Sommer, Sonne, Freibad – und gemeinsam mit Hunderten anderen Menschen ins gleiche Wasser. Wer darüber etwas länger nachdenkt, kann durchaus ins Grübeln kommen. Schließlich landen nicht nur Sonnencreme und Schweiß im Becken, sondern auch Hautschuppen, Haare und kleinste Spuren von Ausscheidungen.
Trotzdem ist ein gut geführtes öffentliches Schwimmbad kein Tummelplatz für Krankheitserreger. Das Wasser wird laufend aufbereitet und desinfiziert. Chlor erledigt dabei einen großen Teil der Arbeit – aber eben nicht alles. Manche Probleme entstehen sogar weniger im Wasser als auf dem Weg dorthin: in Duschen, Umkleiden und auf feuchten Fliesen.
Chlor ist im Schwimmbad vor allem eines: unverzichtbar. Es reduziert Bakterien, Viren und andere Krankheitserreger und sorgt dafür, dass Tausende Menschen ein Becken benutzen können, ohne dass daraus regelmäßig eine Infektionsquelle wird.
Was viele nicht wissen: Der typische „Schwimmbadgeruch“ stammt nicht einfach von besonders viel Chlor. Chlor reagiert mit Schweiß, Hautschuppen, Urin und anderen organischen Stoffen. Dabei entstehen unter anderem Chloramine und Trihalogenmethane. Vor allem Trichloramin kann Augen, Nase, Rachen und Atemwege reizen, wie auch das Umweltbundesamt zur Wasserqualität in Schwimmbädern erklärt.
Duschen vor dem Sprung ins Becken ist deshalb keine übertriebene Bademeisterregel. Je weniger Schweiß, Kosmetika und andere Stoffe ins Wasser gelangen, desto weniger muss das Chlor damit reagieren.
Wer Chlor oder den typischen Schwimmbadgeruch schlecht verträgt, findet inzwischen auch Alternativen. Wie sich biologisch aufbereitete Bäder vom klassischen Pool unterscheiden, erklären wir im Beitrag Naturbad oder Schwimmbad: Was ist gesünder – und wo liegen die Risiken.
Die meisten Krankheitserreger werden durch korrekt eingestellte Desinfektion schnell unschädlich gemacht. Eine bekannte Ausnahme ist Cryptosporidium. Dabei handelt es sich – anders als früher häufig geschrieben – nicht um ein Bakterium, sondern um einen einzelligen Parasiten.
Seine widerstandsfähigen Dauerformen können selbst in chloriertem Wasser vergleichsweise lange überleben. Übertragen wird der Erreger fäkal-oral, also beispielsweise dann, wenn verunreinigtes Wasser unbeabsichtigt geschluckt wird. Das Robert Koch-Institut informiert ausführlich über Kryptosporidiose und empfiehlt Erkrankten ausdrücklich, Schwimmbäder zunächst zu meiden.
Daraus folgt eine der wichtigsten Schwimmbadregeln überhaupt: Wer Durchfall hat, gehört nicht ins Becken. Und Badewasser sollte man möglichst nicht schlucken.
Juckreiz oder Brennen im Intimbereich nach einem langen Badetag werden schnell dem Schwimmbadwasser zugeschrieben. Ganz so einfach ist es jedoch nicht.
Scheidenpilz und bakterielle Vaginose haben unterschiedliche Ursachen und entstehen nicht allein dadurch, dass eine Frau in einem öffentlichen Schwimmbad war. Langes Tragen feuchter, eng anliegender Badekleidung kann allerdings die Haut reizen und schafft ein feucht-warmes Milieu, das ohnehin vorhandene Beschwerden unangenehmer machen kann.
Wer häufiger Probleme hat, sollte nasse Badesachen deshalb nicht stundenlang anbehalten. Treten Juckreiz, Brennen, auffälliger Ausfluss oder Geruch auf, sollte geklärt werden, was tatsächlich dahintersteckt. Mehr dazu gibt es in unserem Beitrag über Scheidenpilz und bakterielle Vaginose.
Ähnlich verhält es sich mit Harnwegsinfekten. Die häufigsten Erreger einer Blasenentzündung sind Darmbakterien wie Escherichia coli, die über die eigene Harnröhre in die Blase gelangen. Frauen sind aufgrund ihrer kürzeren Harnröhre deutlich häufiger betroffen.
Ein Schwimmbadbesuch allein verursacht deshalb normalerweise keine Blasenentzündung. Wer jedoch nach dem Baden Brennen beim Wasserlassen, häufigen Harndrang oder Schmerzen im Unterbauch bemerkt, sollte die Beschwerden ernst nehmen. Näheres zu Ursachen und Behandlung erklären wir unter Blasenentzündung – was Frauen wirklich wissen wollen.
