Redaktion: Herr Dr. Coy, mit Ihrer Entdeckung des Gens TKTL1 haben Sie eine neue Perspektive auf Zucker und den menschlichen Stoffwechsel eröffnet. Was ist das Besondere an TKTL1?
Dr. Johannes Coy: TKTL1 ist ein Gen, das es Zellen ermöglicht, Zucker auf einem alternativen Weg zu verstoffwechseln – über Fermentation, also ohne Sauerstoff. Das schützt Zellen in sensiblen Phasen wie etwa bei der Zellteilung. Leider nutzen auch Krebszellen diesen Mechanismus, um sich zu vermehren, Therapien zu überleben und dem Immunsystem zu entkommen. Wenn wir verstehen, wie Krebszellen Zucker verwerten, können wir gezielt über unsere Ernährung gegensteuern und so gesund bleiben.
Redaktion: Was genau sind „intelligente Zucker“ – und wie unterscheiden sie sich von herkömmlichen Zuckerarten?
Dr. Coy: Intelligente Zucker wie Tagatose, Isomaltulose, Trehalose, Allulose, Mannose oder Galactose wirken anders als Glukose oder Fruktose. Sie lösen keine Blutzuckerspitzen aus, fördern den Fettstoffwechsel und wirken sogar entzündungshemmend. Krebspatienten können sogar Mannose und Galactose konsumieren, um die Chemo-, Strahlen- und Immuntherapien wirksamer zu machen und der Bildung von Metastasen entgegenzuwirken. Es ist heutzutage möglich, süß zu essen und dabei die Gesundheit zu fördern.
Redaktion: Können diese Zuckerarten auch bei bestehenden Erkrankungen wie Fettleber oder Diabetes helfen?
Dr. Coy: Ja, definitiv. Gerade bei nicht-alkoholischer Fettleber, einer der häufigsten Stoffwechselerkrankungen, ist der Verzicht auf Zucker, die den Blutzucker stark ansteigen lassen, sehr wichtig. Zudem ist es entscheidend, den Konsum von Fruchtzucker (Fruktose) maßvoll zu halten, da dieser Zucker zu einer Leberverfettung beiträgt. Trehalose und Tagatose, die keine Fruktose enthalten, sind damit intelligente Zuckeralternativen für Fruktose. Auch bei Typ-2-Diabetes sind diese beiden Zucker sehr hilfreich, den Blutzuckerspiegel zu stabilisieren und Insulinspitzen zu vermeiden. Das senkt zudem das Risiko für Diabetes-Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt und Alzheimer und verbessert die Lebensqualität.
Redaktion: Und wie sieht es im Bereich der Krebsprävention aus?
Dr. Coy: Die Ernährung spielt eine zentrale Rolle in der Krebsprävention. Wenn wir Zuckerarten vermeiden, die den TKTL1-Fermentationsstoffwechsel anregen, entziehen wir Krebszellen eine wichtige Grundlage. Einige intelligente Zucker, wie etwa Tagatose, fördern zudem das Wachstum gesunder Darmbakterien – das stärkt das Immunsystem und reduziert chronische Entzündungen, ein Risikofaktor für viele Krebsarten.
Redaktion: Welche praktischen Lösungen haben Sie auf Basis Ihrer Forschung entwickelt?
Dr. Coy: Hersteller können meine Zucker in ihre Produkte integrieren und mit dem Label „Dr. Coy’s SUGAR IS INSIDE“ kennzeichnen. Damit wissen Verbraucher:innen sofort, dass sie sich für eine gesunde Alternative entschieden haben – ohne versteckten, ungesunden Zucker und mit echtem gesundheitlichem Mehrwert. Erste Firmen wie NuPrevento bieten bereits Produkte wie Schokoriegel mit intelligenten Zuckerkombinationen an, die enorme gesundheitliche Vorteile bieten.
Redaktion: Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Ernährung?
Dr. Coy: Ich wünsche mir, dass die Menschen verstehen, dass es die Möglichkeit gibt, natürliche Zuckerarten auf intelligente Weise zu nutzen, ohne dabei auf Genuss zu verzichten. Wenn wir die Bedeutung von TKTL1 verstehen und die richtigen Zucker wählen, können wir die Gesundheit auf allen Ebenen stärken: vom Stoffwechsel über das Immunsystem bis zur geistigen Leistungsfähigkeit. Die Zukunft der Ernährung kann süß und gesund zugleich sein.
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