Wandern bringt den Kreislauf in Schwung, trainiert die Ausdauer und macht den Kopf frei. Damit aus der Tour tatsächlich Erholung statt Strapaze wird, sollten Route, Kondition und Ausrüstung allerdings zusammenpassen. Denn viele Probleme am Berg entstehen nicht durch spektakuläre Unfälle, sondern durch Müdigkeit, falsche Selbsteinschätzung oder schlicht die falschen Schuhe.
Wandern ist Ausdauertraining ohne komplizierte Technik: Man braucht weder Fitnessstudio noch Sportplatz und kann Belastung und Tempo relativ gut an die eigene Leistungsfähigkeit anpassen. Vor allem Herz, Kreislauf, Beinmuskulatur und Stoffwechsel profitieren von der regelmäßigen Bewegung.
Eine randomisierte österreichische Studie zeigte beispielsweise, dass regelmäßiges Wandern bei Männern mit metabolischem Syndrom verschiedene Herz-Kreislauf- und Stoffwechselparameter verbessern kann.
Auch der Kopf wandert mit. Dass Bewegung in der Natur auch der Psyche guttun kann, bestätigt eine systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse: Naturspaziergänge zeigten positive Effekte auf depressive und Angstsymptome.
Mehr über die gesundheitlichen Effekte finden Sie in unserem Beitrag „Wandern für die Gesundheit: Wie Bewegung in der Natur Körper & Geist stärkt“.
Ob Strandwanderung, Mittelgebirge oder Alpen: Eine Tour sollte nicht danach ausgewählt werden, was auf Fotos besonders beeindruckend aussieht, sondern danach, was die Gruppe tatsächlich bewältigen kann.
Vor dem Start deshalb kurz prüfen:
Touren-Apps sind dabei hilfreich, kennen aber weder die eigene Kondition noch volle Wege, Hitze, rutschige Passagen oder die Länge der Mittagspause. Deshalb besser großzügig planen.
Der Deutsche Alpenverein empfiehlt, bei der Tourenplanung immer Verhältnisse, Gelände und Mensch gemeinsam zu betrachten. Gerade im Gebirge können sich Wetter und Wegverhältnisse schnell ändern.
Auch Hitze und Gewitter gehören inzwischen besonders aufmerksam in die Planung. Der Alpenverein weist darauf hin, dass sich Bedingungen in den Alpen durch hohe Temperaturen teilweise innerhalb kurzer Zeit verändern können.
Die Ausrüstung richtet sich natürlich nach Strecke, Jahreszeit und Gelände. Ein paar Dinge sollten aber fast immer dabei sein:
Gerade bei älteren Wanderschuhen lohnt sich vor der ersten Tour ein genauer Blick auf Sohlen und Verklebungen. Nach langer Lagerung können sich Sohlen tatsächlich lösen. Auch der Deutsche Alpenverein empfiehlt deshalb einen regelmäßigen Ausrüstungscheck.
Und bitte neue Wanderschuhe nicht auf einer Acht-Stunden-Tour einlaufen. Druckstellen machen sich meistens genau dann bemerkbar, wenn der Rückweg noch lang ist. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag „Wandern, aber bitte ohne Blasen!“.
Trekkingstöcke können auf unebenem Untergrund das Gleichgewicht unterstützen und beim Abstieg einen Teil der Belastung von den Beinen übernehmen.
Biomechanische Untersuchungen zeigen, dass Wanderstöcke beim Bergabgehen Kräfte und Belastungsspitzen an den unteren Extremitäten reduzieren können. Sie ersetzen allerdings weder Trittsicherheit noch ein angepasstes Tempo.
Wichtig ist außerdem die richtige Länge: Beim Abstieg werden verstellbare Stöcke meist etwas länger eingestellt als beim Aufstieg.
Viele Wanderunfälle passieren nicht auf dem Gipfel, sondern auf dem Rückweg. Die Konzentration lässt nach, die Beinmuskeln sind müde und auf losem Schotter oder nassen Wurzeln genügt manchmal ein unachtsamer Schritt.
Der Deutsche Alpenverein nennt Ausrutschen und Stolpern als häufige Ursachen von Wanderunfällen und warnt ausdrücklich davor, dass Müdigkeit und zu hohes Tempo die Trittsicherheit verschlechtern.
Deshalb gilt: lieber einmal mehr stehen bleiben, trinken und etwas essen, als die letzten Kilometer mit schweren Beinen „durchziehen“.
Ein falscher Tritt kann schnell zu einer Zerrung oder Verletzung am Sprunggelenk führen. Dann sollte die Belastung zunächst beendet und die betroffene Stelle geschont werden.
Bei leichten Verletzungen können ein Kompressionsverband, Hochlagern und vorsichtiges Kühlen gegen Schmerzen und Schwellung helfen. Entscheidend ist aber, die Situation realistisch einzuschätzen.
Nicht einfach weiterlaufen sollte man bei:
Ist ein sicherer Rückweg nicht mehr möglich, sollte Hilfe gerufen werden. In Deutschland und weiten Teilen Europas ist die 112 die richtige Notrufnummer.
Kleinere Schürfwunden können unterwegs mit sauberem Wasser gereinigt und anschließend steril abgedeckt werden. Bei tiefen oder stark verschmutzten Wunden sollte auch an den Tetanusschutz gedacht werden.
Ein einfacher blauer Fleck nach einem harmlosen Stoß dagegen ist normalerweise noch kein Grund für einen Arztbesuch. Bei starken Schmerzen, zunehmender Schwellung oder Bewegungseinschränkungen sollte die Verletzung jedoch abgeklärt werden.
Wer im Hochgebirge unterwegs ist, sollte die akute Höhenkrankheit kennen. Relevant wird sie vor allem bei nicht akklimatisierten Menschen ab einer Schlafhöhe von ungefähr 2.500 Metern, gelegentlich auch darunter.
Entscheidend sind vor allem die erreichte Höhe und wie schnell aufgestiegen wird. Gute Kondition schützt übrigens nicht vor Höhenkrankheit.
Typische erste Beschwerden sind:
Treten solche Symptome in größerer Höhe auf, sollte nicht weiter aufgestiegen werden. Werden die Beschwerden stärker, ist der Abstieg die wichtigste Maßnahme.
Alarmzeichen wie Atemnot in Ruhe, ausgeprägte Gangunsicherheit, Verwirrtheit oder Bewusstseinsstörungen können auf ein Höhenlungen- oder Höhenhirnödem hindeuten. Dann handelt es sich um einen medizinischen Notfall: sofort absteigen beziehungsweise Bergrettung verständigen. Aktuelle internationale Leitlinien empfehlen deshalb vor allem einen ausreichend langsamen Aufstieg und genügend Zeit zur Akklimatisation.
Der Gipfel läuft nicht weg. Wer merkt, dass Kondition, Wetter oder Wegverhältnisse heute nicht passen, sollte umkehren – auch wenn das Ziel schon scheinbar zum Greifen nah ist.
Denn die beste Wandertour ist nicht die mit den meisten Höhenmetern, sondern die, nach der man müde, zufrieden und vor allem gesund wieder nach Hause kommt.verletz
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