Rote Augen nach dem Schwimmen bedeuten ebenfalls nicht automatisch eine Bindehautentzündung. Häufig steckt schlicht eine Reizung durch Chloramine dahinter. Besonders empfindliche Augen können schon nach einem längeren Aufenthalt im Becken brennen, tränen oder gerötet sein.
Infektionen sind dennoch möglich. Vor allem Adenoviren können eine Bindehautentzündung verursachen und sich bei unzureichender Wasserdesinfektion auch über Schwimmbäder verbreiten. Die CDC weist deshalb ausdrücklich darauf hin, dass ausreichende Chlorwerte zur Verhinderung solcher Ausbrüche wichtig sind.
Verschwindet die Rötung nach einigen Stunden wieder, spricht vieles für eine Reizung. Bleiben die Beschwerden bestehen oder kommen Schmerzen, Lichtempfindlichkeit, starker Juckreiz oder verklebte Augen hinzu, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll.
Wer sich im Schwimmbad einen Fußpilz einfängt, hat ihn häufig nicht aus dem Beckenwasser. Pilze fühlen sich dort besonders wohl, wo viele nackte Füße auf warme, feuchte Böden treffen: in Duschen, Umkleiden oder rund um das Schwimmbecken.
Durch Wasser aufgeweichte Haut erleichtert Dermatophyten zusätzlich das Eindringen. Häufig beginnt eine Infektion zwischen den Zehen mit Juckreiz, Schuppung oder kleinen Hautrissen.
Die beste Vorsorge ist simpel: Badeschuhe tragen und die Füße nach dem Schwimmen gründlich trocknen – auch zwischen den Zehen. Mehr über typische Anzeichen und Behandlungsmöglichkeiten steht in unserem Artikel über Fußpilzkrankheiten.
Von Desinfektionsduschen für die Füße darf man dagegen keine Wunder erwarten. Badeschuhe und trockene Füße sind die verlässlichere Strategie.
Nach einem ausgedehnten Badetag kann auch der Gehörgang Ärger machen. Bleibt Wasser längere Zeit im Ohr, weicht die Haut auf. Kleine Verletzungen – beispielsweise durch Wattestäbchen oder Kratzen – erleichtern Bakterien anschließend das Eindringen.
Besonders häufig ist dabei Pseudomonas aeruginosa beteiligt. Typisch für die sogenannte Bade- oder Schwimmerotitis sind Juckreiz, Schmerzen und ein empfindlicher äußerer Gehörgang. Manchmal tritt auch Flüssigkeit aus dem Ohr aus.
Nach dem Baden sollte Wasser deshalb möglichst aus den Ohren ablaufen können. Mit Wattestäbchen sollte man allerdings nicht nachhelfen – sie können die empfindliche Haut des Gehörgangs zusätzlich verletzen. Die CDC gibt weitere Tipps zur Vorbeugung eines Schwimmerohrs.
Auch bei Warzen lohnt sich ein genauer Blick. Dornwarzen an den Fußsohlen werden durch humane Papillomviren (HPV) verursacht. Die Viren können über kleinste Hautverletzungen eindringen; barfuß genutzte feuchte Gemeinschaftsbereiche gelten deshalb als typische Orte, an denen eine Übertragung begünstigt werden kann.
Davon zu unterscheiden sind Dellwarzen. Sie werden durch Molluscum-contagiosum-Viren ausgelöst und treten besonders häufig bei Kindern auf. Die Übertragung erfolgt vor allem durch direkten Hautkontakt oder gemeinsam benutzte Gegenstände wie Handtücher – Dellwarzen sind also nicht einfach „Warzen, die man sich aus dem Schwimmbadwasser holt“.
Auch hier gilt: Badeschuhe tragen, eigene Handtücher benutzen und bestehende Hautveränderungen nicht aufkratzen.
Ein paar einfache Regeln reduzieren das Infektionsrisiko erheblich:
Gründliches Desinfizieren von Händen und Füßen nach jedem Schwimmbadbesuch ist für gesunde Menschen dagegen nicht notwendig. Entscheidend sind sauberes Badewasser, eine funktionierende Aufbereitung – und ein wenig Rücksicht der Badegäste untereinander.
Keime gibt es im Schwimmbad, genau wie praktisch überall, wo viele Menschen zusammenkommen. Ein ordentlich betriebenes öffentliches Schwimmbad ist deshalb aber noch lange kein Gesundheitsrisiko. Chlor und Wasseraufbereitung halten den größten Teil der Krankheitserreger zuverlässig in Schach.
Einige Erreger wie Cryptosporidium sind hartnäckiger, andere Probleme entstehen überhaupt erst außerhalb des Beckens. Wer duscht, kein Wasser schluckt, Badeschuhe trägt und bei Magen-Darm-Infekten auf den Schwimmbadbesuch verzichtet, hat deshalb schon ziemlich viel richtig gemacht.
Fußpilz
Harnwegsinfekt
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