Kakao liefert Flavanole und andere interessante Pflanzenstoffe. Eine aktuelle Langzeitstudie deutet sogar darauf hin, dass bestimmte Menschen beim Thema Bluthochdruck profitieren könnten. Ganz ungetrübt ist das Bild trotzdem nicht: Kakaobohnen können Cadmium aus dem Boden aufnehmen.
Schokolade als Seelentröster – das funktioniert für viele erstaunlich zuverlässig. Dass dafür allein das im Kakao enthaltene Tryptophan verantwortlich ist, wäre allerdings zu einfach gedacht. Geschmack, Zucker, Fett, Duft und persönliche Vorlieben spielen mindestens ebenso mit.
Aus gesundheitlicher Sicht sind vor allem die Flavanole interessant. Diese sekundären Pflanzenstoffe werden seit Jahren im Zusammenhang mit Gefäßfunktion, Herz-Kreislauf-System und Gehirn untersucht. Mehr dazu lesen Sie bei gesundheit.com unter Flavanole und die positiven Folgen fürs Gehirn.
Eine aktuelle Langzeitstudie liefert dazu neue Daten.
Für die 2025 veröffentlichte COSMOS-Studie zu Kakao-Flavanolen und Bluthochdruck wurden 8.905 ältere Frauen und Männer betrachtet, die zu Studienbeginn noch keinen Bluthochdruck hatten. Sie erhielten entweder einen Kakaoextrakt oder ein Placebo
Der Extrakt enthielt täglich 500 Milligramm Kakao-Flavanole, darunter 80 Milligramm Epicatechin. Nach einer medianen Beobachtungszeit von 3,4 Jahren fiel das Gesamtergebnis zunächst eher nüchtern aus: Der Kakaoextrakt senkte das Risiko, einen Bluthochdruck zu entwickeln, nicht signifikant.
Interessant wurde es bei den Teilnehmern, deren systolischer Blutdruck anfangs unter 120 mmHg lag. In dieser Gruppe trat Bluthochdruck unter Kakaoextrakt rund 24 Prozent seltener auf. Bei Ausgangswerten zwischen 120 und 139 mmHg zeigte sich dieser Vorteil nicht.
Die Forscher vermuten daher, dass Kakao-Flavanole möglicherweise eher helfen könnten, eine noch gesunde Gefäßfunktion länger zu erhalten, als bereits erhöhte Blutdruckwerte zu korrigieren.
Genau hier sollte man aufpassen.
Die Studienteilnehmer bekamen einen standardisierten Extrakt mit definierter Flavanolmenge. Schokolade enthält je nach Sorte sehr unterschiedliche Mengen davon – zusätzlich aber Zucker, Fett und Kalorien.
Aus der Studie lässt sich deshalb nicht ableiten, dass täglicher Schokoladenkonsum vor Bluthochdruck schützt.
Wer seine Gefäße langfristig unterstützen möchte, fährt mit einer insgesamt pflanzenbetonten Ernährung besser. Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Nüsse und hochwertige Pflanzenöle liefern ebenfalls zahlreiche Polyphenole. Mehr dazu finden Sie in unserem Beitrag zur entzündungshemmenden Ernährung.
Kakao bringt nicht nur erwünschte Stoffe aus dem Boden mit.
Die Pflanzen können auch Cadmium aufnehmen und in den Bohnen anreichern. Das Schwermetall kann natürlicherweise im Boden vorkommen; wie viel davon in die Bohne gelangt, hängt unter anderem von Herkunft, Bodenbeschaffenheit und Kakaosorte ab.
Cadmium ist problematisch, weil es sich bei langfristiger Aufnahme im Körper anreichern und insbesondere Nieren und Knochen belasten kann. Für Lebensmittel gelten deshalb Höchstwerte.
Nicht unbedingt.
Ein hoher Kakaoanteil bedeutet meist weniger Zucker und mehr kakaotypische Pflanzenstoffe. Gleichzeitig stammt aber auch das Cadmium aus dem Kakao. Mehr Kakao ist deshalb nicht automatisch in jeder Hinsicht besser.
Für Schokolade mit mindestens 50 Prozent Kakao liegt der EU-Höchstwert für Cadmium bei 0,80 mg/kg, für Kakaopulver bei 0,60 mg/kg. Die EU-Kommission informiert ausführlich über Cadmium in Kakao und Schokolade.
Das heißt allerdings nicht, dass dunkle Schokolade grundsätzlich stark belastet ist. Herkunft der Bohnen, Mischung verschiedener Chargen und Verarbeitung beeinflussen die Werte ebenfalls.
Bereits frühere Untersuchungen des Helmholtz-Zentrums Berlin zeigten, dass Mineralstoffe und Schwermetalle innerhalb der Kakaobohne unterschiedlich verteilt sind.
Mit bildgebenden Röntgenverfahren ließ sich zudem erkennen, dass sich diese Verteilung beim Rösten verändert. Für Hersteller ist das interessant: Je genauer man weiß, wo unerwünschte Metalle sitzen und wie Verarbeitungsschritte sie beeinflussen, desto gezielter könnten Belastungen künftig reduziert werden.
Die Antwort ist weniger spektakulär, dafür ehrlicher: Kakao ist weder Wundermittel noch Problemlebensmittel.
Die Bohne enthält interessante Pflanzenstoffe, und gerade die Forschung zu Flavanolen liefert immer wieder spannende Ergebnisse. Die neue COSMOS-Studie zeigt aber auch, wie schnell aus einem interessanten Befund eine zu große Gesundheitsbotschaft werden kann.
Ein möglicher Vorteil zeigte sich nur bei einer bestimmten Teilnehmergruppe – und untersucht wurde Kakaoextrakt, nicht Schokolade.
Genauso wenig ist Cadmium ein Grund, Kakao grundsätzlich zu meiden. Für Schokoladenfreunde bleibt deshalb eine angenehm einfache Empfehlung: Gute Schokolade darf Genuss bleiben. Sie muss nicht zur Medizin erklärt werden.
Schokolade
Cadmium
Seele
Geschmack
Aminosäure