte machen nicht einfach alles lauter. Sie können einzelne Frequenzbereiche gezielt verstärken und versuchen, Sprache besser von störenden Geräuschen zu unterscheiden.
Eine Cochrane-Auswertung zur Hörgeräteversorgung zeigte unter anderem Verbesserungen der hörbezogenen Lebensqualität und der Fähigkeit, Gesprächen zu folgen.
Entscheidend bleibt aber die individuelle Einstellung.
Wer längere Zeit schlechter gehört hat, erlebt mit einem neuen Hörgerät manchmal eine kleine Überraschung: Papier raschelt plötzlich laut, Geschirr klappert und sogar die eigene Stimme klingt anders.
Das ist nicht ungewöhnlich.
Das Gehirn muss sich erst wieder an Geräusche gewöhnen, die lange kaum wahrgenommen wurden. Deshalb sind regelmäßiges Tragen und Nachjustierungen wichtig.
Ist ein Hörgerät dauerhaft unangenehm, sollte man sich allerdings nicht einfach damit abfinden. Oft lässt sich die Einstellung verbessern.
Bei sehr starkem Innenohr-Hörverlust kann ein herkömmliches Hörgerät irgendwann nicht mehr genügend Sprachverständnis ermöglichen.
Dann kann ein Cochlea-Implantat infrage kommen. Dabei wird der Hörnerv über Elektroden im Innenohr elektrisch stimuliert.
Ob diese Behandlung geeignet ist, muss in einem spezialisierten Zentrum geprüft werden.
Altersschwerhörigkeit lässt sich nicht vollständig verhindern. Das Gehör kann aber geschützt werden.
Vor allem starke oder dauerhafte Lärmbelastung sollte vermieden werden. Bei lauten Arbeiten, Konzerten oder anderen hohen Schallpegeln hilft geeigneter Gehörschutz.
Und noch etwas ist wichtig: Veränderungen nicht jahrelang ignorieren. Wer schlechter versteht, muss nicht warten, bis Gespräche nur noch mühsam möglich sind.
Schwerhörigkeit betrifft nicht nur die Ohren. Wer Gesprächen kaum noch folgen kann, zieht sich manchmal unbewusst zurück oder meidet größere Runden.
Eine systematische Auswertung zu Hörverlust, Einsamkeit und sozialer Isolation zeigt, dass diese Faktoren miteinander verbunden sein können.
Auch der mögliche Zusammenhang zwischen Hörverlust und Demenz wird intensiv erforscht. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag Hörverlust und Demenz: Wie gutes Hören das Gehirn im Alter schützen kann.
Eine typische Altersschwerhörigkeit entwickelt sich langsam. Ein Hörverlust, der plötzlich auftritt oder nur ein Ohr betrifft, passt nicht in dieses Bild.
Auch bei starkem Schwindel, Ohrenschmerzen, Ausfluss oder nach einem Knall beziehungsweise Unfall sollte das Gehör rasch ärztlich untersucht werden.
Altersschwerhörigkeit gehört zum Älterwerden – sie muss aber nicht einfach hingenommen werden.
Ein Hörtest schafft Klarheit. Und wenn eine Hörhilfe sinnvoll ist, kann eine gute Anpassung Gespräche wieder deutlich leichter machen.
Oft merkt man erst dann, wie viel Energie das ständige Raten und Ergänzen vorher gekostet hat.
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