Mit den steigenden Temperaturen im Frühjahr wächst die Lust auf Bewegung im Freien. Joggen, Radfahren, Fußball oder ausgedehnte Spaziergänge stehen jetzt wieder hoch im Kurs. Gleichzeitig häufen sich aber Beschwerden des Bewegungsapparats, die meist ohne konkreten Unfall auftreten. Ursache ist häufig ein zu schneller Trainingsstart nach einer bewegungsärmeren Winterphase. Besonders anfällig sind Knie, Achillessehne, Muskulatur, Füße, Schienbein und Rücken, da diese Bereiche sensibel auf ungewohnte Belastungen reagieren.
„Der Körper funktioniert nicht wie ein Schalter, den man einfach von Pause auf Höchstleistung umlegt“, erklärt Sven Lindner, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. Sehnen, Bänder, Muskeln und Gelenke benötigen Zeit, um sich an sportliche Aktivitäten anzupassen.
Während der Wintermonate sinkt bei vielen das Aktivitätsniveau und die Routinen verändern sich. Wer im Frühling direkt mit intensiven Einheiten wie langen Läufen, anspruchsvollen Radtouren oder schnellen Richtungswechseln im Teamsport beginnt, riskiert Überlastungsreaktionen. Diese entwickeln sich oft schleichend: Ein leichtes Ziehen nach dem Training wird ignoriert und kann sich rasch zu anhaltenden Schmerzen entwickeln, die sowohl den Sport als auch den Alltag beeinträchtigen.
Ein nachhaltiger Wiedereinstieg basiert nicht auf Ehrgeiz sondern auf Regelmäßigkeit und einem angepassten Tempo. Es hat sich gezeigt, dass kürzere, planbare Trainingseinheiten effektiver sind als seltene Belastungsspitzen. Ein gezieltes Aufwärmen bringt den Kreislauf und die Muskulatur in Schwung, bevor Intensität und Tempo gesteigert werden. Ergänzend hilft ein Stabilitätstraining für Rumpf, Hüfte und Beine, um die Gelenke – insbesondere die Knie und den Rücken – zu entlasten.
Gerade zu Beginn empfiehlt es sich, mit moderater Intensität und höheren Wiederholungszahlen zu trainieren. Die Trainingsbelastung sollte dann schrittweise gesteigert werden. Dehnübungen nach dem Sport können zudem Spannungsgefühle reduzieren und Muskelkater lindern.
Im Frühling verlagert sich das Training meist nach draußen. Härtere Untergründe wie Asphalt oder Parkwege sowie der Wechsel vom Hallensport ins Freie erhöhen die Belastung zusätzlich. Abgenutzte Schuhe, ungewohnte Bewegungsabläufe oder zu kurze Erholungsphasen können Beschwerden begünstigen.
Typischerweise treten die Schmerzen nicht während der Belastung, sondern erst am Folgetag auf. Dies deutet darauf hin, dass der Körper mehr Zeit für die Anpassung benötigt. In solchen Fällen sollte die Trainingsintensität reduziert und die Regenerationszeit verlängert werden. Nach Abklingen der Beschwerden kann die Belastung langsam wieder gesteigert werden. Wer trotz Schmerzen weitertrainiert, erhöht das Risiko für Verletzungen an Muskeln, Sehnen und Bändern.
Nicht jeder Schmerz ist besorgniserregend. Eine ärztliche Untersuchung empfiehlt sich jedoch, wenn Beschwerden zunehmen oder länger bestehen bleiben. Warnsignale sind unter anderem Schwellungen, Instabilität im Gelenk, Schmerzen in Ruhe oder nachts sowie Taubheitsgefühle, Kribbeln oder ausstrahlende Schmerzen.
Auch wenn sich trotz Trainingspause und Anpassungen keine Besserung zeigt, kann eine gezielte Diagnostik sinnvoll sein. So lassen sich Ursachen klären und längere Ausfallzeiten vermeiden. „Wer frühzeitig reagiert, verhindert oft, dass aus einer leichten Reizung eine langwierige Verletzung entsteht“, betont Lindner. Häufig genügt bereits eine Anpassung von Trainingsumfang, Technik und Kräftigungsübungen. In einigen Fällen kann eine kurzfristige Behandlung helfen, entzündliche Prozesse zu reduzieren.