Für Menschen, deren Haut, Augen oder Atemwege auf chloriertes Poolwasser empfindlich reagieren, kann ein Naturbad eine angenehme Alternative sein. Denn hier wird auf die klassische Desinfektion mit Chlor verzichtet. Ganz ohne gesundheitliche Risiken ist das naturnahe Badevergnügen allerdings nicht.
Baden ohne typischen Chlorgeruch und trotzdem in einer kontrollierten Badeanlage? Genau das bieten Naturbäder. In Deutschland gibt es zahlreiche öffentliche Naturfreibäder, daneben finden sich Naturpools und Schwimmteiche beispielsweise in Hotel-, Camping- und Freizeitanlagen.
Anders als im klassischen Schwimmbad wird das Wasser nicht dauerhaft mit Chlor desinfiziert. Die Aufbereitung erfolgt je nach Anlage über biologische und mechanische Filtersysteme, häufig ergänzt durch bepflanzte Regenerations- oder Aufbereitungsbereiche.
Das macht Naturbäder vor allem für Menschen interessant, die Chlorgeruch oder chloriertes Wasser als unangenehm empfinden. Doch „natürlich“ bedeutet nicht automatisch keimfrei oder für jeden Menschen besser geeignet.
Der entscheidende Unterschied ist die Wasseraufbereitung. In klassischen Schwimmbädern sorgt eine kontinuierliche Desinfektion dafür, Mikroorganismen möglichst zuverlässig zu reduzieren. Dabei können allerdings Reaktionsprodukte wie Chloramine entstehen, wenn Chlor mit Schweiß, Hautpartikeln und anderen organischen Stoffen reagiert.
Gerade diese Chloramine sind häufig für den typischen Schwimmbadgeruch sowie gereizte Augen, Haut oder Atemwege verantwortlich. Das kann insbesondere Menschen betreffen, die ohnehin unter Asthma oder empfindlichen Atemwegen leiden.
Naturbäder vermeiden diese chlorbedingten Reizstoffe. Dafür muss ihre biologische Wasseraufbereitung mit wechselnden äußeren Einflüssen zurechtkommen.
Allerdings sollte man auch das klassische Schwimmbad nicht mit einem keimfreien Raum verwechseln. Chlor tötet viele Krankheitserreger zuverlässig ab, aber nicht jeden sofort. Einige Erreger können länger im Wasser überleben. Ein bekanntes Beispiel ist der Parasit Cryptosporidium, der gegenüber Chlor ausgesprochen widerstandsfähig ist. Deshalb spielen neben der Wasseraufbereitung auch das Verhalten der Badegäste und die allgemeine Hygiene eine Rolle. Die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC erklärt die wichtigsten Regeln für gesundes Schwimmen.
Die Risiken unterscheiden sich teilweise deutlich von denen eines chlorierten Schwimmbads. Entscheidend sind vor allem Wasserqualität, Mikroorganismen, individuelle Allergien und die jeweilige Anlage.
Naturbäder sind keine sterilen Systeme. Das Wasser enthält natürlicherweise Mikroorganismen, von denen die meisten für gesunde Menschen kein Problem darstellen.
Bei hohen Temperaturen, starker Nutzung oder einer Überlastung der biologischen Wasseraufbereitung kann die Keimbelastung jedoch steigen. Als wichtige hygienische Indikatoren gelten unter anderem Escherichia coli und Enterokokken.
Eine Untersuchung von vier Naturbädern zeigte beispielsweise, dass drei der untersuchten Anlagen zeitweise die empfohlenen Werte für E. coli oder Enterokokken überschritten. Daraus lässt sich kein generelles Risiko für Naturbäder ableiten, wohl aber die Bedeutung einer gut funktionierenden Wasseraufbereitung.
Besonders vorsichtig sollten Menschen mit offenen Wunden, frisch gestochenen Piercings oder deutlich geschwächtem Immunsystem sein.
Gut zu wissen: Chlorfrei bedeutet nicht automatisch hygienisch schlechter – aber die Sicherheitsmechanismen unterscheiden sich vom klassischen Schwimmbad.
Ein Naturbad kann für Menschen angenehm sein, die chloriertes Wasser schlecht vertragen. Andere Allergieauslöser verschwinden dadurch jedoch nicht.
Rund um naturnahe Badeanlagen finden sich häufig:
Wer unter einer ausgeprägten Pollenallergie oder einer Insektengiftallergie leidet, sollte deshalb auch im Naturbad aufmerksam bleiben.
Viele Badegäste empfinden chlorfreies Wasser als angenehmer für Haut und Augen. Eine Garantie gegen Hautreaktionen ist das jedoch nicht.
Empfindliche Menschen können beispielsweise auf:
mit Juckreiz, Rötungen oder Hautreizungen reagieren.
