Die Tage werden kürzer, in Bus und Bahn wird wieder gehustet und die ersten Kollegen fallen mit Fieber aus. Herbstzeit ist Infektzeit. Doch während eine gewöhnliche Erkältung meist nach wenigen Tagen überstanden ist, können Grippe, Corona oder RSV gerade für ältere Menschen ernsthafte Folgen haben. Und dann sind da noch die Pneumokokken – Bakterien, die unter anderem schwere Lungenentzündungen verursachen können.
Vier Erreger, vier Impfungen. Braucht man die tatsächlich alle? Und was hat sich bei den Empfehlungen für den Herbst 2026 geändert?
Entscheidend sind Alter, Gesundheitszustand und bisherige Impfungen. Mehrere Impfungen können häufig kombiniert werden.
Eine echte Grippe hat wenig mit einer gewöhnlichen Erkältung zu tun. Oft beginnt sie ganz plötzlich: hohes Fieber, heftige Kopf- und Gliederschmerzen, trockener Husten. Manche Betroffene brauchen Wochen, um wieder richtig auf die Beine zu kommen.
Besonders ältere Menschen und chronisch Kranke riskieren Komplikationen. Auch Herzinfarkte und andere Herz-Kreislauf-Probleme treten während und nach einer Influenza-Infektion häufiger auf.
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die jährliche Grippeimpfung allen Menschen ab 60 Jahren. Hinzu kommen Schwangere, chronisch Erkrankte, Bewohner von Pflegeeinrichtungen und bestimmte Berufsgruppen.
Weil sich Influenzaviren ständig verändern, wird der Impfstoff jede Saison neu angepasst. Die Impfung aus dem vergangenen Winter genügt deshalb nicht.
Für Menschen ab 60 empfiehlt die STIKO spezielle Hochdosis-Impfstoffe oder Impfstoffe mit einem Wirkverstärker. Sie sollen eine stärkere Immunantwort auslösen.
Idealerweise zwischen Oktober und Mitte Dezember. Etwa zwei Wochen benötigt der Körper, um den Schutz aufzubauen. Wer den Termin verpasst, kann sich auch später noch impfen lassen.
Mehr dazu in unserem Beitrag zur Grippeimpfung und den besonders gefährdeten Personengruppen.
Noch vor wenigen Jahren wurde praktisch jedem Erwachsenen geraten, seinen Corona-Impfschutz regelmäßig aufzufrischen. Inzwischen hat sich die Situation verändert. Die meisten Menschen besitzen durch Impfungen und durchgemachte Infektionen bereits eine gewisse Immunität.
Die STIKO hat deshalb im Juli 2026 ihre Empfehlungen angepasst: Eine jährliche Corona-Auffrischung wird gesunden Menschen jetzt erst ab 75 Jahren allgemein empfohlen. Bisher lag die Altersgrenze bei 60 Jahren.
Bedeutet das, dass jüngere Menschen keine Corona-Impfung mehr brauchen? Nicht unbedingt.
Wer an bestimmten chronischen Erkrankungen leidet, eine Immunschwäche hat oder in einer Pflegeeinrichtung lebt, kann weiterhin eine jährliche Auffrischung benötigen. Auch für bestimmte Beschäftigte im Gesundheitswesen gelten besondere Empfehlungen.
Gesunde Erwachsene unter 75 Jahren brauchen dagegen normalerweise keine jährliche Corona-Impfung mehr.
Wer sich im laufenden Jahr bereits nachweislich infiziert hat, benötigt bei intaktem Immunsystem häufig keine zusätzliche Auffrischung. Bei erhöhtem Risiko sollte die Entscheidung individuell getroffen werden.
Zwischen einer Infektion beziehungsweise der letzten Corona-Impfung und einer erneuten Impfung sollten möglichst sechs Monate liegen. Als günstiger Zeitpunkt gilt der Spätsommer oder frühe Herbst.
Das Respiratorische Synzytial-Virus, kurz RSV, kennen viele Eltern von kleinen Kindern. Doch auch ältere Menschen können schwer daran erkranken.
Anfangs wirkt die Infektion oft wie eine gewöhnliche Erkältung. Husten, Schnupfen und leichtes Fieber erscheinen harmlos. Bei geschwächtem Immunsystem oder vorgeschädigter Lunge kann sich daraus jedoch eine schwere Atemwegserkrankung entwickeln.
Die STIKO empfiehlt allen Menschen ab 75 Jahren eine einmalige RSV-Impfung. Zwischen 60 und 74 Jahren ist sie bei bestimmten schweren Grunderkrankungen oder für Bewohner von Pflegeeinrichtungen vorgesehen.
Eine leichte, gut eingestellte chronische Erkrankung ist allerdings nicht automatisch ein Grund für die Impfung.
