Knallblau, giftgrün oder leuchtend rot, eiskalt und süß: Slush-Ice gehört für viele Kinder zu Freibad, Freizeitpark und Sommerurlaub wie Pommes und Sonnencreme. Dass ausgerechnet in dieser harmlos wirkenden Eislimonade ein Stoff stecken kann, der für kleine Kinder problematisch wird, dürften die wenigsten Eltern wissen.
Dabei geht es diesmal nicht in erster Linie um Zucker oder Farbstoffe. Im Fokus steht Glycerin, auch Glycerol genannt, mit der Zusatzstoffnummer E 422. Eine neue europäische Bewertung hat die Diskussion 2026 noch einmal deutlich verschärft.
Die typische Konsistenz eines Slushs ist gar nicht so einfach herzustellen. Das Getränk soll gefrieren – aber eben nicht zu einem massiven Eisblock.
Hier kann Glycerin helfen. Der farblose, leicht süßlich schmeckende Stoff beeinflusst das Gefrierverhalten und sorgt dafür, dass die Mischung weich und halbgefroren bleibt.
Glycerin ist dabei keineswegs grundsätzlich ein gefährlicher Stoff. Es kommt natürlicherweise in Fetten vor und ist in der Europäischen Union als Lebensmittelzusatzstoff E 422 zugelassen. Das Problem ist vielmehr die Menge, die innerhalb kurzer Zeit aufgenommen wird.
Und genau hier kommen Slush-Getränke ins Spiel.
Bei Lebensmitteln macht die Dosis bekanntlich oft den Unterschied. Ein 20 Kilogramm schweres Kind nimmt mit demselben Getränk pro Kilogramm Körpergewicht sehr viel mehr Glycerin auf als ein 80 Kilogramm schwerer Erwachsener.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung hatte bereits Slush-Ice-Proben aus der Lebensmittelüberwachung ausgewertet. Nach der Risikobewertung des BfR zu Glycerin in Slush-Ice-Getränken können jüngere Kinder bereits mit weniger als 200 Millilitern so viel Glycerin aufnehmen, dass eine therapeutisch wirksame Dosis erreicht oder überschritten wird.
Genau deshalb hat das Thema inzwischen auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA beschäftigt.
Die EFSA legte 2026 erstmals eine sogenannte akute Referenzdosis (ARfD) für Glycerin aus Getränken fest.
Sie beträgt:
125 Milligramm Glycerin pro Kilogramm Körpergewicht bei einer einzelnen Trinkgelegenheit.
Das ist keine Grenze, ab der automatisch eine Vergiftung eintritt. Die ARfD beschreibt vielmehr eine Menge, die einmalig aufgenommen werden kann, ohne dass nach aktuellem Wissensstand ein erkennbares Gesundheitsrisiko zu erwarten ist.
Die aktuelle EFSA-Bewertung zur akuten Aufnahme von Glycerin (E 422) aus Getränken zeigt allerdings, dass typische Portionen glycerinhaltiger Slush-Getränke diesen Wert überschreiten können – besonders bei Kindern.
Die EFSA empfiehlt deshalb der Europäischen Kommission, die Festlegung von Höchstmengen für Glycerin in Getränken in Betracht zu ziehen.
Die meisten Menschen werden nach einem gelegentlichen kleinen Slush natürlich nicht krank. Das Risiko hängt von mehreren Dingen gleichzeitig ab:
Bei höheren Mengen wurden unter anderem Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Schwindel und Benommenheit beschrieben.
Dass dies nicht nur eine theoretische Überlegung ist, zeigt eine Fallserie zu 21 erkrankten Kindern nach dem Konsum von Slush-Ice aus Großbritannien und Irland. Fast alle Kinder entwickelten innerhalb einer Stunde Beschwerden. Auffällig waren unter anderem Bewusstseinsstörungen, Unterzuckerungen und Veränderungen des Stoffwechsels.
Das heißt nicht, dass jedes Kind nach einem Slush gefährdet ist. Die Fälle zeigen aber, warum Behörden und Mediziner den Zusatz von Glycerin inzwischen genauer unter die Lupe nehmen.
Leider nicht zuverlässig.
Bei abgepackten Produkten lässt sich E 422 beziehungsweise Glycerin in der Zutatenliste erkennen. Bei frisch aus einer Maschine gezapftem Slush ist das für Kunden wesentlich schwieriger.
Hinzu kommt: Die Konzentrationen können erheblich variieren. Die kräftige Farbe sagt übrigens nichts darüber aus, wie viel Glycerin enthalten ist.
Auch die verschwinden durch die aktuelle Glycerin-Diskussion natürlich nicht.
Slush-Ice bleibt meist ein süßes Erfrischungsgetränk und kein geeigneter Durstlöscher. Dass regelmäßig konsumierte zuckerhaltige Softdrinks die Fettproduktion der Leber fördern können, ist unabhängig von der aktuellen Glycerin-Debatte ein weiterer Grund, solche Getränke eher als gelegentlichen Genuss zu betrachten.
Ein Slush darf also durchaus einmal das bunte Eisgetränk im Freibad sein. Als Getränk gegen den Durst sollte er Wasser oder ungesüßten Tee jedoch nicht ersetzen.
Panik ist nicht angebracht. Gleichgültigkeit allerdings auch nicht.
Für Erwachsene und größere Jugendliche dürfte ein gelegentlicher kleiner Slush in aller Regel kein Grund zur Sorge sein. Bei kleinen Kindern sieht die Situation aufgrund ihres niedrigeren Körpergewichts anders aus.
Solange Eltern weder erkennen können, ob Glycerin enthalten ist noch in welcher Konzentration, lässt sich das individuelle Risiko kaum abschätzen.
Gerade an heißen Tagen sollte außerdem nicht vergessen werden, dass Kinder ausreichend trinken und sich vor Überhitzung schützen müssen. Wie sich Körper und Kreislauf bei Sommerhitze schützen lassen, hängt nämlich nicht von einem besonders kalten oder bunten Getränk ab.
Wer auf Nummer sicher gehen möchte, verzichtet bei kleinen Kindern deshalb auf glycerinhaltige Slush-Getränke oder wählt eine Alternative ohne Glycerin.
Und vielleicht ist das die wichtigste Botschaft der aktuellen Diskussion: Ein zugelassener Lebensmittelzusatzstoff ist nicht automatisch in jeder Menge und für jedes Alter gleichermaßen unproblematisch.
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