Wer im Supermarkt vor dem Ölregal steht, stolpert schnell über Begriffe wie „nativ“, „kaltgepresst“, „raffiniert“ oder „High-Oleic“. Das klingt manchmal nach Fachsprache, ist aber mehr als nur Marketing. Denn die Angaben auf dem Etikett verraten, wofür ein Öl geeignet ist – und was damit in der heißen Pfanne passiert.
Bei kaltgepressten oder nativen Ölen wird das Öl rein mechanisch aus Saaten, Nüssen oder Früchten gewonnen. Es wird dabei nicht stark erhitzt. Bei Olivenöl begegnet man zusätzlich dem Begriff „extra vergine“ beziehungsweise „nativ extra“. Er steht für eine besonders hochwertige Güteklasse.
Der Vorteil:
Das Öl behält seinen typischen Eigengeschmack, seine Farbe und viele natürliche Begleitstoffe. Dazu zählen je nach Öl auch Vitamin E, sekundäre Pflanzenstoffe und antioxidativ wirkende Substanzen.
Der Haken:
Viele native Öle sind empfindlicher gegenüber Hitze, Licht und Sauerstoff. Besonders Leinöl, Walnussöl oder Distelöl sollten nicht stark erhitzt werden. In der heißen Pfanne können wertvolle Inhaltsstoffe verloren gehen, und bei Überhitzung können unerwünschte Abbauprodukte entstehen.
Fazit:
Native und kaltgepresste Öle sind ideal für Salate, Dips, Quarkgerichte, Bowls oder zum Verfeinern fertiger Speisen. Für scharfes Anbraten sind sie meist nicht die richtige Wahl.
Raffinierte Öle werden nach der Gewinnung weiterverarbeitet. Dabei werden unerwünschte Geruchs-, Geschmacks-, Farb- und Begleitstoffe entfernt. Das macht sie neutraler, haltbarer und hitzestabiler.
Der Vorteil:
Raffinierte Öle eignen sich gut für höhere Temperaturen. Sie schmecken meist neutral und verfälschen den Eigengeschmack von Gemüse, Fisch, Fleisch oder Backwaren kaum. Deshalb sind sie in der Alltagsküche sehr praktisch.
Der Haken:
Durch die Verarbeitung gehen viele natürliche Begleitstoffe verloren. Ein raffiniertes Öl ist deshalb vor allem ein küchentechnisch gutes Brat- und Backöl – aber kein Öl, das wegen seines besonderen Aromas oder seiner sekundären Pflanzenstoffe verwendet wird.
Fazit:
Raffinierte Öle sind eine gute Wahl zum Braten, Backen und teilweise auch zum Frittieren. Sie sind weniger „Feinschmeckeröl“, dafür zuverlässiges Werkzeug für die warme Küche.
High-Oleic-Öle stammen meist aus speziellen Sonnenblumen- oder Rapssorten. Diese enthalten besonders viel Ölsäure, eine einfach ungesättigte Fettsäure. Dadurch sind sie von Natur aus deutlich hitzestabiler als herkömmliche Sonnenblumenöle.
Der Vorteil:
High-Oleic-Öle verbinden eine gute Hitzestabilität mit einem günstigen Fettsäureprofil. Sie eignen sich sehr gut zum Braten, Backen und für höhere Temperaturen.
Der Haken:
Auch High-Oleic-Öle sind keine Einladung, Öl beliebig stark zu erhitzen. Beginnt ein Öl zu rauchen, ist die Temperatur zu hoch – unabhängig davon, wie hochwertig das Öl ist.
Fazit:
High-Oleic-Öle sind eine sehr gute Wahl für die Pfanne, besonders wenn ein neutrales, hitzestabiles Bratöl gesucht wird.
Einige kaltgepresste Öle werden nachträglich mit Wasserdampf behandelt. Dadurch verlieren sie einen Teil ihres intensiven Eigengeschmacks und werden milder. Das ist vor allem bei Rapsöl beliebt, wenn der typische Geschmack als zu streng empfunden wird.
Gut zu wissen:
Gedämpfte Öle können im Alltag angenehmer schmecken und etwas vielseitiger einsetzbar sein. Sie bleiben aber nicht automatisch so hitzestabil wie klassische raffinierte Bratöle.
Aromatisierte Öle werden mit Kräutern, Chili, Knoblauch, Zitrone, Trüffelaroma oder anderen Zutaten versetzt. Sie sind vor allem für den Geschmack gedacht.
Gut zu wissen:
Solche Öle eignen sich besonders zum Verfeinern fertiger Speisen, etwa über Pizza, Pasta, Salat, Gemüse oder Antipasti. Zum starken Erhitzen sind sie meist ungeeignet, da die Aromastoffe empfindlich reagieren können.
Bei der industriellen Härtung werden flüssige Öle fester gemacht. Dabei können, vor allem bei unvollständiger Härtung, Transfettsäuren entstehen. Diese gelten als ungünstig für die Herz-Kreislauf-Gesundheit.
Transfette stecken heute zwar deutlich seltener in Lebensmitteln als früher, können aber in manchen industriell hergestellten Backwaren, Frittierfetten, Snacks oder Fertigprodukten noch vorkommen. Ein Blick auf die Zutatenliste lohnt sich deshalb.
Der Rauchpunkt ist kein Qualitätsmerkmal, mit dem man in der Küche experimentieren sollte, sondern ein Warnsignal. Sobald Öl in der Pfanne sichtbar raucht, ist es zu heiß geworden. Dann beginnt es sich zu zersetzen, Geschmack und Qualität leiden, und es können unerwünschte Stoffe entstehen.
Praktische Regel:
Wenn Öl raucht, Pfanne vom Herd nehmen, Öl entsorgen und beim nächsten Mal ein hitzestabileres Öl oder eine niedrigere Temperatur wählen.
Rohöle, die in der Industrie gewonnen werden, kommen nicht direkt als Speiseöl in den Handel. Sie müssen vor dem Verzehr aufbereitet und raffiniert werden. Für Verbraucher ist dieser Punkt beim Einkauf daher weniger entscheidend.
Wichtiger ist die Frage, was auf dem Etikett steht: nativ, kaltgepresst, raffiniert, Bratöl oder High-Oleic.
Steht auf der Flasche „nativ“, „kaltgepresst“ oder bei Olivenöl „nativ extra“, kaufen Sie vor allem Geschmack, Aroma und natürliche Begleitstoffe – ideal für die kalte Küche.
Steht dort „raffiniert“, „Bratöl“ oder „High-Oleic“, kaufen Sie ein Öl, das besser für Hitze geeignet ist.
Quellen: DGE und Verbraucherzentrale: Empfehlungen zu pflanzlichen Ölen, Fettsäuren, Vitamin E, Hitzestabilität, Bratölen, Transfetten sowie zur Bewertung von Kokosfett, Palmöl und Palmkernöl.