Dass Ernährung etwas mit Gesundheit zu tun hat, ist keine neue Erkenntnis. Doch wie stark sie selbst bei bereits bestehender Herzerkrankung wirken kann, zeigt eine spanische Langzeitstudie besonders eindrucksvoll. Die sogenannte CORDIOPREV-Studie kommt zu einem Ergebnis, das für viele Herzpatienten relevant sein dürfte: Eine mediterrane Ernährung kann das Risiko weiterer schwerer Herz-Kreislauf-Ereignisse senken.
Gemeint ist keine komplizierte Spezialdiät, sondern eine Ernährungsweise, die im Grunde erstaunlich bodenständig ist: viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Nüsse, Fisch und vor allem hochwertiges Olivenöl. Weniger Platz haben dagegen rotes Fleisch, Wurstwaren, Süßigkeiten, Fertiggerichte und stark gesalzene Lebensmittel.
An CORDIOPREV nahmen 1.002 Menschen mit koronarer Herzkrankheit teil. Bei ihnen waren die Herzkranzgefäße bereits geschädigt oder verengt. Das macht die Untersuchung so wichtig: Hier ging es nicht nur um allgemeine Vorbeugung, sondern um Menschen, die bereits ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder andere Gefäßprobleme hatten.
Die Teilnehmer wurden nach dem Zufallsprinzip zwei Gruppen zugeteilt. Die eine Gruppe ernährte sich mediterran, mit reichlich nativem Olivenöl extra. Die andere Gruppe folgte einer fettarmen Ernährung, die ebenfalls als gesund galt. Damit war der Vergleich besonders streng. Die mediterrane Kost musste sich nicht gegen Fast Food oder schlechte Alltagskost behaupten, sondern gegen eine durchaus vernünftige Ernährungsform.
Über sieben Jahre beobachteten die Forscher, wie häufig schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse auftraten. Dazu zählten unter anderem Herzinfarkt, Schlaganfall, Gefäßeingriffe, Durchblutungsstörungen der Beine und Tod durch Herz-Kreislauf-Ursachen.
Das Ergebnis: In der mediterranen Gruppe traten 87 Ereignisse auf, in der fettarmen Gruppe 111. Besonders deutlich war der Unterschied bei Männern. Bei Frauen zeigte sich kein klarer Vorteil, was allerdings vorsichtig bewertet werden muss, da deutlich weniger Frauen an der Studie teilnahmen.
Der Nutzen der mediterranen Ernährung liegt vermutlich nicht in einem einzelnen Lebensmittel. Es ist das Gesamtbild, das zählt. Olivenöl liefert günstige ungesättigte Fettsäuren und Pflanzenstoffe. Nüsse bringen wertvolle Fette, Eiweiß und Mineralstoffe. Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte liefern Ballaststoffe. Gemüse und Obst enthalten zahlreiche bioaktive Substanzen, die im Körper an Entzündungs- und Stoffwechselprozessen beteiligt sind.
Gerade bei Arteriosklerose ist das wichtig. Denn verkalkte Gefäße sind nicht einfach nur „verstopfte Leitungen“. In den Gefäßwänden laufen entzündliche Prozesse ab. Ablagerungen können instabil werden, aufreißen und dann einen Herzinfarkt oder Schlaganfall auslösen. Eine Ernährung, die Entzündungen, Blutfette, Blutdruck und Gefäßfunktion günstig beeinflusst, kann daher mehr sein als nur ein netter Zusatz zur Therapie.
Die CORDIOPREV-Daten sprechen dafür, dass mediterrane Kost genau an diesen Stellen ansetzt. Sie kann die Gefäßfunktion verbessern, entzündliche Prozesse dämpfen und möglicherweise das Fortschreiten der Arteriosklerose bremsen.
Lange wurde Herzpatienten vor allem geraten, Fett zu sparen. Das war verständlich, greift aber zu kurz. Heute weiß man: Entscheidend ist nicht nur, wie viel Fett jemand isst, sondern aus welchen Quellen es stammt.