Anders als bei der Grippe wird derzeit keine jährliche Auffrischung empfohlen. Ob später weitere Impfungen notwendig werden, ist noch offen.
Der beste Zeitpunkt liegt im Spätsommer oder frühen Herbst, bevor die RSV-Saison beginnt.
Für Säuglinge gibt es übrigens einen anderen Schutz: In ihrer ersten RSV-Saison erhalten sie vorbeugend spezielle Antikörper. Das ist eine passive Immunisierung, keine klassische Impfung.
Während Grippe und Corona regelmäßig Schlagzeilen machen, sind Pneumokokken vielen Menschen kaum ein Begriff. Dabei können diese Bakterien gefährliche Lungenentzündungen, Hirnhautentzündungen oder Blutvergiftungen verursachen.
Sie besiedeln häufig unbemerkt den Nasen-Rachen-Raum. Gelangen sie jedoch in die Lunge oder Blutbahn, kann es ernst werden.
Die STIKO empfiehlt die Pneumokokken-Impfung allen Menschen ab 60 Jahren. Bei bestimmten chronischen Erkrankungen oder einer Immunschwäche kann sie bereits früher sinnvoll sein.
Für Erwachsene wird üblicherweise eine einmalige Impfung mit dem Konjugatimpfstoff PCV20 empfohlen. Er schützt gegen 20 wichtige Pneumokokken-Typen.
Wer früher bereits geimpft wurde, sollte seinen Impfpass überprüfen lassen. Je nach verwendetem Impfstoff können unterschiedliche Abstände gelten.
Eine routinemäßige Auffrischung nach PCV20 ist derzeit nicht vorgesehen. Die Impfung kann übrigens das ganze Jahr über erfolgen.
Ausführliche Informationen finden Sie in unserem Beitrag zur Pneumokokken-Impfung ab 60 Jahren.
Nicht unbedingt. Mehrere Impfungen lassen sich häufig kombinieren.
Grippe- und Corona-Impfung können beispielsweise am selben Tag erfolgen. Auch Pneumokokken- und RSV-Impfstoffe können unter Berücksichtigung der jeweiligen Fachinformationen gleichzeitig mit anderen Impfstoffen verabreicht werden.
Geimpft wird an unterschiedlichen Einstichstellen, etwa in beide Oberarme.
Wer nach Impfungen häufig mit Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Fieber reagiert, kann die Termine auch aufteilen. Bei gleichzeitiger Verabreichung können solche vorübergehenden Reaktionen etwas stärker ausfallen.
Ein schmerzender Oberarm, Müdigkeit, Kopf- oder Muskelschmerzen gehören zu den häufigsten Impfreaktionen. Manchmal tritt leichtes Fieber auf. Meist verschwinden die Beschwerden innerhalb weniger Tage.
Schwere allergische Reaktionen sind selten. Wer schon einmal ungewöhnlich heftig auf einen Impfstoff reagiert hat, sollte dies vor dem nächsten Termin ansprechen.
Bei einer akuten schweren Erkrankung mit Fieber wird die Impfung normalerweise verschoben.
Wichtig: Keine Impfung verhindert jede Ansteckung. Gerade bei älteren und vorerkrankten Menschen geht es vor allem darum, schwere Krankheitsverläufe und gefährliche Komplikationen zu vermeiden.
Impfungen, die von der STIKO empfohlen und in die Schutzimpfungs-Richtlinie übernommen wurden, bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen grundsätzlich.
Erste Anlaufstelle ist meist die Hausarztpraxis. Grippe- und Corona-Impfungen sind unter bestimmten Voraussetzungen auch in Apotheken möglich.
Wer sich außerhalb der offiziellen Empfehlungen impfen lassen möchte, sollte die Kostenübernahme vorher klären.
Auch mit vollständigem Impfschutz kann man sich erkälten. Rhinoviren und zahlreiche andere Atemwegserreger werden durch die vier Impfungen nicht erfasst.
Regelmäßiges Lüften, gründliches Händewaschen und Abstand zu erkrankten Menschen bleiben deshalb sinnvoll. Wer selbst fiebert oder stark hustet, sollte möglichst zu Hause bleiben.
Bei Atemnot, Brustschmerzen oder einer deutlichen Verschlechterung des Allgemeinzustands ist rasche medizinische Hilfe wichtig.
Ein Blick in den Impfpass lohnt sich ohnehin: Oft lässt sich schon beim nächsten Hausarztbesuch klären, welche Impfungen fehlen und welche bereits ausreichend schützen.
Quellen und weiterführende Informationen
Redaktioneller Stand: Oktober 2026
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Coronaimpfung
Pneumokokken
Influenza