Sarkome gehören zu den am meisten unterschätzten Krebsarten. Sie sind selten, aggressiv, wachsen oft unbemerkt – und werden deshalb nicht selten erst in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert. Genau das macht sie so gefährlich.
Im Gegensatz zu den bekannten Krebsarten wie Brust-, Darm- oder Lungenkrebs entstehen Sarkome nicht aus Organen oder Schleimhäuten, sondern aus Binde-, Stütz- und Weichteilgewebe. Sie können praktisch überall im Körper auftreten: in Muskeln, Fettgewebe, Blutgefäßen, Knochen oder Nerven.
Sarkome zählen zu den sogenannten Rare Diseases (seltene Erkrankungen). In Europa gilt eine Krankheit als selten, wenn weniger als 5 von 10.000 Menschen betroffen sind. Sarkome machen insgesamt weniger als 1 % aller Krebserkrankungen bei Erwachsenen aus – bei Kindern liegt der Anteil etwas höher.
Gerade diese Seltenheit führt dazu, dass frühe Symptome häufig fehlinterpretiert oder unterschätzt werden. Ein schmerzloser Knoten, eine Schwellung oder ein Spannungsgefühl gelten oft lange als harmlos.
Typische Warnzeichen können sein:
Ein zentrales Problem: Sarkome verursachen in frühen Stadien kaum Schmerzen. Zudem fehlen spezifische Symptome. Studien zeigen, dass zwischen ersten Beschwerden und korrekter Diagnose häufig Monate bis Jahre vergehen.
Eine Analyse aus dem European Journal of Cancer belegt, dass die Prognose entscheidend davon abhängt, wie früh die Diagnose gestellt und wie spezialisiert die Behandlung erfolgt (Stiller et al., 2013).
Innerhalb der großen Gruppe der Sarkome nehmen Angiosarkome eine Sonderstellung ein. Sie entstehen aus Endothelzellen, also den Zellen, die Blut- und Lymphgefäße auskleiden.
Angiosarkome gelten als:
Besonders gefürchtet ist das epitheloide Angiosarkom, eine histologische Unterform mit oftmals ungünstiger Prognose.
In den meisten Fällen entsteht ein Angiosarkom spontan, ohne klar identifizierbaren Auslöser. Dennoch sind einige Risikokonstellationen gut dokumentiert.
Ein klassischer Zusammenhang besteht zwischen Angiosarkomen und langjährigem Lymphstau. Das sogenannte Stewart-Treves-Syndrom tritt typischerweise Jahre nach:
Ein gut belegter Risikofaktor ist eine frühere Strahlentherapie. Laut einer großen Übersichtsarbeit im Lancet Oncology entwickeln sich strahleninduzierte Angiosarkome meist 5 bis 15 Jahre nach der Bestrahlung – häufig exakt im bestrahlten Areal (Buehler et al., 2014).
Typische Auslöser:
Bestimmte Umwelt- und Berufsstoffe erhöhen nachweislich das Risiko für Angiosarkome:
Diese Zusammenhänge sind u. a. durch epidemiologische Studien der WHO und IARC belegt.
Seltene Erbkrankheiten mit gestörter DNA-Reparatur erhöhen das Sarkomrisiko deutlich:
Auch wenn sie nicht identisch sind, zeigen einige Tumoren ähnliche biologische Mechanismen:
Internationale Leitlinien (ESMO, NCCN) betonen klar: Sarkome gehören in erfahrene Zentren. Studien zeigen, dass Patienten dort signifikant bessere Überlebenschancen haben.
Die Behandlung ist fast immer multimodal:
Studien zeigen, dass eine unzureichende Erstoperation außerhalb spezialisierter Sarkom-Zentren die Prognose deutlich verschlechtern kann. Patienten, die von Beginn an in erfahrenen Referenzzentren behandelt werden, haben signifikant bessere Überlebens- und geringere Rezidivraten (NETSARC-Studie, Annals of Oncology).
Sarkome sind selten – aber genau das macht sie so gefährlich. Wer eine ungeklärte, wachsende Schwellung bemerkt, sollte nicht zögern, eine weiterführende Abklärung einzufordern.
Je früher ein Sarkom erkannt wird, desto größer sind die Heilungschancen. Aufklärung, Aufmerksamkeit und spezialisierte Versorgung sind dabei die entscheidenden Faktoren.
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