Fett aus Olivenöl, Nüssen oder Fisch hat eine andere Wirkung als Fett aus Wurst, Frittiertem oder stark verarbeiteten Produkten. Genau diesen Unterschied macht CORDIOPREV sichtbar. Eine Ernährung mit hochwertigem Olivenöl war der fettarmen Kost überlegen, obwohl auch diese als gesund angelegt war.
Für den Alltag ist das eine wichtige Botschaft: Herzgesund essen bedeutet nicht, möglichst trocken und fettfrei zu essen. Es bedeutet, gute Fettquellen bewusst einzusetzen und ungünstige zu reduzieren.
Niemand muss von heute auf morgen perfekt mediterran leben. Sinnvoller sind dauerhafte Veränderungen, die in den eigenen Alltag passen. Wer häufiger mit Olivenöl kocht, regelmäßig Gemüse und Hülsenfrüchte isst, Nüsse als Snack wählt und Wurst oder rotes Fleisch reduziert, bewegt sich bereits in die richtige Richtung.
Auch einfache Gerichte können mediterran sein: Linsensalat mit Gemüse und Olivenöl, Vollkornbrot mit Tomaten, Fisch mit Ofengemüse, Bohnen mit Kräutern oder eine Handvoll Nüsse statt Keksen am Nachmittag. Entscheidend ist die Regelmäßigkeit, nicht die perfekte Inszenierung.
Wichtig bleibt: Wer bereits eine koronare Herzkrankheit hat, sollte Medikamente oder ärztliche Empfehlungen niemals eigenmächtig verändern. Ernährung ersetzt keine Therapie. Sie kann aber ein wirksamer Teil davon sein.
Das eigentliche Problem liegt selten im fehlenden Wissen allein. Viele Menschen wissen durchaus, dass Gemüse gesünder ist als Wurst und Süßigkeiten. Trotzdem bestimmen im Alltag oft Zeitdruck, Gewohnheiten, Preise, Geschmack und Bequemlichkeit den Speiseplan.
Deshalb sind Projekte wie E-DUCASS interessant. Das Programm aus Córdoba versucht, Ernährungswissen besonders in sozial benachteiligte Familien zu bringen. Nicht mit komplizierten Vorschriften, sondern mit einfachen Rezepten, günstigen Lebensmitteln, digitalen Angeboten und praktischer Begleitung. Erste Hinweise deuten darauf hin, dass solche alltagsnahen Programme die Herzgesundheit verbessern können.
Das ist ein wichtiger Punkt: Gesunde Ernährung darf nicht nur für Menschen erreichbar sein, die viel Zeit, Geld und Vorwissen haben. Wenn Prävention funktionieren soll, muss sie im normalen Leben bestehen.
Die CORDIOPREV-Studie zeigt eindrucksvoll, dass mediterrane Ernährung für Menschen mit koronarer Herzkrankheit mehr sein kann als eine allgemeine Gesundheitsempfehlung. Sie kann helfen, weitere schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse zu verhindern.
Besonders überzeugend ist, dass die mediterrane Kost nicht mit einer schlechten Ernährung verglichen wurde, sondern mit einer ebenfalls gesunden fettarmen Ernährung. Trotzdem schnitt sie besser ab.
Für Herzpatienten ist das eine ermutigende Nachricht. Der tägliche Speiseplan ist kein Nebenschauplatz, sondern ein Teil der Behandlung. Mediterrane Ernährung ist dabei weder Verzichtsprogramm noch Modediät. Sie ist eine genussvolle, gut untersuchte und alltagstaugliche Form, Herz und Gefäße langfristig zu unterstützen.
Ja. Auch eine gute Studie muss realistisch eingeordnet werden. Die meisten Teilnehmer waren Männer, daher sind die Ergebnisse für Frauen weniger sicher einzuschätzen. Außerdem wurden Menschen mit bereits bestehender koronarer Herzkrankheit untersucht. Die Aussagen gelten deshalb vor allem für Herzpatienten und nicht automatisch für völlig gesunde Menschen. Dennoch ist CORDIOPREV wegen des langen Beobachtungszeitraums von sieben Jahren und des Vergleichs mit einer ebenfalls gesunden fettarmen Ernährung besonders aussagekräftig.