Besonders aufmerksam sollten Menschen mit Neurodermitis, sehr trockener oder bereits geschädigter Haut sowie akuten Ekzemen sein. Entscheidend ist weniger die Bezeichnung „Naturbad“ als vielmehr, wie die eigene Haut auf das konkrete Wasser reagiert.
Auch die Ohren können nach längerem Baden Probleme machen. Bleibt Wasser längere Zeit im äußeren Gehörgang, wird die Haut aufgeweicht und damit anfälliger für Entzündungen. Dieses als „Schwimmerohr“ bekannte Problem kann sowohl im Naturbad als auch im klassischen Schwimmbad auftreten.
Ein Punkt wird beim Vergleich von Naturbad und Schwimmbad gerne übersehen: Nicht alle typischen „Schwimmbadinfektionen“ kommen aus dem Wasser.
Fußpilz und Dornwarzen werden vor allem auf feuchten Flächen zum Thema – etwa in Duschen, Umkleiden und rund um das Becken. Pilze fühlen sich in einer warmen und feuchten Umgebung besonders wohl, während aufgeweichte oder kleine verletzte Hautstellen das Eindringen erleichtern können.
Das betrifft klassische Schwimmbäder ebenso wie Naturbäder mit gemeinschaftlich genutzten Duschen und Umkleiden.
Die einfachste Vorsorge ist unspektakulär:
Zusätzliche Desinfektionsmittel für Hände und Füße sind für gesunde Badegäste dagegen normalerweise nicht notwendig.
Naturbäder werden häufig weniger stark erwärmt als klassische Schwimmbecken. Gerade an kühleren Tagen kann das Wasser deshalb deutlich frischer sein.
Längere Aufenthalte in kaltem Wasser können:
Das gilt besonders für Kinder, ältere Menschen und Personen mit bekannten Herz-Kreislauf-Problemen.
Ein Naturbad ist Teil einer belebten Umgebung. Dazu gehören je nach Anlage auch:
Die meisten dieser Tiere sind für Badegäste harmlos. Wasservögel können durch ihre Ausscheidungen allerdings zusätzliche Mikroorganismen ins Wasser eintragen. Für Menschen mit einer schweren Insektengiftallergie kann außerdem die naturnahe Umgebung ein zusätzliches Risiko darstellen.
Naturbäder haben häufig Stege, Naturstein, Holzflächen oder naturnah gestaltete Uferbereiche.
Dadurch können:
Das Risiko für Stürze, kleinere Schnittverletzungen oder Prellungen kann deshalb höher sein als bei einem vollständig gefliesten Schwimmbecken.
Ob Naturbad oder gechlortes Schwimmbecken: Ein Teil der Wasserqualität hängt auch von den Badegästen selbst ab.
Wer akuten Durchfall oder eine ansteckende Erkrankung hat, sollte nicht schwimmen gehen. Vor dem Baden kurz zu duschen reduziert Schweiß, Kosmetika und andere Verunreinigungen, die sonst im Wasser landen. Und so banal es klingt: Badewasser sollte möglichst nicht geschluckt werden.
Nasse Badesachen nach dem Schwimmen zu wechseln und sich gründlich abzutrocknen, ist ebenfalls sinnvoll – vor allem bei kühlerem Wetter.
Damit verschwinden nicht sämtliche Risiken. Man kann sie aber mit sehr einfachen Mitteln deutlich reduzieren.
Ein Naturbad kann eine gute Alternative sein für Menschen,
Eine Erkrankung wie Asthma, Neurodermitis oder eine Allergie ist jedoch kein automatischer Grund, grundsätzlich das Naturbad dem Schwimmbad vorzuziehen. Entscheidend ist die individuelle Reaktion.
Besondere Aufmerksamkeit ist sinnvoll bei:
Auch im Naturbad gilt deshalb: Wasserqualität und Pflege der Anlage sind wichtiger als das Etikett „natürlich“.
Naturbad oder klassisches Schwimmbad – einen eindeutigen gesundheitlichen Sieger gibt es nicht. Naturbäder kommen ohne die übliche Chlordesinfektion aus und können deshalb für Menschen angenehmer sein, die auf Chloramine mit gereizten Augen, Haut oder Atemwegen reagieren.
Dafür ist das Wasser Teil eines biologischen Systems und kann stärker auf Hitze, hohe Besucherzahlen und äußere Einflüsse reagieren. Ein gut gepflegtes und regelmäßig kontrolliertes Naturbad kann deshalb eine attraktive Alternative zum klassischen Freibad sein – chlorfrei bedeutet jedoch nicht automatisch risikofrei.
Wer möglichst gleichbleibende Wasserbedingungen und ein technisch kontrolliertes Becken bevorzugt, wird sich eher im klassischen Schwimmbad wohlfühlen. Wer Natur, Pflanzen und chlorfreies Baden schätzt, dürfte dagegen im Naturbad auf seine Kosten kommen.